Hallo, hier ist nicht Captain Future.
Captian Future’s Text hat uns aber sehr bewegt. Hat uns dazu gebracht Gespräche zu führen. Gespräche die weh tun. Gespräche die sich sehr wichtig angefühlt haben.
Gespräche die spätestens jetzt dringend geführt werden müssen.
Gespräche beim spazieren gehen. Gespräche beim essen. Gespräche zu zweit. Gespräche mit vielen. Gespräche mit Freundinnen. Gespräche mit möglichen Verbündeten.
Um die Gespräche zu verbreiten, sie am laufen zu halten und sie um all die fehlenden Perspektiven zu erweitern, bitten wir euch aufzuschreiben was am 23.11.2030, am 25.11. und 26.11. am 28.11. in den Tagen zwischen dem 29.11. und dem 4.12. passiert ist.
Was ist davor und danach passiert?
Bitte verbreitet diesen Text in alle Himmelsrichtungen, in allen Formen, an alle die Interesse haben könnten und an diejenigen, die ihn noch nicht kennen.
Wenn ihr möchtet das die Geschichten des Winters 2030 zurück in die breite Diskussion getragen werden dann erzählt sie uns.
winter2030@systemli.org
Captain Future – Vor dem Krieg
20.11.2030
Die Schlangen an den Supermärkten sind jetzt so lang, dass erste Unruhe entsteht. Die meisten bekommen ohnehin nichts mehr. Viele Regale sind schon leer. Zuerst wieder nur das Klopapier. Jetzt fehlt alles Brauchbare. Dabei hat der Krieg noch gar nicht begonnen. Überall Ungläubigkeit in den Augen; unter der Betriebsamkeit lauert merklich, sich heranschleichend, Furcht, vor dem was kommt. Kein Heldentum außerhalb der Propaganda. Immerhin das. Auch kaum Widerstand.
Wir haben gestern versucht zur Demo nach Berlin zu kommen – keine Chance. Alle Autobahnen sind jetzt erstmal bis zum Ende des Aufmarsches nur fürs Militär nutzbar. Wie soll das erst werden, wenn der Krieg ausbricht?
Auf den Landstraßen stehen jetzt die Heimatschützer vor jeder Brücke. Da sind jetzt viele Nazis dabei. Eben wollten sie noch ein Bündnis mit Russland, jetzt geilen sie sich an ihrer Macht auf. Sie kontrollieren die Straßen.
Aber mit dem Auto kommt man bald sowieso nicht mehr weit. An den Tankstellen bekommen gerade nur noch die Militärkolonnen Benzin und Diesel. Die Tankstellenbetreiber haben schon vor Jahren Verträge mit der Bundeswehr geschlossen. Alles für die Truppen, die jetzt aus Frankreich, Spanien und Portugal Richtung Polen fahren. Auf der Strecke von Mannheim über Frankfurt, Erfurt, Leipzig und Berlin, und zwischen Nürnberg und Dresden geht Richtung Polen gar nichts mehr. Im Süden ist alles für die französischen Truppen aus Metz und Sarrebourg frei gehalten, die über Karlsruhe, Stuttgart und München nach Rumänien fahren. Auf der A20 Stau, weil die Amis über Bremerhaven nach Litauen wollen. Im Osten verstopfen die Soldat_innen aus der Oberlausitz und aus Hohenfels und Grafenwöhr die Straßen. Bis vor ein paar Tagen wusste niemand, wo das ist. Aber jetzt läuft in den Nachtrichten ja nicht nur der Propagandadreck – sie sind zu einer Dauerverkehrsmeldung geworden. Na, dann denken die Leute wenigstens, Krieg sei eigentlich ein Verkehrsproblem. Gute Nacht und bis morgen.
21.11.2030
Heute Nacht haben Leute eine Drohne runtergeholt, die den Hub in Lehrte überwacht hat. Ich glaube nicht, dass es die Russen waren. Schon in den letzten Tagen wurden Drohnen angegriffen. Keine Ahnung, wie die das machen. Aber Drohnen sind jetzt überall. An allen Autobahnen und Schienen wurden auch Sensoren angebracht. Die kriegt man wenigstens relativ einfach ab. Wenn es nur nicht so mühsam wäre, sich unbemerkt zu nähern.
Es fahren jetzt fast nur noch Züge fürs Militär. Alles priorisiert. Es heißt, in zwei bis drei Wochen würde sich wieder alles normalisieren. Wer's glaubt!
Gerade werden die Verstärkungskräfte der Bundeswehr für den NATO-Kampfverband in Litauen aus Standorten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zusammengezogen und das Material wird von Logistikeinheiten aus Delmenhorst und Burg transportiert. Fahrzeuge und Technik werden auf ihrem Weg nach Osten auf den Truppenübungsplätzen Jägerbrück und Lehnin zusammengezogen. Von dort machen sich dann Kolonnen über Tag und Nacht über die Autobahn auf den Weg Richtung Osten. Ein weiterer Transport mit Artilleriemunition macht sich aus dem Munitionslager im saarländischen Eft-Hellendorf Richtung Litauen auf den Weg. Von überall strömen sie heran, um in den Krieg zu ziehen. Angeblich gibt es jetzt immer mehr Freiwillige für den Heimatschutz und die „Hilfsorganisationen". Wir haben heute versucht, Richtung Hamburg zu kommen – keine Chance. Der Blockadeversuch in Unterlüß wurde plattgemacht. Über 200 Leute sitzen jetzt erstmal im Lager. Sie haben es wenigstens versucht. Aber die NATO-Kriegsmaschinerie lässt sich nicht von ein paar Leuten aufhalten. Russland zieht immer mehr Truppen in Belarus zusammen. Putin sagt immer noch, es sei ein Manöver, Vance fliegt zum Papst (was soll die Scheißе?), Weidel droht die Koalition platzen zu lassen – und wir plakatieren gegen Militarisierung. Wie nutzlos ist das denn! Jetzt wird eine befristete Ausgangssperre diskutiert. Nur bis der Aufmarsch abgeschlossen ist. Es nützt nichts. Wir müssen dringend Demos machen, raus auf die Straße!
Aber mit wem? Im Autonomen Zentrum wurde gerade vom Plenum beschlossen, dass man sich an eine Ausgangssperre halten würde, um den Laden nicht zu gefährden – und weil ja wohl niemand unter russischen Verhältnissen leben wolle! Tschüssikowski linke Szene.
24.11.2030
Wir haben jetzt 2 Tage lang versucht ein Krankenhaus zu finden, in das wir Martha bringen können. Sie bekommt immer schlechter Luft – jetzt ist sie wieder zu Hause. Kein Krankenhaus war bereit sie aufzunehmen, weil ja gerade alles auf Verarztung von Kriegsverletzten umgestellt wird. Das ist schon irre: es gibt ja noch gar keinen Krieg! Aber die Vorbereitungen laufen wie am Schnürchen, als gäbe es nur eine Richtung: Weltkrieg. Das ganze Land, ganz Europa wird umgekrempelt, weil die NATO es so will.
Die meisten Verletzten gibt durch Unfälle mit Militärkonvois. Gestern erst bei Wunstorf, wo alle Transportmaschinen stationiert sind.
Die karren da über Schiene und Straße Unmengen an Material hin.
Die Gleise sind voll mit Panzern, Munition und Kerosin. Auf den Straßen das gleiche Bild. Lieferkettensicherung gibt's nur für das Militär. In den Geschäften wird es jetzt sehr knapp. Spahn sagt, es sollen jetzt alle auf ihre Notvorräte zurückgreifen, in 2 Wochen sei der Aufmarsch vorerst abgeschlossen und dann sind die Autobahnen wieder für LKWs benutzbar. Na ja, wenn es wirklich zum Krieg kommt, haben die Leute nichts mehr zu Essen. Die Küfa bekommt jetzt schon Probleme, weil es zu wenig Essen gibt und zu viele Leute was essen wollen.
Mittlerweile werden zwar immer mehr Standorte von Lebensmittellagern bekannt; Aber davor stehen überall die Heimatschutz-Faschos.
27.11.2030
Die Militär-Autobahn A20 ist gestern „abgesackt". Da haben sie extra den Tunnel unter der Elbe gebaut und das Sondervermögen verdoppelt... Die Amis kommen jetzt wieder über die A2.
Aber der Flugplatz des Marinefliegergeschwaders 5 in Nordholz ist genauso abgeschnitten wie der Midgard-Hafen in Nordenham, der Fregattenhafen in Wilhelmshaven und das Bundeswehr-krankenhaus in Westerstede; Rotterdam und Vlissingen sind auch abgeschnitten. Am Bundes-wehrdepot in Hesedorf ist ein Feldwebel Amok gelaufen, weil die A20 nicht mehr nutzbar ist. Es hat überall russische Saboteure gesehen. Sollen sie sich doch gegenseitig abknallen.
Zivile Autos dürfen ab heute, befristet für die nächsten 5 Tage nur noch fahren, wenn sie was mit Arbeit oder der Aufmarsch zu tun haben. Es gibt überall Kontrollen, auch in der Stadt.
In Bayern gab es den ersten Hackerangriff auf ein Wasserwerk. Das hört sich nicht gut an. Wir haben uns zum Glück heute Vormittag noch einen 1000-Liter-Tank besorgt.
Es gab Versuche von Anarchist_innen sich den Protesten gegen die eingeschränkte Bahnnutzung anzuschließen. Das schien erst ganz gut zu laufen. Aber seit jetzt bekannt wurde, dass die Bahn schon 2019 Verträge mit der Bundeswehr abgeschlossen hat, die militärischen Schienentranspor-ten bei Aktivierung der NATO-Eingreiftruppen Vorrang vor zivilen Zügen einräumen, sind viele Bürgerliche weggeblieben und der DGB hat dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben, weil Deutschland jetzt zusammenhalte müsse.
In Berlin haben Leute ne Sponti gemacht. Der Mob hat sie fast gelüncht.
29.11.2030
Das Land steht still. Außer Militär und Heimatschutz bewegt sich nicht nichts mehr. Alle halten den Atem an. Apokalyptisch.
04.12.2030
Russland sagt, seine Übung sei beendet und zieht Truppen ab. Die NATO diskutiert, ob man nicht präventiv handeln müsse. Spahn trägt jetzt auch eine schicke Uniform, Weidel fliegt nach Russland, Vance ist wieder beim Papst, Putin sieht 10 Jahre jünger aus. Vielleicht gibt es Krieg. Morgen graben wir an der A6.