Wir haben die Erklärung derer zur Kenntnis genommen, die sich einst Vulkangruppe nannten und nun aus dem Ruhestand heraus versuchen, die Deutungshoheit über einen Kampf zu erlangen, den sie vor über einem Jahrzehnt aufgegeben haben. Dass ihr euch gerade jetzt meldet, nach unserem erfolgreichen Schlag gegen das Gaskraftwerk Lichterfelde, nach den Aktionen gegen Tesla und die Infrastruktur der Zerstörung, ist bezeichnend. Es ist der Reflex derjenigen, die ihren Frieden mit den Verhältnissen gemacht haben und nun fürchten, dass der Ruß unseres Feuers ihre bürgerliche Fassade beschmutzt. Ihr sprecht von „Missbrauch“ des Namens. Wir sprechen von notwendiger Evolution. Ihr sprecht von „Verantwortung“. Wir nennen es Feigheit vor der Konsequenz.
Das Schisma von 2013: Analyse einer Kapitulation
Es ist notwendig, das Gedächtnis aufzufrischen, da ihr euch in neblige Nostalgie flüchtet. Die Trennung im Sommer 2013 war kein Zufall und kein bloßes Auseinanderleben. Es war eine politische Zäsur. Schon damals zeichnete sich ab, dass der isolierte Blick auf „Bundeswehreinsätze“ und „Waffenexporte“ zu kurz greift. Ihr wolltet den Krieg bekämpfen, aber die Maschinerie, die den Krieg erst ermöglicht – den kapitalistischen Normalvollzug, die Energieversorgung, die Logistik, die digitale Überwachung – wolltet ihr unangetastet lassen. Als wir 2013 forderten, den Begriff der „militärischen Infrastruktur“ auf die zivil-militärischen Mischformen auszuweiten – auf die Datenknoten, die Energienetze, die Logistikzentren –, da seid ihr zurückgeschreckt. Ihr wolltet die „reine Lehre“ des Antimilitarismus, sauber getrennt vom Alltag der Menschen. Ihr wolltet „Störung“, aber bloß nicht so sehr, dass es wehtut. Ihr wolltet Applaus aus der linken Szeneblase, aber keine Konfrontation mit der Systemfrage. Die Spaltung war die Folge eurer Weigerung, anzuerkennen, dass der Kapitalismus nicht nur in Panzern an die Front rollt, sondern durch die Stromleitungen, die Serverfarmen und die Pipelines jeden Tag einen Krieg gegen diesen Planeten und seine Bewohner führt. Ihr seid gegangen, um „Bücher zu lesen“ und euch in Diskussionszirkeln zu verstecken. Wir sind geblieben, um die Lunte neu zu legen.
Gegen die Lüge der „Unschuldigen Infrastruktur“
Eure Argumentation, Infrastruktur sei kein „Spielfeld“, sondern müsse geschützt werden, ist naiv und gefährlich. Sie spielt genau jenen in die Hände, die wir bekämpfen. Ihr behauptet, eure Angriffe galten nur dem Militär. Aber wer liefert den Strom für die Kasernen? Wer transportiert die Panzer? Wer liefert die Daten für die Drohnenmorde? Es ist dieselbe Infrastruktur, die auch die Villen in Zehlendorf heizt und die Tesla-Fabrik am Laufen hält. Die Trennung zwischen „ziviler“ und „militärischer“ Nutzung ist im Zeitalter der hybriden Kriegsführung und der totalen Vernetzung eine Illusion von gestern. Das Internet, das Stromnetz, die Verkehrswege – sie sind dual-use. Wer die Infrastruktur des Kapitals schont, schont auch seine Fähigkeit, Kriege zu führen und die Biosphäre zu vernichten. Ihr werft uns vor, wir würden die „gesellschaftliche Grundversorgung“ angreifen. Wir sagen: Eine Gesellschaft, deren „Grundversorgung“ auf der Verbrennung von fossilen Energien, auf der Ausbeutung des globalen Südens und auf der Zerstörung der klimatischen Lebensgrundlagen beruht, hat kein Recht auf ungestörten Schlaf. Die „Normalität“, die ihr bewahren wolltet und deren Störung ihr nur „symbolisch“ meintet, ist genau das Problem. Diese Normalität tötet. Täglich.
Der Ukraine-Vorwand und die Bankrotterklärung der Analyse
Dass ihr den Angriff Russlands auf die Ukraine 2014 und 2022 als Grund anführt, warum Sabotage heute „falsch“ sei, ist der Gipfel der politischen Verwirrung. Ihr übernehmt die Rhetorik der Herrschenden 1 zu 1. Weil Putin Infrastruktur bombardiert, dürfen wir die Infrastruktur des deutschen Imperialismus und der fossilen Zerstörung nicht mehr anfassen? Das ist die Logik des Burgfriedens. Ihr stellt euch schützend vor das System, nur weil es gerade in Konkurrenz zu einem anderen autoritären System steht. Das ist genau die Falle, vor der wir immer gewarnt haben. Wir lassen uns nicht erpressen von der geopolitischen Lage. Der deutsche Standort-Nationalismus, der sich jetzt „Verteidigung der Demokratie“ nennt, ist genauso unser Feind wie der russische Imperialismus. Die Klimakatastrophe wartet nicht, bis der Ukraine-Krieg vorbei ist. Das Artensterben macht keine Pause, nur weil ihr Angst habt, mit Putin verwechselt zu werden. Eure Haltung ist ein Freibrief für RWE, Vattenfall, Stromnetz Berlin und Tesla, weiterzumachen wie bisher, geschützt durch die moralische Erpressung des Krieges. Wir lehnen diese Erpressung ab. Wir sabotieren hier, weil hier die Täter sitzen, die unsere Lebensgrundlagen vernichten. Ob Putin das gefällt oder nicht, ist für unsere Analyse irrelevant. Wir sind keine geopolitischen Schachfiguren, wir sind der Widerstand gegen die Vernichtung.
Warum wir den Namen behalten
Ihr sagt, der Name „Vulkangruppe“ gehört euch? Ein Name gehört niemandem. Ein Vulkan ist kein eingetragener Verein mit Satzung und Vorstandsitzung. Ein Vulkan ist ein Naturereignis, das ausbricht, wenn der Druck zu groß wird. Wir haben diesen Druck 2011 gespürt, wir haben ihn 2013 gespürt, und wir spüren ihn heute, im Jahr 2026, stärker denn je. Ihr habt den Namen abgelegt wie ein altes Kleidungsstück, das nicht mehr passt, weil ihr bürgerlich geworden seid. Wir haben ihn mit neuem Inhalt gefüllt. Wir haben die Analyse geschärft: Vom reinen Antimilitarismus hin zum Kampf gegen die Totalität der Zerstörung – Klima, Kapital, Kontrolle. Wenn heute von der Vulkangruppe die Rede ist, denkt niemand mehr an eure symbolischen Brandplättchen an Bundeswehr-LKWs von 2011. Man denkt an brennende Stromtrassen, an stillgelegte Tesla-Fabriken, an den dunklen Himmel über Lichterfelde. Man denkt an wirksamen Widerstand, nicht an moralische Appelle. Wir haben den Namen nicht gestohlen, wir haben ihn vor der Bedeutungslosigkeit gerettet.
Zurückweisung der Bevormundung
Eure „Distanzierung“ ist uns herzlich egal. Sie dient nur dazu, euer eigenes Gewissen zu beruhigen und euch vor der Repression zu schützen, die ihr so sehr fürchtet. Ihr wollt saubere Hände behalten, während die Welt brennt. Ihr schreibt: „Die Welt wird brennen, langsam, dann schneller.“ Und eure Antwort darauf ist Rückzug? Das ist zynisch. Das ist der Defätismus derer, die ihre Schäfchen im Trockenen haben. Wir akzeptieren das Brennen nicht als Schicksal. Wir legen Feuer an die Zündschnüre dieses Systems, um den großen Brand zu verhindern oder zumindest die Maschinerie zu stoppen, die das Öl ins Feuer gießt. Ihr sprecht von „Sichtbarkeit von Verantwortung“. Wir sprechen von der materiellen Unterbrechung der Zerstörung. Das ist der qualitative Unterschied zwischen euch und uns. Ihr wolltet reden, wir wollen stoppen. Die technische Entwicklung unserer Mittel – von einfachen Brandsätzen hin zu komplexen Sabotagen an 110kV-Leitungen und Kabelbrücken – spiegelt die Notwendigkeit der Zeit wider. Die „Smart City“, die ihr in eurer Erklärung nicht einmal erwähnt, ist der Versuch, jede Regung des Widerstands digital zu ersticken. Wer diese Infrastruktur nicht angreift, hat den Kampf schon aufgegeben. An die Medien, die diese Distanzierung der „Alten“ nun nutzen werden, um uns als „wahnsinnige Abweichler“ darzustellen: Versucht es ruhig. Es ändert nichts an den Fakten. Es ändert nichts an den 64 Rohren unter der Kabelbrücke. Es ändert nichts an der Verletzlichkeit eures Systems.
Schlusswort an die Ehemaligen
Bleibt in euren Sesseln. Schreibt eure Memoiren. Diskutiert in euren Altbauwohnungen über die Moral der Sabotage, während draußen das Wasser steigt und die Wälder sterben. Aber steht uns nicht im Weg. Ihr habt eure Wahl 2013 getroffen. Wir haben unsere getroffen. Wir tragen die Konsequenzen unseres Handelns. Wir verstecken uns nicht hinter einer "früheren Identität". Wir sind die Vulkangruppe. Hier und Jetzt.
Vulkangruppe: Die Glut ist heißer als je zuvor Gegen die Resignation der Alten - Für die Wut der Jungen Kein Frieden mit den Zerstörern - Weder 2011 noch 2026 Infrastruktur ist kein Tabu - Sie ist die Waffe des Gegners Switch off das System der Angst.
Wir machen weiter.