Antifa

Stuttgarter Zeitung, Stomper 98, Herrenberg-Juha

Stomper 98 in Herrenberg Gesinnungspolizei überrollt das Jugendhaus

Von Marc Schieferecke 16. Oktober 2017 - 09:00 Uhr

 

Only local images are allowed. In Herrenberg wird das Publikum Stomper 98 nicht bejubeln können. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Linke stoppen den Auftritt der angeblich rechten Band Stomper 98. Die gilt selbst in linksautonomen Clubs in Berlin und Leipzig als unverdächtig.

 

Herrenberg - Uneingeweihte mag dieser Anfang verwirren: SO36, Berlin, Jugendhaus, Herrenberg, Conne Island, Leipzig, Stomper 98, auf Tour. Das SO36 ist ein Club in Kreuzberg. Über dessen Weltanschauung ist alles damit gesagt, dass das SO36 Partys speziell für homosexuelle Muslime veranstaltet – seit 20 Jahren. Falls es weiterer Klarstellung bedarf: „Das SO36 wendet sich ausdrücklich gegen jede Form von sexistischen, rassistischen oder homophoben Äußerungen.“ Dies ist der erste Satz in der Eigenpräsentation des Clubs. Wer gegen ihn verstößt, fliegt raus.

Dies gilt auch für Bands auf der Bühne, damit selbstredend auch für Stomper 98, eine sechsköpfige Combo, bei deren Anblick nicht wenige Herrenberger vorsorglich die Straßenseite wechseln würden. Martialisches Auftreten ist für Stomper Lebenseinstellung und Berufspflicht. Die Band spielt „Oi!“, eine Unterströmung des Punkrock, die einst erdacht wurde, weil Urpunkern der Punk zu kommerziell geworden war. Sie wollten musikalisch zurück in die Gosse. Weshalb die rechtsnationaler Umtriebe gänzlich unverdächtige Berliner „Tageszeitung“, die „taz“, Stomper 98 zum „Stolz der Arbeiterklasse“ erklärte. Dies in einer Schlagzeile, die acht Jahre alt ist.

Den Frontmann holt seine rechte Vergangenheit immer wieder ein

Schon damals gab der Frontmann Sebastian Walkenhorst zu Protokoll: „Diese Scheiße kotzt mich an.“ Was der Kommentar dazu war, dass ihn und damit die Band einmal mehr seine Vergangenheit eingeholt hatte. In jungen Jahren hing Walkenhorst in seiner Heimat Delmenhorst mit Rechten ab. Später zog er nach Göttingen, zeugte vier Kinder, wurde Vegetarier, schwor den Drogen ab – und selbsterklärtermaßen den Rechten. Ungeachtet dessen ist Stomper 98 in linksautonomen Kreisen nach wie vor verdächtig, mit Rechten zu sympathisieren. Auslöser der damaligen Diskussion war ein Foto, das Walkenhorst mit einem alten Kumpel zeigte. Sie waren sich zufällig über den Weg gelaufen. Dummerweise spielte jener Kumpel in einer fraglos rechtsnationalen Band.

Dies ist nun zum Problem des Jugendhauses Herrenberg geworden. Dort sollten Stomper 98 vier Tage nach dem Auftritt im SO36 spielen. Werden sie aber nicht, das Konzert ist vergangenen Freitag abgesagt worden, nach längerer Debatte. Die Begründung liefert der Jugendhaus-Vorstand schriftlich: „Es ist an der Zeit, dass wir Vorstände die Notbremse ziehen, um die Hetze gegen unser Haus und unsere Mitarbeiter zu beenden.“

Die Konzertankündigung hatte Antifa-Aktivisten alarmiert. Auf einer Internetplattform erschien eine mehrseitige Schmähschrift gegen Stomper 98 und das Jugendhaus gleich mit. 40 Unterzeichner stehen am Ende. Das Antifa-Aktionsbündnis Stuttgart zählt zu ihnen, Bands, sogar ein Tattoo-Studio. Dann tat das Internet, was das Internet tut: Die Botschaft explodierte, zeugte Empörung und Boykottdrohungen. Tenor: Wenn ihr die spielen lasst, seht ihr uns nie wieder.

Die Bewohner von Connewitz erfreuen sich außergewöhnlicher Unbeliebtheit

Womit sich im beschaulichen Herrenberg eine Geschichte wiederholt, die in einem alles andere als beschaulichen Teil Leipzigs schon vergessen ist, in Connewitz. Die Bewohner des Stadtteils erfreuen sich außergewöhnlicher Unbeliebtheit. Dem Leipziger Polizeipräsidenten schwellen die Stirnadern, wenn er nur über sie spricht. Anfang 2006 fielen rund 200 Neonazis über Connewitz her und verwüsteten eine komplette Straße. Der Verfassungsschutz war zumindest eine Zeit lang regelmäßig zu Gast, unrechtmäßig, wie ein Gerichtsurteil belegt. Und zwar wegen des Verdachts linksradikaler Umtriebe im Conne Island.

Das Conne Island ist das geistige Zentrum von Connewitz, und Connewitz ist „Antifa-Area“, wie die Bewohner am Ortseingang Besucher schriftlich mahnen. Wer sich hier nur verdächtig macht, ein Rechter zu sein, riskiert Prügel. Im Conne Island werden Stomper 98 am Freitag spielen, mal wieder. Die Frage nach rechter Gesinnung haben die Macher des linken Clubs bereits 2008 geklärt. Damals führten sie den Streit, der nun Herrenberg eingeholt hat. Selbst der Subkontext einzelner Liedzeilen wurde diskutiert. Wie bei Linken üblich, würde das Protokoll der Debatte mehrere Zeitungsseiten füllen. Das Ergebnis ist kurz: Stomper 98 treten auf – damals wie heute.

#Katalonien: Nachfragen zu 13 Antworten

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Katalonien_provinzen_vegueries.svg

 

Raul Zelik hat – im Stile einer faq-Liste – Antworten auf 13 Fragen zum Katalonien-Konflikt geschrieben.

 

---------------

 

Frage 1 lautet: „Warum sucht Katalonien eigentlich keinen Kompromiss?“

 

Die Frage mag viel gestellt werden; mein Bedenken gegen die Unabhängigkeit reflek­tiert die Frage nicht: Wäre das Ziel richtig, würde ich – soweit es das Kräfteverhältnis zuläßt – nicht auf Kompromißbereitschaft drängen.

 

Raul antwortet seinerseits auf die Frage:

 

Die katalanische Seite sucht seit 20 Jahren einen Kompromiss, wird vom Zentralstaat aber schlicht und einfach zurückgewiesen.“

 

Gut, die „katalanische Seite sucht [...] einen Kompromiss“.

 

Das mag ehrenwert sein oder nicht – aber mich interessiert: Zwischen welchen beiden Positionen oder Zielen soll denn überhaupt ein „Kompromiß“ erreicht werden?

 

[Dem Artikel ist eine .pdf-Version beigefügt; siehe am Ende.]

[HL] Neonazi Patrick Schulz verurteilt – schon wieder

Patrick Schulz

Am Mittwoch, den 20. September 2017, warten auf dem sonst menschenleeren Flur des Amtsgericht Ahrensburg Polizeibeamte aus Mecklenburg-Vorpommern. Kurz vor der auf halb zehn angesetzten Gerichtsverhandlung wird Patrick Schulz aus einem Aufenthaltsraum des Gerichts geholt. Er wurde in den frühen Morgenstunden aus seiner Wohnung in Rostock von Polizeibeamten zu seiner heute angesetzten Gerichtsverhandlung geführt. Dies geschah auf richterliche Anordnung, da Schulz zum wiederholten Male die Vorladung zu seiner Verhandlung ignorierte.

[Rojava] Welche Art der Selbstbestimmung? Zur Rojava-Revolution

Einst wurde die kurdische Befreiungsbewegung in der deutschen Linken als nationalistisch verschrien. Mit Kobanê wurde sie plötzlich „in“. Mittlerweile dominieren Romantisierung einerseits, Verunglimpfung als imperialistischer Trojaner andererseits. Aber worum geht es in Rojava? Ein Debattenbeitrag.

[Meşale Tolu] Unnachgiebig widerständig

Für eine Welt ohne Knäste! Revolutionäre Grüße aus Zürich.

Seit dem 30. April 2017 befindet sich die sozialistische Journalistin Meşale Tolu im türkischen Knast. Heute ist ihr erster Prozesstag. Die Geschichte eines unnachgiebigen Widerstandes und einer erstaunlichen Solidarität. Eine Reportage.

[krise17] Über Zäune springen, Grenzen überwinden!

Über Zäune springen, Grenzen überwinden! Texte zur Rassismuskrise von no-racism.net

no-racism.net hat eine 64seitigen Reader erstellt (zum PDF).  Dieser versammelt auf 64 Seiten Texte der letzten zweieinhalb Jahre. Es geht um Widerstand gegen Grenzen und Grenzregime und den mehr und mehr um sich greifenden Rassismus. Dazu kommt, dass im gerade statt findenden Nationalratswahlkampf in Österreich die rassistische Hetze durch Politik und Medien und die breite Zustimmung in der Bevölkerung noch deutlicher ans Tageslicht kommen. Europa steckt in einer Rassismuskrise.

Der Begriff Rassismuskrise bedeutet nicht, dass der Rassismus in einer Krise steckt, vielmehr geht es darum, dass der Rassismus Ursache ist für eine Krise von Solidarität, Gerechtigkeit und Fairness in den europäischen Gesellschaften.

[HM] - Klagen über Klages

Delia Klages und Björn Höcke beim Flügel-Treffen der AfD

In der Nacht vom 9. zum 10. Oktober 2017 waren einige Antifaschist*innen im Emmerthaler Ortsteil Voremberg (in der Nähe von Hameln) unterwegs, um die Einwohner*innen dieses verschlafenen Ortes über die ebendort wohnhafte AfD-Ratsfrau und Kandidatin für den Niedersächsischen Landtag, Delia Klages, aufzuklären und auf ihre politische Positionierung im extrem Rechten „Flügel“ der AfD um Höcke, Poggenburg, Tillschneider & Co. hinzuweisen. Der vollständige Text des Flugblatts, die Titelgrafik sowie das Flugblatt selbst sind dem Artikel zu entnehmen und dürfen gerne für weitere Flugblattverteilungen oder ähnliches verwendet werden.

Glasbruch bei der Leipziger Volkszeitung

In der Nacht vom 28.9. auf den 29.9 haben wir der Leipziger Volkszeitung einen Besuch abgestattet. Dabei gingen einige Scheiben zu Bruch und es wurde der Slogan „Ihr sucht uns – wir kommen zu euch, 12.12.“ hinterlassen. Grund für diese Ansage war die Veröffentlichung von Fahndungsfotos durch die LVZ vor einigen Wochen mit denen die Polizei nach Täter_innen der Riots am 12.12.2016 sucht.

[Ffm] Gegen Antisemitismus und Verschwörungsideologie auf der GegenBuchMasse und anderswo

Am Freitag, den 13. Oktober sollte in Rahmen der GegenBuchMasse eine Lesung mit Annette Groth in der Internationalen Buchhandlung Südseite stattfinden. Seit Veröffentlichung des Programms der diesjährigen GegenBuchMasse wurde von verschiedenen Seiten Kritik an der Autorin und dem Veranstaltungsort an den Organisationskreis P.A.C.K. herangetragen. Die Organisator*innen der Lesereihe reagierten insofern auf die Kritik, als dass sie die Veranstaltungsankündigung auf Facebook gelöscht und auch von der Website der GegenBuchMasse entfernt haben. Leider wird sie weiterhin im gedruckten Programm beworben, das auch online noch abrufbar ist[1]. Auf die Aufforderung, sich doch auch öffentlich zu distanzieren, wurde nur sehr verhalten reagiert, denn eine Begründung erhält nur, wer nachfragt. Das reicht uns allerdings nicht.

Seiten

Antifa abonnieren