Gobineau ging von einem gemeinsamen Ursprung aller „Menschenrassen“ in der Schöpfung aus. Doch ihre Verbreitung über die gesamte Erde und die Anpassung an unterschiedliche Lebensräume habe zu einer Ungleichheit der „Rassen“ geführt. Zivilisatorisch hochstehende Fähigkeiten besitze allein die „weiße Rasse“, insbesondere die „Arier“. Ihre Neigung zu Eroberung und Bevölkerungsvermehrung führe aber zu einer zunehmenden Mischung mit den als kulturunfähig titulierten „schwarzen und gelben Rassen“, was eine Nivellierung und Kulturlosigkeit zur Folge hätte.
Die Ideen Gobineaus stießen im vormodernen Deutschland sofort auf breite Resonanz. Sowohl bei Richard Wagner und als auch bei Friedrich Nietzsche ist gobinistisches Gedankengut nachzuweisen.
Die Verbindung von Gobineaus Rassentheorie mit dem Antisemitismus wurde erst durch die Gobineau-Rezeption im Umfeld Richard Wagners hergestellt. Wagner entfernte sich in zwei entscheidenden Punkten von Gobineaus Lehrsätzen. Er lehnte die standes- bzw. stammesmäßig geschlossenen Ehen als Mittel zur Erhaltung und Weitergabe der „Rassennatur“ ab. Weiterhin sah er mit der „Rassenmischung“ die kulturelle Leistungsfähigkeit der Menschheit als nicht erschöpft an, sondern sprach von einer Befähigung der Gattung zur Mutation.
In der Weiterentwicklung der Ideen Gobineaus sprach sich Nietzsche für eine künstlich-gewollte Rassenbildung, die auf die neuen Erkenntnisse der Eugenik auszurichten war, aus. Nietzsche entwickelte den Gedanken der Züchtung einer „Herrenrasse“, die eine höhere Art Menschen ausbilden sollte.