GEGEN DIE ERKLÄRUNG ZUM NATURSCHUTZGEBIET UND DIE WELT AUS DER SIE KOMMT
Kürzlich versammelten sich einige Bürokrat*innen, um zu versuchen über die Zukunft des Hambi zu entscheiden. Und sie reden davon, hier ein Naturschutzgebiet einzurichten! Offensichtlich haben diese Leute zu viel Zeit in ihren stickigen Büros verbracht und reden jetzt autoritär über Dinge, von denen sie nichts wissen. Habt ihr denn nicht gehört? Der Hambi ist SCHON LÄNGST ein Naturschutzgebiet! Im Jahr 2012 wurde er besetzt, um zu verhindern, dass er durch Europas größte Giftgrube zerstört wird. Die letzten 14 Jahren schützten wir diesen Ort: vor RWE, vor der Forstwirtschaft, vor Jägern – was immer kam. Aber wir sprechen nicht die Sprache des Staates und das wollen wir auch gar nicht. Deshalb tun die Bürokrat*innen gerne so, als wären wir überhaupt nicht da.
Hast du sie sagen hören, sie wollten den Hambi frei von menschlichen Eingriffen? Das ist der Klang von Lügen, die sie dir in dein Gesicht sagen. Macht euch nichts vor: Es geht nicht um die Wahl ob Menschen hier Einfluss haben oder nicht. Es geht nur darum WELCHE Menschen den Einfluss haben. Da könnt ihr entweder die Menschen haben, die hier Jahr und Tag leben, die diesen Ort lieben und respektieren und die weiterhin mit allem, was sie haben, dafür kämpfen ihn zu verteidigen. Oder ihr könnt da eine Gruppe von Bürokrat*innen und Beamt*innen haben, die wenig oder gar nichts über diesen Wald wissen, sondern nur ihre abstrakte Welt aus Statistiken und Lehrbüchern kennen.
Wir werden dem Staat niemals mit der Umsetzung dieses „Naturschutzgebiets“ vertrauen. Werden sie gesunde Bäume fällen, nur weil sie diese als nicht heimisch in dieser Region einstufen? Werden sie Rehe und Wildschweine ausrotten, die hier leben? Werden sie die Schotterwege entfernen, die RWE hier einplanierte und die der Wald bereits zurückerobert? Werden sie für ihren Radweg asphaltierte Straßen und Schneisen durch den Wald bauen? Die Besetzung aufzugeben hieße, uns machtlos zu machen in all diesen und weiteren Fragen.
Wenn der Staat hier den Begriff „Naturschutzgebiet“ verwendet, ist das in Wahrheit nur ein Codewort für zwei Dinge. Zum Einen die Fortführung der Ausbeutung dieses ohnehin schon verwüsteten Waldes. Ausgerechnet als Mittelpunkt eines Ecotourism-Resorts unter der Leitung der Neuland Hambach (die nichts als eine Marionette von RWE ist). Zum Anderen der Versuch, Legitimität für eine weitere Räumung der Waldschützer*innen zu konstruieren. Schließlich haben die Bürokraten GROSSE PLÄNE für diese Region. Rechenzentren, ein Solarpark und ein Yachthafen, ganz zu schweigen von einer Oase mit Seeblick für neokoloniale Tech-Firmen in Morschenich-Alt.
Die aktuellen Verlautbarungen sind eine reine Absichtserklärung (die wieder jede Gelegenheit nutzt die Vorherrschaft von RWE zu sichern), hier bis 2035 ein Naturschutzgebiet einzurichten. Aber welchen Wert hat eine solche Vereinbarung, die von der Institution stammt, die selbst die Gesetze erlässt? Dass Politiker*innen jetzt über die Wiedereinführung der Kernenergie diskutieren, beantwortet diese Frage. Ein Regierungswechsel, ein weiterer militärischer Konflikt oder eine Energiekrise würden schon reichen, damit der vermeintlich sichere Kohleausstieg erneut verschoben oder gänzlich aufgegeben wird. Über riesigen Vorkommen von fossilem Brennstoff gewachsen, wird der Hambi niemals sicher sein solange der Kapitalismus herrscht.
Wir kämpfen hier nicht nur gegen eine Kohlemine. Und auch nicht nur gegen die Yuppifizierung der Region unter dem Vorwand von Ökologie. Wir stehen gegen die autoritäre Weltordnung im Allgemeinen, das heißt auch gegen die Denkweise, ein Wald könne überhaupt „besessen“ werden. Lasst euch nicht täuschen, der Hambi gehöre RWE. Alles, was sie haben, ist ein Stück Papier, auf dem ihr Name mit etwas verbunden ist, über das sie schon lange die Kontrolle verloren haben. Der Wald gehört allen und niemandem. Vergesst das, was sie „öffentliches Eigentum“ nennen – der Hambi steht bereits allen offen, die ihn und seine Bewohner*innen respektieren.
Staat und RWE würden tatsächlich soweit gehen, den Rhein zu entwässern für ihre unsinnigen Pläne für das rheinische Braunkohlerevier. Viel Glück mit eurem giftigen See! Vorher müsstet ihr uns erst einmal loswerden! Und ihr wisst aus Erfahrung, dass wir nicht ohne Kampf zu Boden gehen.
IMMER NOCH WILD, IMMER NOCH FREI!!!
einige Wald-verteidiger*innen
AGAINST THE NATURE RESERVE AND ITS WORLD
Recently a bunch of bureaucrats got together to try and decide the future of the Hambi. And they talk of establishing a nature reserve here! Clearly these people have been spending too much time in their stuffy offices, talking authoritatively of things they don’t know about. Didn’t you hear? The Hambi is ALREADY a nature reserve. In 2012 it was occupied to stop it getting destroyed by Europe’s largest toxic pit. For the last 14 years, we have been protecting the place: from RWE, forestry, hunters, you name it. But we don’t speak the language of the state and we don’t want to. So the bureaucrats like to pretend we’re not even here.
Did you hear them say they want the Hambi free of human interference? That’s the sound of them lying to you. Make no mistake, it isn’t a choice between whether or not humans will be involved here. It is a question of WHICH humans will be involved. Either you can have the humans who have been living here through the seasons, who love and respect it, and continue to fight with everything they have to defend the place. Or else you can have a bunch of officials who know little or nothing of this forest, only of their abstract world of statistics and textbooks.
We will never trust the state to implement their “nature reserve”. Will they cut down healthy trees, on the basis that they are classified as non-native to the region? Will they exterminate the deer and the wild boar who roam here? Will they remove the gravel paths which RWE dumped here, and the forest has since reclaimed? Will they build tarmac roads through the forest for their cycle route? To give up the occupation is to make ourselves powerless on all of these issues and more.
What the state calls a “nature reserve” is a codeword for two things. Firstly, further exploitation of this already ravaged forest by making it the centrepoint of an eco-tourist resort, under the direction of Neuland Hambach (which is anyway a puppet of RWE). Secondly, trying to establish legitimacy for yet another eviction of the forest-defenders. After all, the bureacrats have BIG PLANS for this region. Data centers, a solar park, and a yacht harbour, not to mention a lakeside haven for neocolonial tech firms in Morschenich-Alt.
The recent news amounts to a statement of intent (which takes every opportunity to affirm the supremacy of RWE) to establish a nature reserve here by 2035. But what worth is such an agreement, when issued by the institution which makes the laws? The fact politicians are discussing reinstating nuclear power at the moment answers that question. All it would take is a change in government, or another military conflict or energy crisis, for the supposed coal-exit to be extended again or else completely renounced. Sitting on top of massive reserves of fossil fuels, the Hambi will never be safe for as long as capitalism continues.
We are not only fighting against a coal mine. Nor against the yuppification of the region in the name of ecology. We take issue with the authoritarian world-order generally, including the mentality that a forest can be “owned” in the first place. Don’t be fooled into thinking the Hambi belongs to RWE. All they have to their name is a scrap of paper with their name linked to something they lost control of long ago. The forest belongs to everyone and no one. Forget about what they call “public ownership”, the Hambi is already open to all who respect it and its inhabitants.
The state and RWE will go so far as draining the Rhine to realise their nonsense plans for the region. Good luck with your toxic lake! You will have to get rid of us first. And you know from past experience that we won’t go down without a fight.
STILL WILD, STILL FREE!!!
some forest defenders