Nachbericht zum zweiten Schulstreik gegen die Wehrpflicht

Themen: 

Am 5. März fand der zweite bundesweite Schulstreik gegen die Wehrpflicht statt.  Die Website https://schulstreikgegenwehrpflicht.com/ berichtete, dass in mehr als 130 Städten 50.000 Schüler*innen am Streik beteiligt waren. Angaben über die Größe und Dynamik der verschiedenen Demonstrationen, die auf verlässlichen Quellen beruhen, waren jedoch schwer erhältlich. Ein kollektives Bild der Ereignisse fehlt wie so oft, wenn es wenig Berichterstattung außerhalb von "sozialen Medien" und Massenmedien gibt. Hier sollen zumindest von anarchstischer Seite ein paar Fragmente des Ganzen zusammengetragen werden. Dies auch um der Entwicklung einer Strategie zuzuarbeiten. Am 8. Mai wird es übrigens wieder einen bundesweiten Schulstreik geben.

Berlin

Aus Berlin berichten Genoss*innen, die "für die totale Verweigerung der Zusammenarbeit mit dem Militär" flyerten und mit einem Transparent vor Ort waren, dass es 2.000 bis 3.000 Menschen waren, die sich auf dem Potsdamer Platz zur Demo trafen. Viele Leute seien offen für einen Austausch gewesen. Von anderer Stelle wird berichtet, dass die Stimmung wie beim letzten Streik kämpferisch war. Eine Festnahme, die sich ereignete, als die Demo in Kreuzberg war, wurde mit einer zeitweiligen Blockade der Polizeistation am Kottbusser Tor beantwortet, wobei eine allgemein staatsfeindliche Haltung an den Tag trat. Die Demo hatte trotz anwesender linker Gruppen und Parteien wieder einen autonomen Charakter und war außerdem in der Gesamtheit pro-palästinensisch. Aus dem anarchistischen Spektrum waren mehrere Zusammenhänge mit verschiedenen Propagandamaterialien unterwegs, die sich jedoch trotz eines Aufrufs nicht zu einem Block zusammenschlossen. 

Leipzig

Auch aus Leipzig berichten Genoss*innen, dass die Beteiligung am Streik wider erwaten kleiner ausfiel als beim letzten Mal. Auf der ganztägigen Kundgebung waren zwischen 300 und 500 Leute und auf der Demo am Abend um die 2.000. Sichtbar waren in erster Linie die Gruppen SDAJ, Yuna und Young Struggle, welche sich an der Organisierung beteiligt hatten. Dennoch wurden anarchistische Flyer gut angenommen und auch die gesamte Stimmung wird als sehr gut und kämpferisch beschrieben. Am Abend gab es dann noch eine unangemeldete Demo im Stadtteil Reudnitz.

Schwerin

In Schwerin waren mit 100 Teilnehmer*innen ebenso weniger Menschen als am 5.12. auf der Straße. Die Demonstration dort wurde ausschließlich von Schüler*innen durch Lieder- und Redebeiträge selbst gestaltet. 

Es gab eine längere Auseinandersetzung mit dem Schweriner Friedensbündnis, das zum Teil aus rechtsoffenen Personen besteht (Kontakt zur Afd, zum rechtsextremen Sender AUF1 usw). Die Teilnehmer*innen drängten darauf, dass diese, wenn sie schon nicht weggehen, doch eine eigene Kundgebung machen sollten. Ordnungsamt und Polizei widersprachen dem und erlaubten dem Friedensbündnis teilzunehmen. Daraufhin blockierten Ordner*innen und einige Schüler*innen diese Truppe, indem sie sich vor deren Transparente stellten. Aufgerufen zum Streik wurde dort auch von anarchistischer Seite. Eine sichtbare Beteiligung gab es jedoch nicht.

Augsburg

In Augsburg waren 100 bis 150 Menschen auf der Demo. Es kam zur Festnahme einer Person, die angeblich beim letzten Schulstreik "from the river to the sea" gesagt haben soll. Von Schulverweisen oder Einsperrungen wurde nicht berichtet. 

Repression

Dem Streik wurde auch in anderen Städten mit Repression beantwortet. Von der Tageszeitung Junge Welt wird berichtet, dass es in München wegen der Formulierung »Merz, stirb doch selbst an der Ostfront« zu Festnahmen kam. Die Festgenommenen wurden von der Polizei in ihre Schulen verschleppt.  Die bereits erwähnte Website schulstreikgegenwehrpflicht.com berichtet, dass in der ebenfalls bayrischen Stadt Schweinfurt eine Attestpflicht durch die Schulleitungen verhängt wurde, um Schüler*innen durch den Druck von Fehlstunden von den Streiks fernzuhalten. Gleiches passierte in Kassel. In Stuttgart und Bonn verschlossen Schulleitungen die Schultore, als die Streikdemonstrationen an den Schulen vorbeiliefen, um Schüler*innen davon abzuhalten, sich den Streiks anzuschließenf.

 

Leipzig: Spontandemo gegen die Wehrpflicht in Solidarität mit dem Streik der Schüler*innen

https://de.indymedia.org/node/713717

Aufruf zur Beteilung am Schulstreik im März:

https://de.indymedia.org/node/707167

Bericht der Schulstreikdemos in Berlin vom Dezember:

https://de.indymedia.org/node/558136

webadresse: 
Lizenz des Artikels und aller eingebetteten Medien: 
Creative Commons by-sa: Weitergabe unter gleichen Bedingungen