Wütende Frauen in Karlsruhe am 8. März

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Wir sind einige der Frauen die am 8. März dem Aufruf gefolgt sind, sich nach den Veröffentlichungen der Wahlergebnisse der Landtagswahl in Baden-Württemberg in Karlsruhe, die Straße zu nehmen.

 

 

In der Karlsruher Lokalpresse wurde über uns unter dem Titel: „Graffiti, Pyro, Parolen: Frauengruppe randaliert am Weltfrauentag in Karlsruhe“ berichtet.

 

 

Was ist passiert?

 

 

 

Spontan haben sich mehrere Frauen zusammengeschlossen und sind gemeinsam lautstark durch die Straße gezogen. Für uns war das genau die Richtige Antwort. Eine Antwort auf eine gesellschaftliche Rechtsentwicklung die immer weiter geht. Die uns Frauen zurück in alte Rollenbilder drängen will, die nie weg waren.

 

 

Frau sein im Kapitalismus heißt: Still sein, lieb sein, lächeln, sich um den Partner kümmern, Kinder gebären und großziehen, schön aussehen, unbezahlt arbeiten, sexuell verfügbar zu sein, wann immer die Männer es wollen. Es heißt den sexistischen Kommentar weg zulächeln, es heißt nicht laut zu werden, wenn die eigenen Grenzen überschritten werden. Es heißt geschlagen, vergewaltigt und getötet zu werden.

 

 

Mehr als genug Gründe um aufzustehen, sich mit anderen Frauen zusammen zu tun und dagegen zu rebellieren.

 

 

Die große Demonstration mittags am 8. März war ein Teil davon und wir freuen uns sehr darüber, dass feministische Demos immer größer werden. Das ist ein wichtiger Bestandteil feministischen Widerstandes.

 

Unsere tägliche Realität von Unterdrückung zeigt uns aber auch dass es weitere Formen des Widerstandes braucht die außerhalb der Regeln und Gesetze dieses Systems sind. Denn es sind eben Gesetze eines Systems welches kein Interesse an unserer Befreiung hat. Ein System das Gewalt an Frauen zulässt und schützt.

 

 

Überall im öffentlichen Raum sehen wir Werbung, die unsere Unterdrückung anpreist. Frauen werden als Objekte dargestellt die dazu da sind um Produkte besser zu vermarkten, Werbung für Sexshops, Werbung für Beauty-Produkte damit wir dem Schönheitsideal von Männern entsprechen und damit die Wirtschaft ankurbeln.

 

Im Wahlkampf und in der Politik werden Frauen häufig als Argumente genutzt um Krieg zu legitimieren (#feministische Außenpolitik) oder wir sollen herhalten für rassistische Stimmungsmache, die sich angeblich für unseren Schutz einsetzt.

 

Diese Doppelmoral zeigt uns: Es geht ihnen nicht um unsere Freiheit, es geht nicht um unser Leben.

 

 

Feministische Parolen im öffentlichen Raum zeigen der Stadt und vor allem anderen Frauen: Da sind Frauen die sich wehren! Frauen die laut sind und unberechenbar. Und das ist gut so!

 

In uns schlummert eine unbändige Wut. Wut auf die Männer die über unsere Leben bestimmen wollen und Wut auf das System, was diese Verhältnisse hervorbringt, davon profitiert und Patriarchale Strukturen schützt. Dieser Wut konnten wir am Abend des 8. März Ausdruck verleihen.

 

 

Wir waren nicht mehr, als ein paar Frauen die sich spontan zusammengefunden haben, aber es war ein Anfang. Ein Moment der Hoffnung, ein Moment in dem wir uns nicht allein und machtlos gefühlt haben. Wir wollen unser Leben und unseren Kampf selbst bestimmen.

 

Niemand wird uns retten, das können wir nur selbst tun.

 

Wir wollen alle Frauen ermutigen ihre Wut nicht länger zu unterdrücken, sondern sie in Widerstand zu verwandeln.

 

 

Der Artikel in der Zeitung hat uns gezeigt, dass es schon ein Aufschrei in der Stadtgesellschaft gibt, wenn nur ein paar Frauen aus der Reihe tanzen und nicht mehr stillschweigend alles hinnehmen. Was wird wohl passieren, wenn wir es erst schaffen werden uns zu organisieren und gemeinsam und kollektiv zu handeln?!

 

 

Frauen die kämpfen, sind Frauen die leben!

 

 

 

Feministische Grüße von einige Frauen, die sich in dieser Nacht gemeinsam mit vielen Anderen die Straße genommen haben.

 

 

PS.: Dem Artikel haben wir außerdem entnommen, dass die Polizei im Nachgang wohl wahllos Frauen in der Innenstadt kontrolliert hat. Wir hoffen sehr, dass es Allen gut geht, wir schicken euch solidarische Grüße. Schließt euch zusammen um mit dieser Situation nicht alleine zu sein.

 

 

PSS: Die angehängten Fotos haben wir aus dem Zeitungsartikel. Danke dafür :)

 

 

PSSS: Wir setzen auf unsere Schwestern, nicht auf die Bullen!

 

 

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