Ich bin ein 16-jähriges Kind und mein Name ist...

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Es ist ein Kind, das keinen Applaus will, sondern verstanden werden möchte. Es bittet nicht um Mitleid. Und über ein anerkennendes Schulterklopfen freut es sich und weiß es zu schätzen. Es möchte erwachsen werden. Es möchte nicht jung „gehen“. Um weiterleben zu können, weiß es, dass es sich von der Nahrung des „gemeinsamen Kampfes“ nähren muss. Das hat es sein ganzes Leben lang gewusst. Ob das allen anderen bewusst ist, ist ungewiss. Es ist ein mutiges und kluges Flüchtlingskind, trotz des Schlammes, der an ihm haftet. Es überwindet Grenzen, denn es trägt die Kraft des Lebens in seinen Händen. Es trägt Spiele, Konflikte und Fehler mit sich. Es diskutiert, arbeitet zusammen, träumt.

 

Es ist ein Kind, das von Journalisten und Polizisten beschimpft wird. Sie verleumden es ständig. Jetzt haben sie wieder damit angefangen, noch wütender. Sie behaupten, das Kind sei dem Tode nahe. Jahrelang sei es vernachlässigt worden, ohne dass sich jemand darum gekümmert habe. Sie wissen genau, dass das nicht stimmt. Sie wissen genau, dass das Kind in einer großen Familie lebt, die nicht durch Blutsverwandtschaft, sondern durch Solidarität verbunden ist. Wo der Begriff der genossenschaftlichen Verbindung und Beziehung seine wahre Bedeutung annimmt. Gemeinsames Essen, gemeinsame Sorgen, gemeinsame Kämpfe – etwas, das andere oft vergessen.

 Es ist ein Kind, das mit Michalis Kaltezas, Alexis Grigoropoulos und Berkin Elvan spielte. Es glaubt, dass seine Freunde alle um das 16. Lebensjahr ermordet worden sind – kein Zufall. Die Obrigkeit ist besessen von der Blüte der Gesellschaft, fürchtet aber ihre Dornen. Sie weiß, dass, wenn sie das Kind tötet, die Leiche auf ihren Kopf fallen wird. So war es auch schon die anderen Male, als Jugendliche getötet wurden. Wird das Kind bedroht, verteidigt die Nachbarschaft. Die Nachbarn aus aller Welt werden sich nicht von ihr abwenden, sondern sich messen. Es ist ein Kind, das morgens sein Brot knetet und abends seine falschen Flügel anlegt, um zu fliegen und zu rufen: „Morgen bin ich wieder hier!“ Doch jetzt blickt es in den Spiegel und sieht, dass es gewachsen, erwachsen geworden ist. Diesmal wird er anders sein als die anderen Male. Es legt seine Flügel ab und betritt das Schlachtfeld um nachzudenken. Nicht, dass es die anderen Male nicht gekämpft hätte. Im Gegenteil, es war immer im Kampf. Aber es weiß, dass diesmal die Chance besteht, dass es das „Große Haus“ nicht wieder betreten wird. Es mag keine Symbolik. Jetzt, wo es darüber nachdenkt, erkennt es, dass es in Wirklichkeit nie geträumt hat. Was immer das Kind dachte, setzte es direkt in die Tat um. Es nutzte die Flügel als Teil eines Spiels. Es ist ein Kind, das gleichzeitig traurig und glücklich ist, weil es weiß, dass der Baum der Freiheit mit Blut getränkt werden muss, um wachsen zu können. Es ist das Kind, das weiß, dass Bürgermeister, Regionalgouverneure, Herrscher und Machthaber, ob aus privaten oder staatlichen Gründen, stets auf Profit aus sind. Es sind auch die Mitstreiter, die wissen, dass in dieser Gemeinschaft des Kindes Alte und Junge, Kranke und Entwurzelte ihren Platz finden. Sie wissen, dass nur in solch einem sozialen Umfeld die wahre Umarmung zu finden ist, die die ganze Welt ohne Egoismus und Selbstsucht umfasst. Sie grüßen nicht die Guten und Tugendhaften, sondern die Außergewöhnlichen, die ihr Leben riskieren, weil sie das Leben lieben. Es ist ein Kind, das ruft: „Entweder wir  werden gewinnen oder wir gewinnen!“ Nicht, weil es egoistisch und eitel ist. Nicht, weil es die Anstrengungen des Kampfes, egal wie er ausgehen wird, nicht zu schätzen weiß. Sondern weil es weiß, dass es keine andere Wahl gibt, wenn wir leben wollen. Es ist ein Kind, das die Geschichte unseres Kampfes auf seinen Schultern trägt. Nicht nur dieses Kind, sondern jedes Kind wie dieses. Ich bin ein 16-jähriges Kind und mein Name ist besetzte "Prosfygika". Anmerkung der Übersetzung: Dieser Text wurde im Original auf https://athens.indymedia.org/post/1639744/ veröffentlicht und bezieht sich auf die besetzte Nachbarschaft "Prosfygika" die derzeit akut rämungsbedroht ist. Unterstützt bitte die Internationale Kampagne #saveprosfygika. Ihr könnt unterstützen, indem ihr die Information über die bevorstehende Räumung weitertragt, den Firefund (https://www.firefund.net/saveprosfygika) supportet, mit euren Genoss*innen einen Info-Abend macht oder euch überlegt was in eurer Stadt, in euren Kontexten passieren könnte, falls es zur Räumung kommt. Die besetzte Nachbarschaft lädt Alle ein, vor Ort zu besuchen, zu helfen, zu lernen. Mehr infos findet ihr unter https://saveprosfygika.gr

 

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Ergänzungen

@mods

könnte der letzte absatz bitte noch vom rest des textes abgesetzt werden bitte?

danke!