Erneut Faschorap im Kulturzentrum

Regionen: 

Am 28. Februar 2026 ist es wieder so weit. Wieder einmal entscheidet sich das Zakk in Düsseldorf bewusst dafür, rechten Agitator:innen, Queerfeind:innen und Menschenhasser:innen eine Bühne zu bieten. Wieder einmal wird queeres Leben nicht geschützt, sondern zur Zielscheibe gemacht. Wieder einmal sollen wir schweigen, wegsehen, hinnehmen. Und wieder einmal sagen wir Nein! Ein klares Nein! Ein kollektives Nein! Ein antifaschistisches Nein!

Was hier passiert, ist kein Zufall und auch kein Einzelfall. Es ist Teil eines gesellschaftlichen Rollbacks, Teil der Normalisierung rechter Ideologien, Teil eines umfassenden Angriffs auf all jene, die nicht in das autoritäre, heteronormative und patriarchale Weltbild passen. Dass mit Shinigami erneut ein Akteur eingeladen wird, der seit Jahren in der rechten Szene aktiv ist und offen queerfeindliche, antifeministische und autoritäre Positionen vertritt, ist kein Versehen. Es ist eine bewusste Entscheidung.


Bereits vor über einem Jahr haben wir im Vorfeld eines Auftritts diese Entscheidung öffentlich gemacht und klar benannt. Wir haben gewarnt, wir haben interveniert, wir haben Gesprächsangebote gemacht. Die Antwort der Zakk-Leitung war eindeutig: Ignoranz, Abwehr, Eskalation. Statt Verantwortung zu übernehmen und in einen offenen Dialog zu treten, wurde antifaschistischer Protest delegitimiert, diffamiert und angegriffen. Eine „Rattenjagd“ auf Kritiker:innen, angefeuert von rechter Empörung in offen und versteckt faschistischen Netzwerken und flankiert von staatlicher Repression, wurde erst dadurch möglich, dass E-Mails und persönliche Daten durch die Leitung des Zakk durchgestochen wurden. Gewalt gegen uns und unser:e Unterstützer:innen rund um die Veranstaltung im letzten Jahr war die logische Folge, einzig mit dem Ziel, legitimen Widerstand zu verhindern.


Dieser Angriff auf queerfeministischen Widerstand kommt nicht nur von rechts außen. Er wird ermöglicht und abgesichert von einem Staat, der sich unter Friedrich Merz immer weiter nach rechts verschiebt. In dieser autoritärer werdenden Bundesrepublik sind Polizei und Innenministerien keine neutralen Akteur:innen, sondern Werkzeuge zur Disziplinierung all jener, die sich widersetzen. Herbert Reul steht exemplarisch für einen Kurs, der nicht schützt, sondern unterdrückt. Nicht queeres Leben wird verteidigt, sondern die Ordnung der Herrschenden.


Ja, wir haben geschwiegen. Wir haben ausgehalten. Wir haben Angriffe ertragen, Anzeigen kassiert, Einschüchterung erlebt. Aber unser Schweigen war nie Kapitulation. Es war ein Abwarten. Ein Sammeln. Ein Beobachten. Und wir haben gewonnen, auch vor Gericht gegen den Fascho-Rapper Shinigami. Das ist kein unwichtiges Detail, das ist eine Kampfansage an all jene, die glauben, uns brechen zu können, die denken, dass wir schweigen sollen.


Nach dieser Niederlage begann das große Rebranding. Shinigami zog sich öffentlich zurück, offene Gewaltfantasien verschwanden aus seinen Kanälen, blanke Menschenverachtung wurde gegen eine martialische Selbstinszenierung eingetauscht. Der Samurai. Der Krieger. Der angeblich Geläuterte. Das unschuldige Opfer. Doch wir wissen es besser: Faschismus legt seine Ideologie nicht ab. Er tarnt sie. Er passt sich an. Er wartet auf den nächsten Moment.


Auch aus seinem Umfeld wurde es leiser. Die Forderungen nach „Therapie“ für queere Menschen werden nicht mehr offen herausgeschrien. Aber sie sind nicht verschwunden. Sie wurden verlagert,  in geschlossene Chats, in interne Räume. Dorthin, wo weiter geprahlt, entmenschlicht und reproduziert wird, was diese Szene ausmacht: Sexismus, Misogynie, Queerfeindlichkeit, Ausbeutung und autoritäre Männlichkeit. Dort wird mit misogynem Vokabular geprahlt, von Partys mit Prostituierten in Hamburg berichtet und sich über die prekäre Situation dieser Sexarbeiter:innen amüsiert.


Den gesamten Februar über schmückt sich das Zakk mit Veranstaltungen für queeres Leben und gegen Faschismus, nur um am letzten Tag des Monats die Bühne freizumachen für den Faschismus selbst.


Shinigami steht dabei nur stellvertretend für die weiteren „Künstler:innen” des Abends. Unter ihnen finden sich rechtsnationale Anhänger:innen von Aleksandar Vučić und Recep Erdoğan ebenso wie eine wegen pädokrimineller Taten verurteilte Person.


Während sich unser:e liebe:r Genoss:in Maja für gerechtfertigte Angriffe auf Faschist:innen in einem faschistoiden Staat verantworten muss und das erste Urteil im Shinigami-Umfeld gefeiert wird, scheint es kein Problem zu sein, mit einer Person auf der Bühne zu stehen, die selbst vor den Schutzlosesten nicht haltmacht.


Dass im selben Atemzug gezielt Frauen für VIP-Bereiche im Rahmen der kommenden Veranstaltung rekrutiert werden, ist kein Zufall. Das ist patriarchale Praxis. Das ist die Verfügbarkeit von Körpern als Teil männlicher Machtinszenierung. Till Lindemann ist kein Ausrutscher, sondern ein Symptom. Dabei ist zu befürchten, dass insbesondere junge Frauen gefährdet sind, da das Publikum bei Anime-Rap naturgemäß sehr jung ist.


Was sich im Zakk abspielt, ist Teil einer globalen autoritären Offensive. Wenn ein Faschist wie Donald Trump antifaschistische Strukturen, wie unsere Genoss:innen von der Antifa Ost, zur „Terrorgruppe“ erklärt, dann ist das kein Missverständnis, sondern Strategie. Antifaschismus soll delegitimiert, kriminalisiert und ausgelöscht werden. Wer sich dem Faschismus entgegenstellt, wird zum Feind erklärt, während Rassist:innen, Antisemit:innen und Queerfeind:innen hofiert werden. Dass solche Narrative auch hierzulande dankbar aufgegriffen werden, ist kein Zufall. Merz, Reul, Trump stehen nicht zufällig auf derselben Seite. Es ist die gleiche autoritäre Logik, die gleiche Angst vor Emanzipation, der gleiche Hass auf alles, was sich nicht unterordnet. Was sie Terror nennen, ist Selbstverteidigung. Was sie hassen, ist Solidarität.



Shinigami, sein „Clan" und das Zakk stehen exemplarisch für diese Entwicklung. Kulturorte, die sich einst progressiv gaben, fungieren heute als Steigbügelhalter:innen rechter Normalisierung. Unter dem Deckmantel von „Kunst“, „Jugendkultur“ und „Unpolitischsein“ wird Faschismus anschlussfähig gemacht. Das Zakk stellt die Bühne, Shinigami liefert die Ideologie. Das ist keine Neutralität, das ist Kompliz:innenschaft.


Denn der Kern all dessen ist das heteronormative Patriarchat. Ein Gewaltverhältnis, das bestimmt, wer leben darf, wie gelebt werden darf und wessen Körper kontrolliert, bewertet und bestraft werden. Queeres Leben ist diesem System ein Dorn im Auge, weil es zeigt, dass Geschlecht und Begehren fluide, widerständig und nicht normierbar sind. Deshalb wird queeres Leben pathologisiert, sexualisiert, kriminalisiert und angegriffen. Deshalb jubeln patriarchale Rapper, rechte Kulturkämpfer:innen und staatliche Repressionsapparate im gleichen Takt. Wer Queers angreift, verteidigt patriarchale Macht. Wer das Patriarchat verteidigt, verteidigt Gewalt. Das ist keine Frage von Einzelfällen. Das ist eine Systemfrage.

Deutschrap ist dabei längst Teil des Problems. Er ist kein neutraler Raum, sondern ein Resonanzkörper für toxische Männlichkeit, Misogynie und autoritäre Fantasien. Unter dem Schlagwort „Realness“ wird Frauenverachtung gefeiert, unter „Ironie“ Queerfeindlichkeit relativiert, unter „Provokation“ Gewalt legitimiert.

Figuren wie Shinigami passen perfekt in dieses Milieu: Der starke Mann, der Krieger, der Dominante. Dass solche Narrative in rechten Kreisen anschlussfähig sind, ist kein Zufall, sondern strukturelle Konsequenz.


Das Zakk macht sich diese Strukturen zunutze. Einen Monat lang wird sich mit queeren Inhalten geschmückt, Diversität performt und Antifaschismus als Image gepflegt, nur um am Ende genau das zu verraten. Das ist Pinkwashing. Das ist Queerwashing. Das ist die instrumentelle Vereinnahmung unserer Kämpfe, während gleichzeitig unsere Feinde hofiert werden. Wer so handelt, steht nicht „zwischen den Fronten“, sondern hat sich längst entschieden. Für das Kapital und gegen die Sache.

Wir sagen klar: Unsere Existenz ist keine Verhandlungsmasse. Queerfeminismus ist kein Lifestyle, sondern Widerstand. Antifaschismus ist keine Meinung, sondern Notwendigkeit. Wer Shinigami einlädt, lädt den Hass ein. Wer ihm eine Bühne gibt, trägt Verantwortung für das, was dort reproduziert wird. Das ist keine Kunst.
Das ist keine Subkultur.
Das ist Ideologie.
Reaktionär, misogyn, gefährlich und lebensfeindlich.


Und deshalb sagen wir noch einmal klar und unmissverständlich: Kein Fußbreit den Faschos. Kein Raum für Queerfeind:innen.
 Kein Raum für ihre Verharmloser:innen, ihre Mitwisser:innen, ihre Bühnenbauer:innen.


Unsere Existenz ist kein Diskussionsgegenstand.
Unsere Wut ist gerechtfertigt.
Unser Widerstand ist notwendig.


Wir lassen uns nicht vereinnahmen.

Nicht einschüchtern.

Nicht zum Schweigen bringen.
 

Wir bleiben laut.

Wir bleiben unbequem.

Wir bleiben solidarisch.
 
Gegen jeden Rechtsruck.

Gegen jede Normalisierung.

Für queeres Leben.

Für antifaschistischen Widerstand.

webadresse: 
Lizenz des Artikels und aller eingebetteten Medien: 
Creative Commons by-sa: Weitergabe unter gleichen Bedingungen