Antimilitarist:innen blockieren Rüstungsfirma im Wendland

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Mit einer Blockade vor Schichtbeginn bekundeten Aktivist:innen aus dem östlichen Niedersachsen unter dem Motto „Gegen Kapitalismus und Krieg – vom Wendland bis nach Rojava“ ihre Solidarität mit der Frauenrevolution in Nord- und Ostsyrien.

Internationalistische Aktivist:innen von Riseup4Rojava, Women Defend Rojava und weitere Antimilitarist:innen aus dem Wendland blockierten am Dienstagmorgen das Werkstor der Rüstungsfirma Harder Digital. Damit konnte die Produktion von Zieloptik für militärische Nutzung um gut eine Stunde verzögert werden. Die Polizei gab sich freundlich – offensichtlich hätten Einsatzkräfte von weiter her angefordert werden müssen –, sodass alle an der Blockade beteiligten Aktivist:innen unbehelligt blieben.

Harder Digital entwickelt und produziert Nachtsichtgeräte und andere Zieloptik im Wendland, hat außerdem noch Standorte in Lettland und Serbien und liefert sie nach Eigenangaben an etwa 30 Staaten, genauer: an alle NATO-Staaten, darunter auch die Türkei. In einer Pressemitteilung der Blockierenden heißt es dazu: „Zwar ist Harder Digital im Vergleich zu Rheinmetall oder Airbus nur ein „kleiner Player“ im globalen Rüstungsbusiness. Und doch sind auch sie klarer Profiteur von globaler Aufrüstung, Militarisierung und Krieg.“

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Ergänzungen

  1. Elbe-Jeetzel-Zeitung

 Friedensaktivisten blockierten eine Stunde lang das Werkstor der Firma Harder Digital am Thurauer Turm.
Foto. D. BoickWerkstor von Thurauer Rüstungsbetrieb blockiertVON DETLEF BOICKAntimilitaristen harrten rund eine Stunde bei eisiger Kälte ausThurau. 20 Friedensaktivisten haben am Dienstagmorgen bei eisiger Kälte rund eine Stunde lang friedlich das Werkstor der Harder Digital Ingenieur- und Industriegesellschaft mbH am Thurauer Turm blockiert. In den Fokus der Kriegsgegner geriet das Unternehmen, weil es Rüstungsgüter wie Nachtsichtgeräte und Zielfernrohre entwickelt, herstellt und in mehr als 30 Länder verkauft. Sie würden „sich heute hier auf lokaler Ebene dem globalen Rüstungswahnsinn und der imperialistischen Kriegslogik“ entgegenstellen, verkündete einer der Aktivisten.Die zum Teil vermummten Demonstranten hatten mehrere Transparente und eine Kette, mit der sie das Werkstor versperrten, mitgebracht. Sie hinderten rund 30 Beschäftigte des Rüstungsunternehmens, die nach und nach zum Arbeitsbeginn um 7 Uhr eintrudelten, daran, das Firmengelände zu betreten. Auch die Aufforderung der Polizei, die Mitarbeiter durchzulassen, ignorierten die Aktivisten. Kurz nach dem regulären Arbeitsbeginn gelangten die Beschäftigten über einen Nebeneingang auf das Firmengelände. Die Blockade endete etwas später nach gut einer Stunde. Die Demonstranten ließen ein Transparent und die Kette, mit der die Eingangspforte versperrt war, zurück.Die Aktivisten verteilten während ihrer Aktion ein Flugblatt, auf dem sie sich als Mitglieder der Gruppen „Riseup4Ro-
java Wendland“, „Women Defend Rojava“ sowie Antimilitaristen und Antimilitaristinnen aus dem Wendland bezeichneten. Ein Sprecher benannte Harder Digital als „klaren Profiteur von globaler Aufrüstung, Militarisierung und Krieg“. Es sei davon auszugehen, dass auch das Thurauer Unternehmen an das Nato-Mitglied Türkei Rüstungsgüter exportiert. Das türkische Militär sei an Angriffen auf die Frauenrevolution in Nordostsyrien und die Demokratische Selbstverwaltung in der dortigen Region Rojava beteiligt.Die Protestierer kritisierten auch das „kapitalistische Patriarchat und die Logik vom Nationalstaat. Denn die profitorientierte kapitalistische Wirtschaftsordnung sowie die allen Nationalstaaten inneliegenden rassistischen und sexistischen Macht- und Herrschaftsansprüche produzieren immer wieder neue Kriege.“Die Beschäftigten von Harder Digital reagierten ruhig auf die Blockade, sie monierten lediglich, dass diese nicht vorher angekündigt worden war. Das hätten nämlich die Kriegsgegner getan, als sie zuletzt im Spätsommer vor den Toren des Rüstungsunternehmens demonstrierten.