Anti-Amazon-Adbustings zum Black Friday

Regionen: 
Amazingly Ausbeuterisch - Anti Amazon Adbusting

Anlässlich des größten Konsum- und Werbespektakels des Jahres, dem „Black Friday“, hängten Aktivist:innen amazon-kritischePoster in Leipziger Werbevitrinen. An Leipzigs Konsumtempel, den Höfen am Brühl, sahen Passant:innen statt Werbeplakaten mit dem nächsten noch krasserem Angebot nun selbstgebastelte Poster mit kapitalismuskritischen Sprüchen wie "Amazingly ausbeuterisch" oder "Streikrecht? Nicht bei Uns!". Abgeänderte Plakate der Amazonwerbekampagne begrüßten die Mitarbeitenden des Amazon Logistigzentrums LEJ1 an der Tramstation auf dem Weg zur Arbeit. Statt der Ankündigung der "Black Friday Week", stand auf den Adbustings nun:"Solidarische Grüße - Greetings to all workers" oder "Powerful Strikes Worldwide". 

 

Die Aktivist:innen versahen jedes Poster mit dem Logo des internationalenBündnisses Make Amazon Pay und fordern damit die Auszahlung des gesamten Vermögens von Jeff Bezos an alle Beschäftigten. Die Aktivistin Freya Schwarz erklärt: "Unsere Poster unterbrechen die unausweichliche Dauerwerbebeschallung zum Black Friday. Stattdessen zeigen sie,was hinter den Konsumversprechen der Konzerne steckt: Ausbeutung, Isolierung und Überwachung."   Ausbeutung Made in LeipzigDie Anti-Amazon-Aktivist:innen kritisieren diemassiven Leistungsanforderungen, die zu Druck und Stress bei der Belegschaft in den Logistikzentren führen. So heißt es auf eine neugestalteten Poster: "Amazingly ausbeuterisch - 50 sec. pro Paket? Stress, Überwachung, Konkurenz". Die Vorgesetzten und die KI geben den Picker:innen, Packer:innen und Fahrer:innen jeden Schritt automatisiert vor. Kameras, Apps und die Handscanner dienen zur ständigen Kontrolle. Amazon nutzt insbesondere die prekäre Situation migrantischer Beschäftigter aus. Trotz jahrelangem Arbeitskampf, wie zuletzt zur "Prime Week" im Juli in Leipzig, verweigert Amazon seinen Mitarbeitenden einen Tarifvertrag. Ein Poster fragt deshalb in Jugendsprache: "Wann Tarifvertrag???"Aktuell berichten Angestellte in Leipzig von 6-Tage-Wochen mit anhaltender Urlaubssperre. "Dieser Zustand ist eine menschenunwürdige Katastrophe! Amazon will nur Geld verdienen. Wir müssen uns zusammen tun und die Macht der Konzerne brechen!" fordert Freya Schwarz.   Ruhe in FriedenWie wenig Amazon seine Belegschaft wertschätzt, zeigt sich in Erfurt: Vor 10 Tagen verstarb ein Mitarbeiter während seiner Schicht im Amazon Fulfillment-Centerin Erfurt-Stotternheim. Zuvor verweigerte der Vorgesetzte die Krankmeldung des Mitarbeiters. Amazon streitet jegliches Versagen ab. Ein verändertes Amazonplakat gedenkt der Person.Im Jahr 2022 starb ein weiterer Mitarbeiter bei der Arbeit im Werk Leipzig. Um keinen Umsatz einzubüßen, lief der Betrieb einfach weiter. Das Management ließ die Leiche des Verstorbenen mit Pappe abdecken. Freya Schwarz bekundet ihr Beileid: "Wir sind traurig und wütend. Amazon hat keine Skrupel, der Mensch ist für den Konzern nichts wert. Wir sagen: Niemand ist vergessen. Ruhet in Frieden."   Schnippchen schlagen statt Schnäppchen jagen Wie ein Poster der Gruppe zeigt, bestellen Menschen in Deutschland jährlich über 800 Millionen Pakete bei Amazon. Die Aktivist:innen geben Amazon hierfür die Verantwortung, da die Monopolstellung u.a. kleinere Hersteller verdrängt. "Erst kam das Angebot, dann die Nachfrage", heißt es auf einem weiteren Poster. Damit kritisiert die Aktion die intensiven Werbekampagnen, die Menschen erst den Konsum von Produkten aufdrängt. Schönheitsideale und mithilfe riesiger Datenmengen personalisierte Anzeigenkreieren einen künstlichen Konsumzwang. Schwarz betont: "Von wegen sich glücklich kaufen - wir leben in Deutschland immer einsamer und die Konzerne freut's, weil sie noch mehr verkaufen und unsere Welt noch trister machen."   Jeff Bezos enteignen Amazon steht als globaler Multikonzernüber jeglicher nationaler Gesetzgebung. An dessen Kopf sitzt Jeff Bezos. Ein Plakat kritisert den Überreichtum von Jeff und stellt sein Privatvermögen im Balkendiagram von 220 MRD.€ dem addierten Gehalt aller 40.000 Amazon-Arbeitenden in Deutschland gegenüber. DieseMachtkonzentration bei einer Person verletzt jeglichedemokratische Grundsätze. "Amazon zieht überall Gewinne raus, aber entzieht sich jedergesellschaftlicher Verantwortung - weltweit",so Schwarz. Sie fordert deshalb:"Da hilft nur eins: Amazon zerschlagen - Milliardäre enteignen!"  Streiks weltweit am Make Amazon Pay-DayUm Streiks zu vermeiden, droht Amazon damit, die ausgefallene Arbeit in andere Werke oder Länder zu verlagern, wie ein Plakat erklärt. Dagegen formieren sich weltweite Netzwerke wie Amazon Workers Internationalund der MakeAmazonPay-Day, den die Adbuster:innen auf ihren Postern ankündigen. In den kommenden Tagen wird in über 30 Ländern protestiert und gestreikt. Deshalb steht auf einem umgestalteten Plakat: "Powerful strikes worldwide".  Werbehölle stoppenDie Adbuster:innen nehmen mit ihrer Aktion an den "ZAP-Games"teil, wie der Hashtag auf den selbstgebastelten Postern verrät. Z.A.P. (Zone Anti-Publicité)ist Französisch und steht für werbefreie Zone. Unter diesem Begriff überbieten sich seit Jahren Anti-Werbe-Aktivist:innen mit kreativen Aktionen gegen Außenwerbung zum "Black Friday". "Sind wir mal ehrlich: wirklich ALLE sind doch genervt von dieser Werbehölle, in der wir Leben", regt sich Freya Schwarz auf. https://subvertisers-international.net/zap-games/ Grüße an die Arbeiter:innenFreya Schwarz bringt es auf den Punkt: "Amazon steht sinnbildlich für den aktuellen Ist-Zustand von Entfremdung, Ausbeutung, Umweltzerstörung und Überwachung, kurzum: Kapitalismus". Mit Forderungen wie "Community statt Konsum" zeigen die Aktivist:innen, dass eine andere Welt möglich ist. Schwarz zeigt sich kämpferisch: "Wir wollen das System überwinden. Dazu müssen wir uns gemeinsam gegen Großkonzerne stellen. Deshalb senden wir den Arbeiter:innen Grüße und wünschen viel Erfolg beim Arbeitskampf - weltweit. Bildet Banden." 

 

Bilder: 
webadresse: 
Lizenz des Artikels und aller eingebetteten Medien: 
Public Domain (cc0): Weiternutzung ohne Einschränkung. Gemeinfrei im Sinne der Public Domain