Der „Alti“ als One-Man-Show: Zwischen High-Tech-Aktivismus und Zersetzungsmethoden
Ein Erfahrungsbericht über hierarchische Strukturen, Denunziation und den Bruch mit dem antifaschistischen Konsens im Altdorfer Wald.
Während der Widerstand im Hambacher Forst (Hambi) auf Basisdemokratie, Anonymität und dem absoluten Ausschluss der Repressionsbehörden fußte, zeichnet sich im Altdorfer Wald („Alti“) unter der medialen Führung von Samuel Bosch ein völlig anderes Bild ab. Was nach außen als „solidarischer Kampf für das Klima“ verkauft wird, entpuppt sich intern zunehmend als ein System aus Kontrolle, technischer Überrüstung und gezielter Ausgrenzung unliebsamer Personen.
High-Tech-Aktivismus statt Verzicht
In den Baumhäusern des Alti findet man keine einfache Lebensweise, sondern eine professionelle PR-Maschinerie. Gefördert durch massives Crowdfunding (allein Anfang 2026 wurden tausende Euro für „Projekte“ gesammelt), wird hier mit Equipment operiert, das für normale Aktivist:innen unbezahlbar ist: Powerstations (Jackery/EcoFlow) für bis zu 1.500 Euro, Profi-Kameras und Teufel-Boxen. Dieser „Lifestyle-Aktivismus“ dient vor allem der Pflege des öffentlichen „Lacks“. Wer diesen Konsum oder die dahinterstehenden Spendenstrukturen hinterfragt, gerät schnell ins Visier der Camp-Leitung.
Bruch des Konsenses: Die Polizei als Türsteher
Der schwerwiegendste Vorwurf betrifft den Umgang mit dem staatlichen Repressionsapparat. Während im Hambi das Rufen der Bullen als ultimativer Verrat galt, scheint es im Alti zum strategischen Repertoire zu gehören:
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Selektives Hausrecht: Es gibt Berichte über interne „Einlasskontrollen“ via WhatsApp/Signal. Wer nicht ins bürgerfreundliche Medienbild passt, wird aussortiert.
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Denunziation per Festnetz: In einem konkreten Fall wurde eine Person, die Schutz vor der Kälte in einer Krankenhauskapelle suchte, nach einem Telefonat mit der Camp-Leitung durch die Polizei entfernt. Der Vorwurf: Ein angeblicher „Einbruch“, der von Zeugen beobachtet worden sei – eine glatte Lüge, da die betroffene Person bereits seit Stunden dort saß. Hier wurde die Polizei mittels gezielter Falschinformation als privater Sicherheitsdienst missbraucht.
Zersetzung und psychologische Kriegsführung
Die Methoden im Wald erinnern fatal an historische Zersetzungstaktiken:
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Die Phantom-Kamera: Um das punktgenaue Auftauchen von „Aufpassern“ (wie dem E-Bike-Typen) zu erklären, wird die Existenz von Wildkameras vorgeschoben. Das erzeugt ein Klima der Paranoia („Gaslighting“), während man gleichzeitig den „Überwachungsstaat“ öffentlich kritisiert.
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Täterschutz statt Solidarität: Wenn es zu Diebstählen innerhalb des Camps kommt, wird Augenzeugen nicht geglaubt. Statt Aufklärung folgt die Diskreditierung der Zeugen als „verwirrt“ oder „instabil“.
Fazit: Wir brauchen ehrlichen Widerstand, keine Selbstdarsteller
Der Altdorfer Wald darf keine private Bühne für Einzelpersonen sein, die linke Werte wie Solidarität und Hierarchiefreiheit nur als Maske tragen. Wer mit Bullen kooperiert, Lügen über Mitstreiter:innen verbreitet und Diebstähle deckt, hat den Boden des gemeinsamen Kampfes verlassen.
Solidarität bedeutet, aufeinander aufzupassen – nicht, sich gegenseitig bei den Bullen anzuzeigen!
Creative Commons by-sa: Weitergabe unter gleichen Bedingungen
Ergänzungen
Wichtige Einordnung zum Artikel
Einordnung einiger Vorwürfe
Dieser Text soll Außenstehenden helfen, die Aussagen im Indymedia-Beitrag zur Besetzung im Alti besser einzuordnen. Aufgrund des Inhalts und der Wortwahl sind wir uns sehr sicher, dass dieser Artikel von einem Mensch verfasst wurde, den wir hier T. Nennen. Die im Beitrag gemachten, unserer Einschätzung nach wirren Aussagen haben wir bisher nicht kommentiert. In den letzten Wochen tauchen jedoch vermehrt gezielte Hinweise und Links auf diesen Artikel auf – etwa in der Alti-Waldbesetzung.
Wir nehmen Hinweise auf Übergriffe ernst, gehen ihnen aktiv nach und setzen uns für den Schutz von Betroffenen und den Abbau von Wissenshierarchien ein. Die Aussagen von T. können wir in diesem Kontext jedoch nicht als seriöse Hinweise werten.
Zur Person „T.“
T. hielt sich im Herbst 2025 mehrfach kurzzeitig im Alti auf und fiel durch verwirrtes und unberechenbares Verhalten auf. Bereits bei kleinen Anlässen – etwa dem Rauchen außerhalb markierter Bereiche – reagierte T. Ohne Vorwarnung verbal sehr aggressiv und in der Tat gewalttätig gegen Besucher:innen und Aktivist:innen.
In einem Fall versuchte T., mit einem Holzpfosten mit einem Metallwinkel an der Spitze auf Menschen im Wald einzuschlagen, schrie minutenlang „Ich bringe alle um“ und verfolgte flüchtende Personen. Als diese sich in ein Auto retten konnten, schlug er auf das Auto ein. Zuvor hatte T. aus nächster Nähe volle Konservendosen auf Aktivist:innen geworfen. Auslöser war der Hinweis, dass in „seinem“ Baumhaus in den kommenden Tagen möglicherweise weitere Menschen Platz finden müssten.
Die anwesenden Aktivist:innen waren außerstande, die Situation zu deeskalieren und überwanden sich schließlich dazu – einmalig in der Geschichte der Besetzung im Alti – die Cops zu rufen. T. entfernte sich unerkannt, bevor die Streife eintraf.
Etwa eine Woche später erschien T. erneut im Alti, nachdem nachweislich kommunales Material (u.a. Wlan-Router, Stromwürfel, Klettermaterial, Fahrrad mit Anhänger) entwendet worden war. T. drohte erneut mit Tötung, nannte die recherchierte Meldeadresse einer betroffenen Person und behauptete, bewaffnet zu sein. Auch dieses Mal verschwand T. in der Dunkelheit.
Bei jedem Besuch tauchten in der lokalen Zeitungen Berichte von ähnlichen Vorfällen auf. Etwa tätlichen Angriffen von T. auf Menschen am Bahnhof wegen Rauchens. Beim dritten Erscheinen – 10 Tage später – wurde T. auf Bitte der Aktivist:innen von den Cops aus dem Wald begleitet und erhielt einen Platzverweis. Eine Anzeige wurde selbstverständlich nicht erstattet, trotz Drängens der Cops. Stattdessen wurde darum gebeten, dass sich die Behörden um psychologische Hilfe für T. kümmern, da sich diese Person offensichtlich in einem gefährlichen psychischen Ausnahmezustand befand.
Unmittelbar danach wurde in dem Baumhaus, in dem T. geschlafen hatte, eine Schreckschusspistole mit Patronen gefunden – ein Umstand, der die ausgesprochenen Drohungen in ein realistisches Licht rückt. (Schreckschusspistolen können aus der nähe zu Verletzungen und sogar zum Tod führen.)
Schlussbemerkung
Mit T. sind wir in der Besetzung im Alti an unsere Grenzen gestoßen. Selbst erfahrene Personen aus der Krisenintervention wussten nicht weiter. Als letztes Mittel sahen wir nur, T. mit Hilfe der Cops vor sich selbst und andere zu schützen – was nicht in zufriedenstellendem Maße gelang. Der Eigenschutz der Aktivist:innen stand aufgrund der lebensbedrohlichen Situation im Vordergrund. Selbstverständlich gehört das Rufen der Cops nicht zum "strategischen Repertoire", und es wurde hier nur als letztes Mittel, um das Leben von Menschen zu schützen, genutzt.
Wir lehnen die Polizei als Institution mit Gewaltmonopol ab. Mehr Herrschaft und Befugnisse führen tendenziell zu deutlich mehr Gewalt. Wir fordern eine flachere und von unten, aus lokalen Comunities organisierte Struktur zum Umgang mit Konflikten und Sicherheit, die die Polizei ersetzt.
Wir bitten alle, diesen von T. verfassten Indymedia-Beitrag mit diesem Wissen zu bewerten und einem Realitätscheck zu unterziehen. Unabhängig von diesem Artikel arbeiten wir aktiv am Abbau von Hierarchien in der Besetzung im Alti, dieser Artikel ist aus den genannten Gründen für uns dabei jedoch nicht hilfreich. Seit der letzten Begegnung im Alti und seit der Veröffentlichung des Artikels hatten wir keinen Kontakt mehr zu T.. Wir hoffen, dass T. inzwischen Hilfe angenommen hat.
Für den Fall dass es unklar ist, die Besetzung im Alti ist ein offener Ort ohne Einlasskontrollen, Campleitung oder Überwachungskameras.