Köln: Gegen das Propaganda-Medium „Nius“

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Seit einiger Zeit versorgt das rechtspopulistische Onlinemedium Nius die Öffentlichkeit mit zunehmend aggressiven Beiträgen. Wir sind damit in Köln direkt konfrontiert und zur Beschäftigung mit der Frage herausgefordert, was das für ein Publikationsorgan ist.

Seit einiger Zeit versorgt das rechtspopulistische Onlinemedium Nius die Öffentlichkeit mit zunehmend aggressiven Beiträgen. Wir sind damit in Köln direkt konfrontiert und zur Beschäftigung mit der Frage herausgefordert, was das für ein Publikationsorgan ist.

Chefredakteur ist der ehemalige „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt, von „Bild“ stammen auch mehrere Redakteure. Finanziert wird Nius hauptsächlich von Frank Gotthardt, der auch zu 96% Anteilseigner und Hauptinvestor des Eishockeyclubs „Kölner Haie“ ist. Das führte zu Kritik und Unmut in der Fan-Szene und 2024 zu einer Distanzierung der „Haie“ von Nius.  

Die bekannte ZDF-Moderatorin Dunja Hayali warf Nius in der Weltwoche „unter zehntausendfacher Zustimmung“ vor, Inhalte gezielt aus dem Zusammenhang zu reißen und zu verfälschen. Das traf sich mit vielen seriösen Bewertungen, von denen einige bei Wikipedia, Stichwort Nius, wiedergegeben sind.

Danach sieht der Politikwissenschaftler Markus Linden in dem Angebot von Nius ein „rechtspopulistisches Agitationsformat mit journalistischem Anstrich“. Das Portal verfolge eine Doppelstrategie: einerseits „gemäßigte“ Formate mit demokratischen Politikern, anderseits „reißerisch aufgemachte Krawall-Formate, bei denen eine sichtbare Rückbindung an journalistische Sorgfaltspflichten unterbleibt.“ Linden sieht bei Nius eine Radikalisierung. Die Website überschreite bewusst Grenzen und greife ebenfalls bewusst auf Methoden der Desinformation zurück. Falsche Darstellungen seien bei Nius nicht bloß handwerkliche Fehler.

Der Medienethiker Luis Paulitsch nennt Nius ein „rechtskonservatives Krawallportal.“

Der Journalistik-Professor Klaus Meyer beschrieb Nius in einem wissenschaftlichen Fachaufsatz als Propagandamedium, das „von einem deutschen Tech-Multimillionär mit ideologischen Motiven“ finanziert werde.

Die Politikwissenschaftlerin und Journalistin Hilda Sahebi schrieb 2025, die Funktion des Portals bestehe darin, „rechtsextreme Narrative in die demokratische Mitte zu drücken“.

Auch in der taz schrieb Arnd Semsrott, dass es Rechtsextremen „routiniert“ gelinge, Themen in der Öffentlichkeit zu setzen. Nius spiele dabei eine Rolle und sei Teil einer „perfekten Nazi-Pipeline“: „Erst komme die AfD, dann Nius, dann nach der Springerpresse der gesamte Mainstream“.“

Der Medienwissenschaftler Benjamin Krämer beobachtete, dass Nius in Einzelfällen Inhalte vom AfD-nahen Deutschlandkurier übernehme.

Die taz warf dem Portal „rechtspopulistische Stimmungsmache“ vor, es werde überspitzt, verkürzt, aus dem Zusammenhang gerissen und manchmal auch schlicht gelogen“.

Der Medienjournalist Stefan Niggemeier schrieb in Bezug auf Nius, es bestehe aus „Abgründen aus Hass und Gehässigkeit, Verdrehungen und Verleumdungen, Manipulation und Wahn“.

Nach Lars Wienand seien Nius-Darstellungen oft „verzerrend“ und ließen für das Verständnis von Sachverhalten relevante Informationen aus.

In diesen Tagen startete Nius in der oben umrissenen Weise einen Angriff auf das offene technologiekritische Portal „capulcu“, in dem sich jeder bedienen kann. Dieses stellt die aktuelle technologische Entwicklung unter Berufung auf den neben Keynes bedeutendsten Wirtschaftshistoriker des 20. Jahrhunderts Joseph Schumpeter in den Zusammenhang einer historischen Zyklik von Innovationsoffensiven zur Umgestaltung der Gesamtgesellschaft (anders und zusammenfassend auch „technologische Angriffe“). Viele bedeutende Beiträge aus den amerikanischen Wirtschaftswissenschaften berufen sich in diesem Sinne auf Schumpeter. Ohne Rücksicht darauf und gegen die ausdrückliche Thematisierung der gesamtgesellschaftlichen Perspektive verkürzt Nius die kritisch-historische Darstellung zum Kampfaufruf gegen die Technik.

Haben sie nur die von Capulcu veröffentlichten Beiträge und die darin verwendete Literatur nicht gelesen? Oder haben sie sie gelesen und die Verfälschungen und Verzerrungen gegen die Fakten vorgenommen? Oder war ihnen das bei der Verfolgung ihrer defamatorischen Ziele egal?

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