Statement zum radikalen Block auf dem CSD in Mainz 2026

Abstract: 
Unser Statement zum den Geschehnissen rund um den radikalen Block beim CSD in Mainz am 25.07.26
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"Vielfalt leben, Menschenrechte sichern und Demokratie verteidigen."

Unter diesem Motto fand der diesjährige CSD in Mainz am 25.07.2026 statt.

Neben Großunternehmen wie der Deutschen Bahn oder Biontech waren auch die Linke und weitere Parteien anwesend. Zusätzlich zu vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen fanden sich auch Gefährt*innen, Genoss*innen und Freund*innen verschiedener links-aktivistischer Orgas zusammen. Der sogenannte "radikale" Block macht sich jedes Jahr die Aufgabe, sich klar antifaschistisch und palästinasolidarisch zu positionieren und Kritik am Regenbogenkapitalismus als auch an repressiven Institutionen wie der Bullerei zu äußern.

Der "radikale" Block lief in diesem Jahr als Schlusslicht des CSD und beteiligte sich lautstark und mit vielen Flaggen und Bannern am Demozug. Bis zur Zwischenkundgebung am Gutenbergplatz verlief die Teilnahme problemlos.  Da der Kundgebungsplatz voll war, hielt sich der Block auf Höhe der Fuststraße auf und hörte den Reden am Theater zu, die von Zusammenhalt, Demokratie und Rechtsruck sprachen. Währendessen kam die CSD-Versammlungsleitung, die Teil vom Vorstand Schwuguntia e.V. ist, auf eine Person im Block zu. Unterstützt wurde sie dabei von einer Ordnerperson und zwei Bullen. Die Person wurde aufgefordert, die Antifa-Flagge in den eigenen Reihen runterzunehmen, sonst würde der gesamte Block des CSD verwiesen werden. Mehrere Menschen im Block zeigten sich solidarisch und diskutierten mit der Versammlungsleitung, die darauf bestand, dass "die Antifa" auf dem CSD nichts zu suchen habe, da der CSD “unpolitisch” sei.

Der Block entschied sich dazu, Flagge zu zeigen und blieb Teil des CSD. Die Versammlung setzte sich wieder in Bewegung. Als sich der Block wieder in den CSD-Zug einreihen wollte, wurde er von einer Bullenkette (ca. 10-15 Bullen) davon abgehalten. Der Block wurde eine halbe Stunde durch die Bullerei festgehalten, während ein Teil des CSD den Zug Richtung Malakoff fortsetzte. Die Mehrheit jedoch blieb stehen, um sich dem antifaschistischen Block anzuschließen. Dadurch waren die "radikalen" Antifaschist*innen in der klaren Mehrheit und die CSD-Orga sah sich gezwungen, die Maßnahme zu beenden und den Block wieder am Verlauf der Parade teilnehmen zu lassen. Es kam zu keinen Kontrollen oder etwaigen individuellen Repressionen.

 

Stonewall was a riot

Die Geschichte des Christopher-Street-Day (CSD) begann am Jahrestag der Stonewall Riots, die 1969 in New York beim Stonewall Inn stattfanden. Die Stonewall Riots waren eine Reaktion auf die starken staatlichen und polizeilichen Repressionen, der die Stonewall Community regelmäßig in Form von Razzien ausgesetzt war. Diese Community bestand aus Schwarzen Personen, People of Color, Sexarbeiter*innen, trans* und obdachlosen Menschen. Der CSD ist im Kern ein Widerstand gegen den Staat und Bullerei, getragen von denjenigen, die systematisch benachteiligt werden. Inzwischen sind Pride Paraden weltweit zur Plattform für vermeintlich queere Selbstinszenierung von Politik, Polizei und Konzernen geworden. Das verschleiert die eigentliche Bedeutung des Christopher-Street-Days und der Stonewall Riots unter Gewändern eines neoliberalen Kapitalismus, der zu gunsten der herrschenden Klasse (Staaten, Konzerne, Kapital) agiert. Wir ziehen allerdings eine klare Verbindung zwischen den unterdrückenden Strukturen und eben diesen Kräften, welche sich jedes Jahr für einen Monat die Regenbogenflagge als Hintergrundbild in MS Teams einstellen. 

Viele queere* Menschen möchten sich dem nicht beugen. Deshalb gibt es immer wieder Bestrebungen nach alternativen Pride-Paraden, radikalen Blöcken oder andere Gegenentwürfe zu "apolitischen" CSD Veranstaltungen. Eine antikapitalischtische Kritik steht für uns auf einem CSD also nicht zur Debatte. Die Zunahme faschistischer Meinungsbilder seit Jahren, die eine aktive Bedrohung für queere Menschen darstellen, erfordern eine klare antifaschistische Positionierung. Queeres Leben war noch nie unpolitisch und wird es auch nie sein. Das zeigt sich mit Mobilisierungen gegen Pride Paraden durch Neonazis und ganz eindeutig auch an den Landtagswahlen 2026, bei denen die AfD vermutlich als stärkste Kraft rausgehen wird.

Angesichts der autoritären Wende hin zur Faschisierung in Deutschland, müssen wir zusammenstehen. Gegen jegliche Spaltung! Wir dürfen uns nicht einreden lassen, der CSD sei unpolitisch und eine antifaschistische Haltung hätte keinen Platz. Diese Haltung ist eine Voraussetzung für unsere Sicherheit als Queers, Linke, Migrant*innen, Geflüchtete und Frauen. Stehen wir also gemeinsam gegen Queerfeindlichkeit und Rassismus.

 

Anschlag in Berlin ist das Symptom eines gewaltvollen Systems

Zeitgleich zu diesem Ereignis wurden unsere Geschwister auf der Internationalist Queer Pride in Berlin von mehreren hunderten Bullen zusammengeschlagen und über zwei Stunden gekesselt. Doch nicht nur das. Am Abend des CSD in Berlin wurde ein queerfeindlicher Anschlag verübt, eine Frau ermordet und mindestens 29 weitere Personen verletzt. Dieser Anschlag reiht sich in die eskalierende Gewalt gegen die LGBTQIA+-Community ein. Ob die queerfeindliche Gewalt vom Staat, vom Faschismus oder vom Islamismus ausgeht, tut für uns nichts zur Sache. CDU Politiker*innen, wie Merz und Prien, geben floskelhafte Trauerbekundungen von sich, um dann im nächsten Atemzug einen queerfeindlichen Angriff für ihre rassistische Hetze zu instrumentalisieren. Die gleichen Politiker*innen, die für die steigende Gewalt gegen uns mitverantwortlich sind. Familienministerin Prien verordnet ein Genderverbot, streicht die Förderung für das queere Jugendnetzwerk Lamda, Merz will das Selbstbestimmungsgesetz wieder abschaffen und äußert sich über Jahre hinweg schon queerfeindlich. Die Hetze der Regierung hat fatale Auswirkungen. Erst vor einer Woche wurde eine lesbische Frau (Angel, 23 Jahre) nach Uganda abgeschoben, wo ihr eine Hinrichtung droht. Der Mord in Berlin soll jetzt genutzt werden, um diese Asylpolitik und den Hass gegen Migrant*innen weiter zu verschärfen. Ob der Staat Menschen durch Abschiebungen in den sicheren Tod schickt oder gewalttätige Gruppierungen Anschläge durchführen - Das Ergebnis bleibt gleich: Unseren queeren Geschwistern wird das Leben genommen.

 

Queers gegen Queers mithilfe von Staatlicher Gewalt

 

Die Handlungsweise der CSD-Orga in Mainz ist keine Neuigkeit, da sie bereits in früheren Jahren mit Verhalten gegen polizeikritische, antifaschistische und palästinasolidarische Genoss*innen auffielen.

Wenn die Hauptorganisator*innen des Mainzer CSD also von Zusammenhalt sprechen, müssen wir uns leider fragen: Für wen gelten diese Worte? 

Wenn Schwuguntia auf der Gedenkveranstaltung von "Flagge zeigen" spricht, müssen wir uns leider fragen: Welche Flaggen genau gemeint sind. 

Wir als antifaschistische Queers wünschen uns, von einer Organisationsstruktur wegzukommen, welche sich das Monopol der CSD-Organisation aneignet. Stattdessen wollen wir hin zu einer Organisation, die diverse Meinungen und Gedanken zulässt und sich klar antikapitalistisch sowie klar antifaschistisch aufstellt. Denn "abweichende" Meinungen innerhalb der Community mit Eingriff der Bullerei zu lösen, ist schlichtweg ein Skandal. Das ist ein Verrat am historischen Erbe der Stonewall Riots. Marsha P. Johnson würde sich im Grab umdrehen.

Um dieses Statement frei nach Marshas Worten zu beenden: Niemand ist frei, bis wir es alle sind!

 

Das Foto ist von Nik Domi Schmitt

Aqua Mainz
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