Ostermarsch: Wären wir mal lieber Ostereier sammeln gegangen...
Wir waren beim Ostermarsch in Dresden. Wir waren ungefähr sechs Menschen, die sich zu einem starken antiautoritären Block vereinigt haben. Angesichts nichtmal einer Woche Mobilisierung auch kein grosses Wunder. Wir wollen trotzdem ein paar Worte dazu verlieren.
Auf der ganzen Demonstration waren etwa 300 Menschen, Altersdurchschnitt vermutlich 40+. Ein Großteil der Anwesenden verzichtete zwar wie im Aufruf verlangt auf die Partei- und Nationalfahnen. Trotzdem konnten wir recht gut ablesen, wer ungefähr wo dazu gehörte. Ein Großteil der Menschen dürfte der einen oder anderen orthodox-marxistischen Gruppierung angehören, einige außerdem dem BSW. Neben den Linientreuen gab es auch einige Menschen, die doch ihre Nationalfahnen hervor kehren mussten: Palästina, Kuba, China waren die meistgetragenen Fahnen. Nach der gänzlich unironischen Aufforderung seitens der Demoleitung das die "heissgeliebten Staatsfahnen" doch runterzunehmen seien, war dann kurz tatsächlich nix Antifamehr davon zu sehen, Spätestens nach den ersten 500 Metern waren sie jedoch wieder oben. Inhaltlich blieben die Redebeiträge im Bereich dessen was wir erwartet hatten. Sowohl gute Beiträge, u.a.von der Initiative Antimilitarismus / dem IZ, als auch das erwartungsgemäße "es könnte doch alles so einfach sein, Frieden muss man einfach machen" bis hin zu absolut wirren und irrsinnigen Aussagen seitens der Kommunistischen Organisation, die ohne weiteres über einen russischen Verteidigungskrieg in der Ukraine schwadronieren durfte, waren vertreten. Allerdings haben wir auch nicht jeden Redebeitrag mitgeschrieben, ihr kennt das ja, man steht so rum und quatscht und raucht und kriegt nicht jeden Schmutz gleich mit. Deswegen können wir auch nicht für alles unsere Hand ins Feuer legen... Warum aber gerade in den letzten zwanzig Jahren die kriegerische Auflösung der alten Weltordnung derartig flott und grausam von statten geht, dazu war auf der Demo bis zur Hälfte etwa nix zu hören. Ursachenforschung in Richtung einer radikalen Systemkrise des Kapitalismus ist hier kaum zu finden gewesen. Der Ostermarsch in Dresden lohnt sich nach unserer Erfahrung nicht für anarchistische / libertär-kommunistische Interventionen um mehr Menschen zu erreichen. Die meisten Teilnehmenden dürften hier und dort schon politisch ganz klar gebunden sein. Der diesjährige Ostermarsch in Dresden war in unseren Augen eben keine Verbreiterung der eigenen Basis in Richtung der Menschen, die gerade aus Angst vor einem Krieg in Europa auf die Strasse gehen oder gegen die Wehrpflicht das erste Mal aktiv werden. Er war vielmehr Ausdruck der blinden Flecken der Friedensbewegten in Puncto Lagerdenken und Autoritarismus. Es schadetnicht andere Positionen in diese Aktion rein zu tragen: Es ist durchaus vorstellbar, dass ein Teil der hier Mitlaufenden auch bei dem rechten Ostermarsch mitlaufen würde, finden wir das einen antifaschistischen Teilerfolg. Auf der Strasse wäre jedoch mit 20-30 lautstarken Mitstreiter*innen mehr drinne gewesen. Der Zug war keine starke Demo sondern ein unmotivierter Sonntagsspaziergang. So wie es ablief und mit den wenigen die wir waren, lohnt es sich nicht die eigenen Positionen derart zu verwässern, dass sie mit KO, MLPD und Co kompatibel werden. Entsprechend verließen wir die Demo nach ungefähr der Hälfte der Strecke und dem grässlichen Beitrag der KO. Mit den vielen unterschiedlichen Kriegen, offenen, solchen niedriger Intensität, Bürger*innenkriegen etc, fällt es einer (post)autonomen, antiautoritären, ... Linken derzeit schwer klare Positionen zu finden. Dem im Weg steht nach wie vor die identitäre Abgrenzung entlang der inhaltlich ja auch nicht unbegründeten Konfliktlinien. Aber genauso auch die Komplexität der Lage selbst. Vereinfachungen spielen KO und Konsorten in die Hände, die nach wie vor in glasklar böse (imperialistische USA und EU) gegen glasklar gut (antiimperialistische Staaten wie Iran zB) unterteilen. Wir wünschen uns vom Osterhasen darum aber wenigstens den Versuch unter geteilten Prämissen ins Gespräch zu kommen. Denn das weltweite Gemetzel wird sich ausweiten. Sowohl rechte, liberale und faschistische Regierungen der NATO-Staaten und ihre Verbündeten, als auch China, Indien, Russland oder lokale Milizen, Warlords und Islamisten werden noch mehr in Kriegsmaterial und folglich dann auch in Krieg investieren. Sie tun das nicht, weil sie von bösen Menschen gesteuert werden, sondern, weil diemilitärische Durchsetzung der eigenen Hegemonie angesichts einer krisenhaften Wirtschaftsentwicklung immer erfolgsversprechender wird. Diese Dynamik müssen wir einerseits in ihrer Gänze erfassen und uns nicht selektiv an einzelnen Konflikten abarbeiten. Andererseits sollten wirWert darauf legen, die jeweiligen Eigenheiten lokaler kriegerischer Auseinandersetzungen zu erfassen und uns entsprechend mit den Betroffenen und linken Kräften vor Ort solidarisieren. Dazu kommt man auch um eine Bewertung dieser Konflikte nicht drumrum. Eine weitere Gelegenheit das Thema nicht sausen zu lassen, ist der 8.Mai. Da ist wieder Schulstreik gegen die Wehrpflicht.
Creative Commons by-sa: Weitergabe unter gleichen Bedingungen