Dritter Jahrestag des Tempi-Zugcrashes

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Am 28. Februar 2026, dem dritten Jahrestag des Zugcrashs in Tempi, gab es in zahlreichen Städten Griechenlands Demonstrationen. 

In Athen kamen am Syntagma-Platz vor dem Parlament mehrere zehntausend Menschen zusammen. Im Vergleich zum Vorjahr, als alle Straßen im Zentrum mit Menschen gefüllt waren, fiel die Mobilisierung sichtlich kleiner aus. Aus der Kundgebung entwickelte sich keine nennenswerte Dynamik und an deren Ende riefen Sprecher die Menschen dazu auf, die Gegend zu verlassen und nach Hause zu gehen. Nach wenigen Minuten, als sich der Platz weitgehend geleert hatte, kam es zum Angriff der Polizei auf einzelne Gruppen Demonstranten. In verschiedene Richtungen wurden die abströmenden Menschen unter Einsatz von Gas und Blendschocks gejagt. Zu nennenswerter Gegenwehr kam es dabei nicht, was unter anderem daran gelegen haben könnte, dass bereits am Morgen mehrere Gruppen von Demonstranten festgesetzt worden und auch mehrere Tüten mit Molotov-Cocktails der Polizei in die Hände gefallen waren. Im Rahmen der Auflösung der Menschenmasse gab es dann noch weitere Festnahmen, wobei sehr viele Minderjährige auf Wachen verschleppt wurden. 

Auch der ausgerufene Streik am selben Tag enfaltete wesentlich weniger Wirkung als im Vorjahr. Viele Geschäfte in Athen blieben den Tag über geöffnet. 

Auch in den anderen Städten fiel die Mobilisierung Berichten zufolge kleiner aus. Zu Auseinandersetzungen kam es dagegen in Thessaloniki, wo unter anderem Molotovs auf die Polizei geworfen wurden. Neun Menschen wurden im laufe des Tages dort festgenommen und 45 landeten im Gewahrsam, wie die Polizei selbst mitteilte. Auch in Heraklion gab es kleinere Ausschreitungen. 

2023 wurden bei einer Kollision eines Personenzuges mit einem Güterzug auf der Strecke Athen-Thessaloniki mindestens 57 Menschen getötet. Ursache des Zusammenstoßes waren fehlende Signal- und Sicherungssysteme. Die hohe Opferzahl geht u.a. darauf zurück, dass der Güterzug Chemikalien transportierte. Öffentliche Wut entbrannte aufgrund der Weigerung von Verantwortlichen, ihre Schuld für das Unglück anzuerkennen und dreisten Vertuschungen wie z.B. der Betonierung der Unfallstelle noch bevor unabhängige Ermittlungen stattgefunden hatten. 

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