Rheinmetall Entwaffnen! Defend Kurdistan! Aktionstage in Kassel!

Regionen: 

 

Vor einem Monat wurde in Kassel die größte Ausstellung zeitgenössischer Kunst eröffnet. Trotz neuer und postkolonialer Konzepte, trotz Kollektivität, Solidarität und Freundschaft, erfüllt sie eine alte gesellschaftliche Funktion. Lenin formuliert sie so: Man kann nicht zugleich in der Gesellschaft leben und frei von ihr sein. Die Freiheit des bürgerlichen Schriftstellers, des Künstlers und der Schauspielerin ist nur die maskierte (oder sich heuchlerisch maskierende) Abhängigkeit vom Geldsack, vom Bestochen- und vom Ausgehaltenwerden.

 

 

Die herrschende Politprominenz kommt zur Eröffnung, darunter Steinmeier, der als Beauftragter für die Geheimdienste 2003 den Irakkrieg mit der Weitergabe von BND-Informationen unterstützt hat, darunter auch die Grüne Wissenschaftsministerin und Abschiebebefürworterin Angela Dorn und darunter auch lokale Neonazis.

Das Bildungsbürgertum kommt in die hessische Stadt. Je nach Temperament vergnügen oder empören sie sich. Alle schauen und reden über die documenta15, aber inzwischen gar nicht mehr über Kunst. Nachdem tatsächlich antisemitische Stereotypen auf einem Gemälde waren, glotzen auch Ordnungshüterinnen und Ordnungshüter die Kunstwerke nochmal ganz genau an. Das Ziel dieser Maßnahme ist durchsichtig: Rassistische Hetze und Stimmungsmache gegen Künstler*innen aus dem arabischen Raum. Da ist es mit der Weltoffenheit schnell vorbei. All das trägt zur ideologischen Legitimation dessen bei, was nahezu unsichtbar im Hintergrund passiert: Die in Kassel auf vollen Touren laufende Waffenproduktion.

Der Blick auf diejenigen, die Leid und Tod in aller Welt produzieren, wird durch alles genannte verstellt. Die Verbrechen der Konzerne Rheinmetall und Krauss-Maffei-Wegmann (KMW) finden weitgehend unsichtbar hinter den Kulissen, hinter den Leinwänden, hinter den Debatten statt. In dem ganzen Tohuwabohu geht unter: Mit Panzern aus Kassel führt die Türkei ihren Krieg in Nordsyrien gegen die emanzipatorischen Bewegungen der kurdischen Freiheitsbewegung. Die Bombenteppiche, die in Jemen niedergingen, stammen unter anderem von Rheinmetall. Die Folge waren Hunderttausende Tote und Millionen Geflüchtete. Auch das indonesische Regime wurde von Rheinmetall mit Waffen unterstützt. Die deutsche Regierung genehmigt diese Exporte und sichert damit die deutschen Interessen und Profite. Die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft geben sich unbeteiligt und reden von Sachzwängen.

Wenn in diesem Kontext eine Kunstausstellung stattfindet, lässt sie sich nicht davon losgelöst betrachten. Kassel und damit auch die documenta profitieren von den Steuer- und Werbeeinnahmen von Rheinmetall, KMW, Wintershall und dem documenta-Sponsor VW. Und immer mittendrin die Grünen, stärkste Partei im Kasseler Stadtparlament und mit an der hesslichen Landesregierung, die von Inklusionskonzepten reden, aber knallharte Ausschlüsse an den EU-Außengrenzen und den sozialen Grenzen im Innern forcieren.

Wie lässt sich diese ganze Scheiße durchbrechen ohne gleich den Entscheidungsträgern die Fressen einzuschlagen oder eine Bombe platzen zu lassen? Wir wissen es noch nicht. Aber wir wissen, dass es richtig ist, nach Kassel zu kommen, wenn Rheinmetall Entwaffnen Aktionstage ankündigt. Und wir wissen, dass es spätestens dann an der Zeit ist, zum Angriff überzugehen.

Wer den Raum der Kunst benutzen kann, wird so leicht kein Terrorist, sagt Christoph Schlingensief. Lasst uns Terroristinnen und Terroristen werden!

30. August - 4. September 2022:
Rheinmetall Entwaffnen!
Defend Kurdistan!
Aktionstage in Kassel!

webadresse: 
Lizenz des Artikels und aller eingebetteten Medien: 
Creative Commons by-sa: Weitergabe unter gleichen Bedingungen