[Übersetzung] Bekennerschreiben zum Angriff auf die Verräter der ARAS im Politechnikum der Aristoteles-Universität Thessaloniki (12.05.2026)
Am 15. November 2025, wenige Tage vor dem Jahrestag des Aufstands an der Politechnischen Universität Athens, 17. November 1973, der das Ende der Militärdiktatur in Griechenland einläutete, kam es zu einem Angriff von etwa 150 Mitgliedern der linksradikalen K-Gruppe „ARAS“ auf ca. 30 Personen aus dem anarchistischen Spektrum. Die Folge waren, neben einigen Verletzten bis Schwerverletzten, die Verurteilung der Aktion und Aufkündigung der Zusammenarbeit mit der ARAS durch viele antiautoritäre bis linksradikale Gruppen und Parteien (Bspw. durch die Partei MERA25 von Yanis Varoufakis). Eine Übersicht der Reaktionen (auf Griechisch) findet sich im Anhang.
Von: https://athens.indymedia.org/post/1641851/
Athen, 15. November 2025, Politechnische Universität. In einem Versuch, die politischen Verhältnisse innerhalb der Hochschulen zu verändern, startet die ARAS (1) einen unprovozierten, aber im voraus geplanten Angriff auf unsere Genossinnen und Genossen, bei dem sie unter Ausnutzung ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit brutal zuschlagen. Unprovoziert, weil keine Konfrontation vorausgegangen war, aber vorsätzlich, weil weder der Zeitpunkt noch der Ort des Angriffs zufällig gewählt waren. Die ARAS ist ein markantes Beispiel für die befriedete Post-Bürgerkriegs-Linke, deren Politik maßgeblich aus der Denunziation angeblicher „Agent Provocateurs“ (3) besteht. Jener Linken, die sich mit dem griechischen bürgerlichen Staat arrangiert hat, ihm vollständig unterworfen ist und wiederholt mit ihm zusammengearbeitet hat, indem sie innerhalb des Rahmens der bürgerlichen Legalität agiert und vollständig vom System assimiliert ist. Sie reproduziert sich durch Provokationsrhetorik („Agent Provokateurs“ Anm. d. Übers.), um ihre Passivität gegenüber den Herrschenden zu verschleiern und den sozialen Frieden zu sichern, auf dem das gesamte Konstrukt des „nationalen Burgfriedens“ beruht.
Die Provokationsrhetorik der ARAS und der übrigen linken Kräfte, die sie reproduzieren, ist die größte Verbündete der Repression, da es ihr gelingt, ein breites Spektrum (angepasste Bürgerliche, Linke, Faschisten, usw.) gegen jede Form des Widerstands zu mobilisieren und erfüllt dabei die Funktion einer nach innen gerichteten Repression, die jegliche Eskalation verhindern soll. Gleichzeitig akzeptiert diese Haltung voll und ganz das Gewaltmonopol des Staates und legitimiert damit jede staatliche repressive Maßnahme. Diese Situation wird von bestimmten Parteikreisen der Linken geschaffen und ausgenutzt, die zwar bei den letzten Kämpfen gegen die Repression gar nicht dabei waren und seit einigen Jahren praktisch nicht mehr existierten, nun jedoch versuchen, ihre Abwesenheit zu rechtfertigen, indem sie die Errungenschaften unserer Kämpfe als ihre eigenen darstellen.
In dem Bestreben, mögliche Konsequenzen zu vermeiden, hat die LAE (4) die ARAS in ihre Reihen aufgenommen, worin sie als Bande agiert deren Ziel es ist, die Interessen der Partei um jeden Preis zu verteidigen. Eine Bande, die heimlich die Drecksarbeit erledigt, die nicht zögert, Gewalt anzuwenden, Studierende zu bedrohen, Personen ins Visier zu nehmen, die ihr rüpelhaftes Verhalten aufdecken und verurteilen. Und sobald all dies auffliegt und Verantwortung übernommen werden muss, hat die LAE nicht die Konsequenzen zu tragen.
Sie lehnen autoritäre Strukturen nicht nur nicht ab, sondern setzen sie in vielen Fällen sogar durch. Sie zögern nicht, im Rahmen ihrer auf die Universitäten beschränkten Aktivitäten, neue Mitglieder – Studierende, unpolitisierte Mitläufer – zu rekrutieren, die blind, wie Schachfiguren und auf Befehl der Anführer, ihre Parteipflicht erfüllen und die offenen Rechnungen der Partei begleichen. Eindeutige Beispiele dafür sind die Angriffe auf bekannte selbstverwaltete Räume und Orte wie an der ASOEE (Wirtschaftsuniversität in Athen), am Panteion (Sozialwissenschaftliche Universität in Athen) und als Höhepunkt der Angriff vom 15. November 2025 in der Politechnischen Universität von Athen. Obwohl diese Angriffe uns ohnehin betroffen hätten, wissen wir inzwischen, dass sie nicht allein ideologisch motiviert waren. Vielmehr waren sie das Ergebnis politischer Planungen und der wirtschaftlichen Verflechtungen der Führungsspitze der ARAS mit staatlichen Institutionen. Die Machenschaften von Melisaropoulos (Chef der ARAS)und Hatzigeorgiou (Rektor der Politechnischen Universität) sind bekannt (5).
Seit langer Zeit beobachten wir das lächerliche Bild von Scharen von ARAS-Anhängern in allen Unis, die in der Regel aus 20 oder mehr Personen bestehen, die Helme, Handschuhe mit Protektoren und Schlagstöcke aus Holz mit sich führen und deren einziges Ziel die Repression anarchistischer Aktionen ist. Sie wissen genau, dass ihr einziges politisches Argument darin besteht, sich und ihre Organisation mit allen Mitteln stets als Opfer darzustellen. Teil dieser Opferdarstellung ist auch die Instrumentalisierung der Geschlechterfrage, denn jedes Mal, wenn sie angegriffen werden, betonen sie übermäßig, dass „Gewerkschafterinnen“ geschlagen wurden. Tatsächlich funktioniert die ARAS selbst nach sexistischen Prinzipien und reproduziert den patriarchalen Dualismus, wonach der Mann der Kämpfer an vorderster Front sein soll und die Frau in der vermeintlichen Sicherheit eine zweitrangige Rolle übernimmt.
Aus diesen und weiteren Gründen haben wir uns am Dienstag, dem 12. Mai 2026, dazu entschlossen, die bewaffnete „rote Armee“ an der Technischen Hochschule der Aristoteles-Universität Thessaloniki anzugreifen und sie fertigzumachen. Genauer gesagt, als sie ihre Niederlage erkannten und sahen, wie das Bild der gut organisierten Angriffstruppe innerhalb weniger Sekunden zerfiel, ergriffen sie die Flucht und ließen ihre Freunde und Kameraden leichtfertig zurück, nur um ihre eigene Haut zu retten. Zudem waren sie der Ansicht, dass ein Zusammenstoß gleich starker Gruppen für sie keine günstigen Voraussetzungen biete – im Gegensatz zu dem Angriff, den die 150-köpfige Sturmtruppe am 15. November in Athen auf eine Handvoll Anarchisten verübt hatte.
Die Wahl dieses Tages erfolgte nach dem Kriterium, dass wir euch versammelt und bereit für die Auseinandersetzung vorfinden würden, die ihr so lange provoziert habt. Eure Wahlkampf-Show ist uns scheißegal. Ihr seid mit der harten Realität konfrontiert worden, dass eure Angst Gestalt angenommen hat und dass die Entscheidung, Personen aus dem anarchistischen Milieu anzugreifen, ein politischer Fehlschlag war, der euch vor aller Augen bloßgestellt hat. Wir sind gekommen, um klarzustellen, dass jede Aktion eine entsprechende Reaktion nach sich zieht. Schließlich antworten wir auf die Behauptungen des roten Pöbels, aber auch auf die Ansichten einiger „Radikaler“, die Anarchismus auf harmlose Trinkgelage und Weinphilosophien beschränken wollen, dass Anarchismus Angriff bedeutet. Ihr seid viel zu unbedeutend und nichtig, um das Wort Anarchismus in euren dreckigen Mund zu nehmen. Der Anarchismus hat unzählige Aktionen und Angriffe gegen das herrschende System durchgeführt, wobei Genoss*innen den Preis dafür als politische Gefangene zahlen, oder sogar in der Aktion ihr Leben verloren.
Wir halten es für entscheidend, dass sowohl die antiautoritäre Bewegung als Ganzes, als auch die Studierenden, die entsprechende radikale Ideen vertreten, dazu beitragen, die Spitzel der LAE/ EAAK/ARAS aus den Universitäten und darüber hinaus zu entfernen – fernab der Rhetorik „großer“ Führer und Retter, die sie auf magische Weise aus einer Gesellschaft voller Ungerechtigkeiten, Verrat, Kontrollen und Bullen retten sollen.
Und vergesst nicht, ihr Abschaum von der ARAS: Ihr wart, seid und werdet immer ganz unten auf unserer Prioritätenliste stehen, aber da ihr beschlossen habt, dem Anarchismus den Krieg zu erklären, werden wir euch fertigmachen.
Anarchist*innen
Anm. d. Übers.
(1) ARAS, griechisch ΑΡΑΣ, Aristeri Antikapitalistiki Syspeirosi („Linker Antikapitalistischer Zusammenschluss“), gegründet 1997, ist eine linksautoritäre Gruppe im breiten Spektrum linksradikaler Parteien und K-Gruppen in Griechenland. Von manchen wird sie als maoistisch charakterisiert. Sie ist teil des größeren Bündnisses EAAK („Vereinte Unabhängige Linke Bewegung“).
(2) Zum Hintergrund: https://de.indymedia.org/node/555525
(3) Das Narrativ der „Agent Provocateurs“, auf Griechisch „Provokalologia“ (hier: Provokationsrhetorik), also im staatlichen Auftrag arbeitende Demonstrierende, die Unruhe stiften und Gewalt und Ausschreitungen provozieren, um so die „legitimen und friedlichen Proteste“ der radikaler Linker oder kommunistischer Gruppen zu delegitimieren, ist eine Behauptung die seit Jahrzehnten wiederholt und meist der anarchistischen Bewegung unterstellt wird um wiederum diese zu delegitimieren und Abweichungen vom vorgegebenen legalen „Konsens“ der Linksradikalen Parteien zu verurteilen.
(4) LAE, griechisch ΛΑΕ oder Laiki Enotita („Volkseinheit“), ist eine weitere linksradikale Partei in Griechenland und Ex-Mitglied der Syriza. https://de.wikipedia.org/wiki/Laiki_Enotita
(5) Zwischen Ioannis Hatzigeorgiou (Ιωάννης Χατζηγεωργίου), Rektor der Politechnischen Universität in Athen, und Georgios Melissaropoulos, (Γιώργου Μελισσαρόπουλου), Chef der ARAS und Chef der Beratungsagentur „ICAP Advisory“, gibt es eine enge Verbindung, da die zuletzt genannte Beratungsagentur Forschungsprogramme der Politechnischen Universität finanziert. Vgl. https://www.athens.indymedia.org/post/1638572/
Reaktionen und weitere Texte zum Thema:
Auf Griechisch:
Auf Deutsch:
https://bonustracks2.noblogs.org/post/2025/11/20/eine-linke-die-den-staat-in-sich-traegt/
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