[Kolumbien] FARC-EP mit Waffenruhe zu den Wahlen
Der Zentrale Generalstab der FARC-EP unter dem Oberkommando Iván Mordisco hat gestern eine vorübergehende Waffenruhe mit den staatlichen Sicherheitskräften im gesamten Land angekündigt.
Der Zentrale Generalstab der FARC-EP unter dem Oberkommando Iván Mordisco hat gestern eine vorübergehende Waffenruhe mit den staatlichen Sicherheitskräften im gesamten Land angekündigt. Der Befehl gilt laut einem Kommuniqué des Zentralen Generalstabs für alle ihre Fronten, beginnt in der ersten Stunde dieses 20. Mai und dauert bis zum 10. Juni. Die aufständische Organisation erklärte, dass sie mit dieser Ankündigung „ausreichende Ruhebedingungen“ im Hinblick auf die Wahl am 31. Mai schaffen wolle. Außerdem wies sie darauf hin, dass sie sich das „Recht auf legitime Selbstverteidigung“ gegenüber jeglicher „Aggression“ der Sicherheitskräfte, der US-Behörden oder anderer illegaler bewaffneter Akteure, mit denen sie um die Kontrolle des Territoriums konkurriert, vorbehalte.
In dem Dokument, das „61 Jahre des Kampfes“ der Organisation würdigt, erklärte das Sekretariat des Zentralen Generalstabs, dass diese Entscheidung darauf abziele, ein Klima der Ruhe zu schaffen, damit „das kolumbianische Volk massenhaft zu den Urnen geht“. Darüber hinaus enthält das Kommuniqué eine starke politische Komponente, in der mutmaßliche mediale Manipulationen abgelehnt werden, die versuchen könnten, ihre jüngsten militärischen Aktionen zu nutzen, um „bei den Wahlen eine rückschrittliche Vision durchzusetzen“, und rufen dazu auf, sich während des Wahlkampfs von „Kriegsführung“ und „Paramilitarismus“ fernzuhalten.
Denn in jedem Fall hören die Auseinandersetzungen unter den Guerillaorgansationen nicht auf. Diese Woche kündigte beispielsweise die Front Carolina Ramírez des eben benannten Zentralen Generalstabs von Iván Mordisco einen bewaffneten Streik für die Gemeinden zwischen den südkolumbianischen Provinzen Caquetá und Putumayo an. Konkret wurde die Bewegung auf den Flüssen Caquetá und Caguán für alle Zivilpersonen, Schifffahrtsunternehmen und auch auf den Straßen in der Nähe dieser Flüsse verboten. Hier findet nämlich in Konflikt mit der Front Raúl Reyes und dem Block Jorge Suárez Briceño der FARC-EP unter dem Oberkommando von Calarcá statt.
Das Kommuniqué versucht auch über die in den letzten Tagen entstandenen Lügen aufzuklären, die im Rahmen der Präsidentschaftskampagnen und bevorstehenden Wahlen öffentlich gegangen sind. Darin wird behauptet, dass bewaffnete Gruppen versuchen, diese Wahlen zu beeinflussen. Der rechte Uribismus berichtete beispielsweise, dass drei Strukturen der FARC-EP von Mordisco angeblich im Cauca aktiv seien, zugunsten des Kandidaten Iván Cepeda vom Historischen Pakt. Selbsterklärend hingegen ist, dass die lokale Bevölkerung hinsichtlich der Kandidaten und Ziel ihrer Politik aufgeklärt wird.
Anbei das ins Deutsche übersetzte Kommuniqué:
Über die Wahltage von 2026
15. Mai 2026
Wir grüßen die internationale Gemeinschaft und das kolumbianische Volk, die bäuerlichen, indigenen und afrokolumbianischen Gemeinden, die Jugend, die Künstler, die Arbeiter der Städte, die Arbeitslosen, die Mütter, die Hausangestellten, die Gemeinschaftsmütter; und alle, die für den Aufbau eines anderen Vaterlandes kämpfen.
WIR TEILEN MIT, DASS WIR ALLEN UNSEREN FRONTEN, KOLONNEN UND KOMPANIEN DEN BEFEHL ERTEILT HABEN, OFFENSIVE MILITÄRISCHE OPERATIONEN GEGEN DIE SICHERHEITSKRÄFTE VOM 20. MAI UM 00:00 BIS ZUM 10. JUNI UM 00:00 IM GESAMTEN NATIONALEN TERRITORIUM EINZUSTELLEN. WIR BEHALTEN UNS DAS RECHT AUF LEGITIME VERTEIDIGUNG GEGEN JEDE AGGRESSION DER KOLUBIANISCHEN ODER US-AMERIKANISCHEN STAATSKRÄFTE ODER EINES ANDEREN BEWAFFNETEN AKTEURS GEGEN UNSERE EINHEITEN VOR.
Wir wissen, dass dies die ausreichenden Ruhebedingungen schaffen wird, damit das kolumbianische Volk massenhaft zu den Urnen geht, wo einmal mehr eine entscheidende Entscheidung für das Land getroffen wird. Wir hoffen, dass diese Entscheidung sich vom Kriegerischen, von politischem Taktieren und vom Paramilitarismus fernhält, die einige Kandidaten zu positionieren versuchen.
Wir lehnen mediale und politische Manipulationsakte ab, die in diesen Tagen versuchen, unsere militärischen und defensiven Aktionen als Instrument zu nutzen, um bei den Wahlen eine rückschrittliche Vision durchzusetzen, die das kolumbianische Volk stets mit seiner Erinnerung und seinem Kampf abgelehnt hat. Frieden mit sozialer Gerechtigkeit, eine politische Lösung des sozialen und bewaffneten Konflikts, das Wohl des kolumbianischen Volkes und strukturelle Transformationen für unser Land waren immer unser politischer Horizont.
Wir vertrauen voll und ganz auf die Weisheit des kolumbianischen Volkes. Wir hoffen, dass einmal mehr das soziale Bewusstsein, die Kohärenz und das Bedürfnis, das Land zu verändern, siegen werden.
Volk und Würde: Manuel Marulanda lebt. Der Kampf geht weiter!
Sekretariat des Zentralen Generalstabs
Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee
FARC-EP
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