Busted in BRACELONE: Was haben wir daraus gelernt? Teil 4
Aktive aus der Werkstatt für Antifaschistische Aktionen (w2a) waren im September 2025 in Barcelona. Eigentlich wollten wir zum „BAN FOSSIL ADS GATHERING“. Aber dann sind wir falsch abgebogen und in einer Adbusting-Aktion gegen den Ausbau des dortigen Flughafens gelandet (Siehe Teil 1 von BRACELONE: DIE SAGA!). Wir haben aus Werbeplakaten Papierflieger gefaltet. Zwei Festnahmen, drei Identitätsfeststellungen, ein Handy ohne PIN und dem Abgreifen vermutlich aller Daten aller Konferenzteilnehmer*innen im Hostel durch die Cops später (siehe Teil 2 von BRACELONE: DIE SAGA!) und einer wilden Verfolgungsjagd mit Zivi-Cops (Teil 3 BRACELONE: DIE SAGA!) sind wir schlauer. Was wir gelernt haben, schildern wir hier im spektakulären 4. Teil unserer hochspannenden BRACELONE-Erlebnis-Saga!

Was bisher in BRACELONE: DIE SAGA geschah:
Im ersten Teil unserer Erlebnis-Saga schildern wir, was es mit den Protesten gegen die Flughafenerweiterung in Barcelona auf sich hat, wir beschreiben die Adbusting-Aktion „Paper-Planes“ und was sie erreicht hat und fragen uns, wie wir sie nach Berlin mit einem Bundeswehr-Bezug übertragen können.
Im zweiten Teil schildern wie die zwei Festnahmen im Kontext der adbusting-Aktion "Paper pales" am Plaça de Catalunya:
Eine nächtliche Verfolgungsjagd mit observierenden Zivicops, eine Razzia in einer Bar und das Stehlen von Daten aus dem Hostel? So wild geht es im dritten Teil unserer BRACELONE-SAGA zu.

Wieder zu Haus
Jetzt sind wir wieder in Berlin. Und die Verfahren eingestellt. Zeit und Gelegenheit, die Ereignisse in BRACELONE- DIE SAGA! zu Rekapitulieren. In den folgenden Tagen in Barcelona und auf der Heimreise gab es keine weiteren Polizei-Kontakte, niemand wurde an der Grenze abgefangen, alle sind gut nach Haus gekommen. Was machen wir jetzt damit?
Einfache Aktion
Wir fanden die Aktion eigentlich recht schön. Schön einfach. Überall leicht machbar. Zumal es viele Städte mit Werbevitrinen und Flughafenausbau gibt.
Demnächst mit der Bundeswehr?
Wir überlegen, ob man den Papierfliegern nicht einen Bundeswehr-Bezug geben kann. Hier die ersten noch ausbaufähigen Experimente:

Falls ihr Ideen habt, wie daraus eine stimmige Aktion wird: Bitte gerne eine E-Mail an w2a@riseup.net
Verunsicherung?
Sehr lehrreich waren die Schilderungen der Betroffenen über die Verunsicherungen angesichts des Polizeikontaktes ohne die Sprache und den Rechtsrahmen zu kennen (siehe dazu Teil 2 und Teil 3 von BRACELONE-DIE SAGA!). Interessanter Perspektivenwechsel für uns Bildungsbürgerinnentumkids angesichts eines leider als völlig "normal" und "angemessen" geltenden Polizeieinsatzes. Wollen wir das nicht in unsere Antira-oder Aktions-Trainings einbauen?
Fragen stellen?
Warum haben wir eigentlich keine Fragen in der Vorbesprechung gestellt (siehe Teil 2 unserer BRACELONE-SAGA)? Fragen zum Recht auf Aussageverweigerung? Was die Polizei so darf und den recht nahe liegenden und erwartbaren Begehrlichkeiten der Cops bezüglich Hostel, Handies, Telefonnummern? Unsere Partner*innen aus Barcelona hätten sie sicher gerne beantwortet, wenn wir Interesse gezeigt hätten. Ham wa aber nicht. Machen wir hoffentlich beim nächsten Mal.
Mitdenken bei Aktionen?
Bei Aktionsplanungen muss man selbstständig mitdenken. Waren wir zu sehr geschmeichelt von der Einladung, mitzumachen oder zu beeindruckt von dem ganz geheimen Geheimversteck in fancy-Bracelone? Was hat uns so in den Konsum-Modus versetzt, sodass kritisch Mitdenken bei uns leider nicht mehr besonders gut funktioniert hat?
Inhalt?
Und was war eigentlich mit dem Inhalt der Aktion? Die Anmerkung der Cops, ob wir Tourist*innen solchen Unsinn auch Zuhause machen, war doch erwartbar (siehe die sehr spannende Folge 2 der super interessanten BRACELONE-SAGA). Immerhin sind wir mit dem Zug angereist und nicht mit dem Flugzeug. Aber auf die tiefer liegende Schicht der Frage, wie wir das mit unserem Tourismus im vom Über-Tourismus betroffenen Barcelona sehen, hätten wir uns mehr eine Kopf machen sollen (das holen wir im politisch äußerst brisanten 5. Teil von BRACELONE: DIE SAGA! nach!).
Angemessene Nachbesprechung
Was wir auch schön fanden, war das die Organisatorinnen der Konferenz, auf der wir eigentlich waren, am folgenden Tag recht wenig angepisst und statt dessen solidarisch, verständnisvoll und sehr konstruktiv waren. Obwohl sie nicht eingeweit in die Aktion waren, fast alle ihre Konferenzteilnehmenden mitten in der Nacht durch panische nAchrichten aufgescheucht und alle Daten im Hostel abgegriffen wurden (siehe Teil 1 von BRACELONE: DIE SAGA!).
Spontan Platz neben dem Programm
Die Organisator*innen der Konferenz machten spontan Raum und Zeit für eine angemessen lange Nachbesprechung klar. Die war auch gut moderiert und sorgte für eine tiefere Vernetzung. So versetzt sie uns in die Lage, diesen Text mit vielen Perspektiven gemeinsam schreiben zu können. Und sie erleichtert hoffentlich auch die nun startende Solidaritätsarbeit für die Betroffenen. Vielen Dank dafür!
Internationale Soli-Arbeit
Auch wenn wir Glück hatten, und niemand aus der Werkstatt für Antifaschistische Aktionen (w2a) betroffen ist, machen wir na klar bei der jetzt anlaufenden Soliarbeit zu den Paper Planes mit. Und wir sind jetzt schon überfordert. Kontakte einsammeln, Kontakte pflegen, einen zeckigen Anwalt in Barcelona finden, Betroffene einbinden in Öffentlichkeitsarbeit über mehrere Grenzen hinweg…. Wir werden sehr viel neues lernen in der zweiten Staffel von BRACELONE: DIE SAGA!
Verfahren eingestellt
Scherz. Die zweite Staffel wird recht kurz und kommt hier. Die Genoss*innen in Barcelona gaben uns Kontakte von linken vertrauenswürdigen Anwaltsbüros. Denen haben wir ne Mail geschrieben mit Vollmachten der Betroffenen. Dann gabs einen Online-Talk, bei denen eine Anwältin von uns wissen wollte, was wir eigentlich wollen. Die Anwältin hat sich dann überlegt, was sie tun kann. Sie hat Anfragen im Namen der Leute, die in BRACELONE: DIE SAGA! Polizeikontakt hatten, an die Behörden von Barcelona gestellt, ob da Verfahren laufen. Ergebnis einige Wochen später: Nö. Keine Verfahren. Und absprachegemäß eine Rechnung über 60,00 Euro. BRACELONE: DIE SAGA! Staffel 2 DER GERICHTSPROZESS liegt also auf Eis und wird wohl nie kommen.
Nachbereitung
Die Nachbereitung war ein gutes Erlebnis. Es war nicht annähernd so stressig wie angenommen. Ein alter Hase in unseren bundesweiten Zusammenhängen stresste uns bereits in Barcelona, zu allen Betroffenen und Gate-Keepern notfalls mit dem verbalen Brecheisen Kontakt aufzubauen und und Kontaktdaten auszutauschen. Das erleichterte es uns enorm, all die wichtige Leute anzuquatschen. Und die ausgetauschten Kontaktdaten erleichterten es enorm, anschließen, dass Verfahren angemessen zu bearbeiten. Warum es dafür den enormen sozialen Druck eines alten Hasens braucht? Wissen wir im Nachhinein auch nicht.
Spoiler zum 5. Teil der ersten Staffel von BRACELONE- DIE SAGA!
Doch vorher gehts zum spannenden Finale unserer äußerst aufregenden und interessanten BRACELONE-SAGA: Wie gehen wir eigentlich beim Tourismus und nach Barcelona fahren mit dem Thema Über-Tourismus und Mietenwahnsinn um? Das sind schließlich auch Probleme bei uns Zuhaus in Berlin. Seid gespannt auf den letzten hochinteressanten und politisch brisanten 5. Teil von BRACELONE-DIE SAGA!, den wir bald veröffentlichen!
(ihr dürft übrigens gerne immer Schnaps trinken, wenn „BRACELONE-DIE SAGA!“ kommt).
Mehr Infos:
Offenes Tresen Treffen der w2a am 21.5.:
Paper planes gegen den Flughafenausbau in Barcelona! Teil 1
Busted in Barcelona! Teil 2
Wer hat Angst vor Zivi-Cops? Teil 3
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