Farbe gegen Tierindustrie: Mastanlage vom Präsidenten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen bei Wolfenbüttel verschönert.

 

In der Nacht auf den 17.03.2026 haben wir uns Zugang zum Gelände einer Hühnermastanlage in Cramme bei Wolfenbüttel verschafft und mit weißer Farbe „STOP THIS! FÜR NATUR, TIER, MENSCH!“ und „PLANET OVER PROFIT!“ auf eine Außenwand geschrieben. Damit die Forderungen auch von Weitem gut sichtbar sind, haben wir mit dem 1,50 Meter hohen und 30 Meter langen Schriftzug den Platz auf den riesigen Hallen gut genutzt. In der Mastanlage in Cramme sind pro Mastdurchgang 84.000 Tiere (allesamt Qualzucht) auf engstem Raum eingesperrt.

 

 

 

Mit dieser Aktion wollen wir erneut auf die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen durch die industrialisierte Landwirtschaft aufmerksam machen. Die Tierindustrie ist dabei ein großer Treiber der Naturzerstörung und steht schon im Kern für die Respektlosigkeit gegenüber dem Leben anderer Spezies. Diese Industrie quält und tötet in Deutschland jährlich hunderte Millionen Lebewesen in Tierfabriken (weltweit jährlich hunderte Milliarden), befeuert die menschengemachte Klimakrise und vernichtet systematisch die Biodiversität. Der globale Biodiversitätsverlust durch z.b. den enormen Flächenverbrauch und die intensive, nicht nachhaltige Flächenbewirtschaftung durch die Tierindustrie ist dabei immens. Allein in Deutschland werden ca. 60% der landwirtschaftlich genutzen Fläche nur zur Futtermittelgewinnung für die sogenannten „Nutztiere“ verwendet. Durch diesen Flächenfraß, die Überdüngung der Böden und Gewässer durch zu viel Gülle, Pestizideinsatz für Futtermittel-Monokulturen, Ausbeutung der Wasserressourcen, usw. wird massiv Lebensraum und Artenvielfalt zerstört. Und das deckt noch lange nicht den Bedarf an Futtermitteln für die unzähligen Tiere in den Tierfabriken. Aus Südamerika müssen zusätzlich Millionen von Tonnen Futtermittel nach Deutschland und Europa geschifft werden. Dort wird dafür zunehmend in lebenswichtigen Ökosystemen wie im Amazonasgebiet und im Cerrado (artenreichste Savanne der Welt) gerodet, um Platz für Futtermittel und Rinderzucht zu schaffen. Eine Zerstörung die gerade jetzt durch das Inkrafttreten des Mercosur-Abkommens weiter intensiviert wird. Diese massive Lebensraumzerstörung durch die Tierindustrie gilt als ein Hauptverursacher des aktuellen Artensterbens (menschengemacht und das schwerwiegendste Massenaussterben seit 66 Millionen Jahren) und bedroht auch uns alle, da auch wir Menschen zum Überleben auf stabile und intakte Ökosysteme angewiesen sind. Wir Menschen stehen nicht über oder neben der Natur, sondern mittendrin.

 

Die Tierindustrie ist eine moralische und ökologische Katastrophe, die zu allem Überfluss auch noch jährlich Milliarden Euro an Subventionen vom Staat für ihr gemeinwohlgefährdendes System erhält. Dagegen wäre eine pflanzenbasierte Landwirtschaft viel effizenter (ohne den Umweg, ein vielfaches an Wasser und pflanzlicher Kalorie für viel weniger tierische Kalorie zu verpulvern), gleichzeitig viel naturschonender und es müssten nicht unzählige fühlende Individuen in riesigen Tierfabriken dahinvegetieren. Der Ausstieg aus der industriellen Tierhaltung, der Ausbau der ökologischen Landwirtschaft und ein nachhaltiges Konsumverhalten wären eine gute Investition in die Zukunft. Auch für die wirtschaftliche Zukunft, denn in einer immer weiter so zu Grunde gerichteten Natur wird man nicht mehr lange problemlos Landwirtschaft betreiben können. Dann sagen uns Dürre und Insektensterben gute Nacht. Warum also an der Tierindustrie festhalten und diese unterstützen? Weil Fleisch lecker sein soll, weil die Fleischlobby einem suggeriert, es bräuchte jeden Tag Teile von toten Tieren auf dem Teller, und weil es gut Geld bringt für Fleischkonzerne riesige Tierfabriken zu betreiben? Das soll alles sein, warum so viele Menschen auf die Nutzung von vorhandenen Alternativen verzichten und bereit sind stattdessen diese maßlose Gewalt und Zerstörung der Lebensgrundlagen mitzutragen?

 

Es ist seit langem Zeit für ein Umdenken und eine grundlegende Transformation hin zu einem ökologischen und sozial gerechten Ernährungssystem. Und dabei sind alle gefragt: Die Produzierenden, die Konsumierenden und die Politik. Alle sind Zahnräder die ineinander greifen und Einfluss darauf haben und nehmen können, auf welche Art und Weise etwas produziert wird und was nicht. Dabei sind die Hauptverantwortlichen der globalen Krisen eine Handvoll internationaler Konzerne und unterstützende Regierungen, die trotz dieser Machtkonzentration allzu gern und dreist die alleinige Schuld den Verbraucher*innen zuschieben. Und auch wenn es viel Widerstand „von unten“ erfordert: Wir müssen unser Leben, unser Wirken und unsere Zukunft nicht den Profitinteressen dieser Großkonzerne unterordnen, die u.a. den Ernährungssektor immer weiter monopolisieren, uns mit Greenwashing täuschen und uns somit immer weiter die Wahlfreiheit zb. zur eigenen Ernährung nehmen. Ein Wirtschaftssystem des ständigen Wachstums - nach dem Motto ohne Rücksicht immer größer, immer schneller und immer mehr - auf einem endlichen und schon jetzt von den Industrienationen zugemüllten, vergifteten und ausgeplünderten Planeten ist kurzsichtig, destruktiv und lebensbedrohend. In einem Wohlstand und Überfluss, der großteils durch weltweite Ausbeutung und Zerstörung aufgebaut wurde und wird, der ungerecht verteilt ist und es schafft innerhalb von nur Jahrzehnten den Planeten gegen die Wand zu fahren, sollte es sich niemand bequem machen, sondern an einem tiefgreifenden Umbau dieses fehlgeleiteten Systems (von dem die Tierindustrie nur eines von vielen Auswüchsen ist) mitwirken. Denn auch durch zb. bewusstere Konsumentscheidungen, aber vor allem durch vielfältige Proteste, kann jeder einzelne Mensch etwas beitragen und Druck auf die Herrschenden ausüben, um gemeinsam Stück für Stück eine dringend benötigte Transformation der bestehenden Verhältnisse voranzubringen.

 

Tierindustrie abschaffen! Milliardären wie Tönnies, Wesjohann und Müller Grenzen aufzeigen! Für einen Wohlstand an Artenvielfalt, Lebensraum und Verantwortungsbewusstsein für unsere Mitwelt!

 

 

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