Statement des Sanitätskollektiv Zürich zu Vorwürfen von (sexuellen) Übergriffen
Triggerwarnung: (sex.) Übergriffe
Hallo zusammen. Einige von Euch haben gestern Nacht von Einzelpersonen aus dem Basler Kollektiv ein Statement zum Thema Täter*innenschutz unsererseits erhalten. Wir wollen Euch dahingehend klar kommunizieren, was vorgefallen ist und welche Schritte geplant sind, insbesondere für diejenigen, die an der GV nicht teilgenommen haben. Alle dort geäusserten Meldungen werden im Protokoll festgehalten sein.
Es ist richtig, dass bei uns am 08.02.2026 durch das Sanitätskollektiv Basel telefonisch und auf Nachfrage schriftlich ein Statement mit Vorwürfen gegen ein Vorstands- und Kollektivmitglied eingereicht wurde. Dieses enthielt u.A. auch Vorwürfe Fälle sexueller Übergriffe gegen eine*n Sanitäter*in des Sanikollektivs Zürich und eine Ausschlussforderung an den Vorstand. Entgegen der Darstellung des Sanikollektivs Basel handelte es sich bei der Originalnachricht, die an uns gerichtet war, nicht um Vorwürfe von Mobbing, autoritärem Klima oder Diskriminierung, dies sind Vorwürfe, die wir in dieser Form noch nie gehört haben. Primär behandelten die Vorwürfe, Konflikte in Bezug auf das Sanitätskollektiv Basel (spezifisch, dass Personen nicht an das Sanikollektiv Basel verwiesen wurden, statt bei uns aktiv zu sein) und um eine Situation bei einem Einsatz im Ausland, der mehrfach bereits Teil einer Mediation war. Auch die Aussage, dass im letzten dreiviertel Jahr mind. 11 Personen das Sanikollektiv Zürich verlassen bzw. sich zurückgezogen haben, können wir so nicht bestätigen. Falls eurerseits Interesse an diesem Originalstatement besteht, lassen wir euch aus Transparenzgründen gerne eine auf Namen zensierte Version zukommen.
Im Rahmen dieser Vorwürfe wurde die beschuldigte Person ab Sonntag unmittelbar aus allen Einsätzen, Kursen und Sitzungen gestrichen und ein Ausschlussverfahren eingeleitet. Zudem wurde durch mich, Hilda, der direkte Kontakt zu den betroffenen Personen gesucht. Wir befanden uns in einem direkten Dialog mit dem Sanikollektiv Basel und baten sie auch aufgrund der Vorwürfe auf Kollektivebene sowie der schwerwiegenden Vorwürfe darum, zusätzlich zu meiner Person neutrale, externe Sanitäter*innen zu involvieren, namentlich das Sanitätskollektiv Lützerath. Dies wurde durch das Sanikollektiv Basel bisher explizit abgelehnt. Da bis zur GV noch kein Austausch mit den betroffenen Personen erfolgen konnte, wir von betroffenen Einzelpersonen keine Vorwürfe und Forderungen erhalten hatten und damit auch nicht deren Wünsche berücksichtigt werden konnten, wurde (auch wieder in Absprache mit Basel) entschieden, dass an der GV die Vorwürfe nur anonym aufgegriffen werden würden, bis ein Dialog mit den betroffenen Personen stattgefunden habe, und das weitere Ausschlussverfahren erläutert werden würde. Die Forderung, die beschuldigte Person auszuschliessen ohne mit den Betroffenen überhaupt im Dialog gewesen zu sein, stand für uns von Anfang an ausser Frage. Die Vorwürfe des Sanikollektivs Basel, dass Traktanden blockiert und Aufarbeitung verhindert werden würde, sind schlichtweg falsch und widersprichen jeglichen Gesprächen, die im Vorhinein gemeinsam stattgefunden haben.
Die beschuldigte Person hat bereits im Nachgang an die GV ihren Rücktritt von allen Positionen bekannt gegeben. Ein Statement ihrerseits wird im Laufe der Tage folgen. Nichtsdestotrotz gedenken wir den Ausschlussprozess wie geplant fortzuführen und alle Kollektivmitglieder darüber auf dem Laufenden zu halten.
Wir haben gestern, 14.02., sowohl mit Individuen des Basler Kollektivs als auch den betroffenen Einzelpersonen einen Dialog geführt und weitere Schritte abgemacht. Es ist explizit der Wunsch der von sex. Übergriffen betroffenen Person, dies nicht in einem öffentlichen Rahmen zu tun. Dahingehend kritisieren wir das Vorgehen des Sanitätskollektivs Basel scharf. Während einer laufenden Versammlung den Raum laut und ohne Dialog zu verlassen, dies dann immer noch während einer laufenden Versammlung und ohne klaren Konsens der involvierten Personen mit falschen Tatsachen zu veröffentlichen und im Anschluss eine Richtigstellung auch auf mehrfaches Nachfragen zu verweigern, ist nicht nur unehrlich und destruktiv sondern klar verantwortungslos und opferschädigend. Ein sensibler Umgang mit solchen Vorwürfen ist ein opferzentriertes Handeln, in der alleine die Bedürfnisse der betroffenen Person relevant sind. Wir befinden uns mitten in einem Ausschlussprozess, der dies zum Ziel hat und werden nicht aufgrund eines öffentlichen und zudem fehlerhaften Statements davon abrücken.
Wie vom Sanitätskollektiv Basel bereits formuliert, tragen wir als Sanitäter*innen und medizinisches Fachpersonal mehr Verantwortung als viele und haben alleine aufgrund unseres Auftretens eine inhärente Machtposition. Gerade aus diesem Grund ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Vorwürfen und Ausschlüssen existenziell wichtig, etwas was wir vom Sanitätskollektiv Basel in dieser Situation nicht sehen konnten. Wir distanzieren uns klar von jeglichem Täter*innenschutz, das Gegenteil ist klar der Fall. Was den Austausch mit dem Sanitätskollektiv Basel angeht, sind wir weiterhin offen für Dialog, fordern aber nach wie vor nachdrücklich die Beteiligung externer Sanitäter*innen als Mediation. Eine Ablehnung dieser sehen wir als explizite Ablehnung jeglichen konstruktiven Dialogs auf Kollektivebene.
Falls eurerseits Fragen und sonstige Wortmeldungen bestehen, meldet euch gerne. Wir werden euch nach wie vor auf dem Laufenden halten.
Creative Commons by-nc-sa: Weitergabe unter gleichen Bedingungen - nicht kommerziell
