Solidarität mit Exarchia - NO PASARAN! Aufruf zu einer Kundgebung vor dem griechischen Konsulat in Hamburg am Sa, den 7. September

Der Angriff des Staates auf die Geflüchteten und Anarchist*innen in Exarchia begonnen. Mehrere Squats wurden gewaltsam geräumt, Menschen verschleppt und in Geflüchtetenlager abgeschoben. Der griechische Staat hat angekündigt die Situation weiter zu verschärfen. Der Angriff auf Exarchia betrifft uns alle. In diesem Sinne rufen wir euch dazu auf, gemeinsam mit uns am Sa, den 7.09.2019, um 12 Uhr vor das griechische Konsulat (Neue ABS-Strasse 10) zu kommen und unsere Solidarität mit den Menschen in Exarchia kundzutun, die diesen Kampf nicht nur für sich, sondern für uns alle kämpfen.

 

Liebe Freund*innen und Genoss*innen,

 

der umfassende und angekündigte Angriff des Staates auf die Geflüchteten und Anarchist*innen in Exarchia hat begonnen. Am Morgen des 26.08.2019 wurden mit Hilfe hunderter Riotcops und Spezialeinheiten, die vier Squats Spirou Trikoupi 17, Transito, Rosa de Foc und die anarchistische Besetzung Gare geräumt. Diese Aktion richtete sich vor allem gegen die Besetzungen geflüchteter Migrant*innen: 143 Menschen, unter anderem auch Kinder, wurden verschleppt und von den Orten vertrieben, an denen sie die Möglichkeit hatten ein menschenwürdiges Leben zu führen. Diejenigen, die keinen legalen Aufenthaltsstatus hatten, sind in die berüchtigten Lager im Umland gebracht worden. Die Bilder der weinenden Kinder gingen um die Welt.

 

Seitdem wird von täglicher Belagerung, Gewalt und Schikane durch die Schergendes Staates in Exarchia berichtet. Ein Musikfestival am Wochenende auf der Platia wurde von drei Seiten von den Cops mit Tränengas angegriffen. Es gab mehrere Versuche in das besetzte soziale Zentrum K*Vox einzudringen: dabei wurde von den Cops die Glastür eingeschlagen und unter Inkaufnahme von tödlich Verletzten Tränengasgranaten in den geschlossenen Raum geworfen. Es gibt mehrere Augenzeug*innenberichte von gezückten Waffen und abgegebenen Schüssen sowie Sichtung von Militärpolizei: Die Gefährt*innen vor Ort teilen die Einschätzung, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es Tote geben wird. Alle erinnern sich an 1985 und 2008 als Michaelis Kaltezas und Alexis Grigoropoulos von Bull*innen ermordet wurden. Wir erinnern uns auch an den 17. November 1973, an dem die Besetzung der Polytechnischen Universität in Athen von griechischen Student*innen und Arbeiter*innen, die emanzipatorischen Widerstand gegen die Militärdiktatur organisierten, blutig niedergeschlagen wurde. Das seitdem geltende Hochschul-Asyl ist im Jahr 2011 von der griechischen Regierung mithilfe der Zustimmung bürgerlicher und rechter Parteien wie Nea Democratia (ND) wieder aufgehoben worden. Seit dem Regierungswechsel im Juli dieses Jahres sitzt die ND mit absoluter Mehrheit im Parlament.

 

Der griechische Staat hat angekündigt die Situation weiter zu verschärfen und 11 weitere Projekte genannt, die geräumt werden sollen. Kyriakos Mitsotakis, der neue Ministerpräsident, will sich als Hardliner präsentieren und das Viertel ‘aufräumen’, das immer noch einen Makel für das Athener Gentrifizierungsprojekt darstellt, weil es ein Symbol des Widerstands und der Utopie ist. Der Angriff auf Exarchia betrifft uns alle:

 

„Bereitet euch darauf vor, Genoss*innen. Die kommenden Stunden werden entscheidend sein. Wir werden eure Unterstützung, euer Engagement, euren Einsatz, euren Protest brauchen, wo immer ihr auch seid. Die Herausforderung besteht nicht nur in der Verteidigung eines einzigartigen Viertels in Europa mit seiner Ansammlung von selbstverwalteten Orten, seiner Bereitschaft zum Widerstand gegen alle Mächte, in der Schönheit seiner Solidarität mit den Prekären und Migrant*innen. Nein, die Sache, um die es geht, ist größer als das. Die Verteidigung von Exarchia ist unsere Möglichkeit zu zeigen, dass andere Wege aus der allgegenwärtigen Sackgasse heraus, in der sich diese Welt befindet, möglich sind.“ Yannis Youlountas

 

In diesem Sinne rufen wir euch dazu auf, gemeinsam mit uns am Sa, den 7.09.2019, um 12 Uhr vor das griechische Konsulat zu kommen und unsere Solidarität mit den Menschen in Exarchia kundzutun, die diesen Kampf nicht nur für sich, sondern für uns alle kämpfen. In Zeiten zunehmender Faschisierung und autoritärer Formierung der Gesellschaft, gilt es sich gemeinsam und entschlossen gegen die Angriffe reaktionärer Kräfte auf die emanzipatorischen Projekte zu stellen. Heute und hier müssen wir die Samen des Widerstands säen!

 

Kein Vergeben, kein Vergessen! NO PASARAN!

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