Rechter geht’s nicht: Maik Eminger marschiert bei Legida

Regionen: 
Maik Eminger (im Vordergrund) beim Legida-Aufmarsch am 21. Januar 2015. Foto: Otto Belina.

Der brandenburgische Neonazi Maik Eminger hat sich am vergangenen Mittwoch am zweiten Legida-Aufmarsch in der Leipziger Innenstadt beteiligt. Fotoaufnahmen zeigen den 35-Jährigen als Teilnehmer des so genannten „Abendspazierganges“ am 21. Januar.

Mehrere Legida-Ordner, die sich im unmittelbaren Umfeld befanden, haben die Teilnahme Emingers – derzeit einer der bekanntesten Neonazis Deutschlands – nicht beanstandet. Der in Johanngeorgenstadt aufgewachsene Eminger gilt als Schlüsselfigur der militanten Szene.

Klares Statement

Weithin bekannt geworden ist er durch seinen Zwillingsbruder André Eminger, der am Oberlandesgericht München wegen Beihilfe zum versuchten Mord und zum Raub sowie Unterstützung einer terroristischen Vereinigung angeklagt ist. Unter anderem soll er geholfen haben, zugunsten von Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt Dokumente und Wohnungen beschafft sowie Wohnmobile angemietet zu haben, die für Straftaten des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) benutzt wurden.

Kurz vor seiner Verhaftung im November 2011 hatte André Eminger Unterschlupf auf dem Grundstück seines Bruder Maik in der brandenburgischen Gemeinde Kloster Lehnin gefunden. Dort wurde eine höhere Bargeldsumme sichergestellt, die sich bis heute nicht zuordnen ließ. Vor gut einem halben Jahr sollte Maik Eminger als Zeuge in München aussagen, verweigerte dort aber die Aussage. Zu erfahren war von ihm nur, dass er „selbständiger Tätowierer“ sei. Vor dem Gerichtgebäude provozierte der Zeuge mit einem „Brüder schweigen“-Shirt – eine Anspielung auf das „Treuelied“ der SS und die US-amerikanische Rechtsterror-Gruppe „The Order“, die sich so betitelt hat. VertreterInnen der Nebenklage werteten dies als eindeutige „politische Stellungnahme“.

Eminger-Kampagne rund um die Pegida-Bewegung

Offenbar interessieren sich beide Eminger-Zwillinge für die Pegida-Bewegung: Vor kurzem erst war der angeklagte André Eminger beim Münchner Pegida-Ableger „Bagida“ mitgelaufen. Er trug eine Mütze, die sich in Leipzig nunmehr Maik Eminger aufsetzte. Er erschien hier in Begleitung weiterer Neonazis, die ein Transparent der durch ihn selbst initiierten rassistischen Kampagne „Ein Licht für Deutschland gegen Überfremdung“ hochhielten. Es war ein Besuch mit Vorgeschichte: Beide Eminger-Brüder unterhielten über Jahre hinweg Kontakte zu Neonazis im Raum Leipzig.

Die Kampagne „Ein Licht für Deutschland“ war am Montagabend zudem in Brandenburg/Havel präsent, als ein örtlicher Pegida-Ableger erstmals aufmarschierte. Dort stimmten Teilnehmende den Sprechchor „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ an. Die Eminger’sche Kampagne dokumentiert eine ganze Reihe gemeinsamer Besuche bei Pegida und Konsorten. Dort könne man sich, wie es heißt, „gegen die Asylpolitik des herrschenden Systems erheben.“ Offenbar ist die Kampagne Teil des Versuchs, die Pegida-Bewegung für die Neonaziszene zu reklamieren. Anzeichen für eine Zurückweisung gibt es nicht.

Legida ist eine Veranstaltung der extremen Rechten

Am vergangenen Legida-Aufmarsch hatten sich laut Polizei 15.000, nach Zählung von WissenschaftlerInnen maximal 5.000 Personen beteiligt. Eine detaillierte Auswertung von Foto- und Videomaterial bestätigt die Zahl der ForscherInnen – und zeigt, dass beinahe die Hälfte der Teilnehmenden der extremen Rechten zugerechnet werden können. Auch AfD-Mitglieder waren mit von der Partie, gesehen wurde beispielsweise der Leipziger Rechtsausleger Roland Ulbrich („Patriotische Plattform“).

An diesem Freitag will Legida bereits zum dritten Mal marschieren. Es ist der 30. Januar – Jahrestag der nationalsozialistischen „Machtergreifung“.


Transparente Korrektur: Die ursprüngliche Fassung dieses Artikels, die für kurze Zeit online abrufbar war, legte nahe, bei der abgebildeten Person handle es sich um André Eminger. Das kann derzeit nicht bewiesen werden, die Brüder sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Der Text wurde in Rücksprache mit der AutorIn überarbeitet.


 

Lizenz des Artikels und aller eingebetteten Medien: 
Creative Commons by-nc-sa: Weitergabe unter gleichen Bedingungen - nicht kommerziell