Im Normannen-Haus brennt noch Licht ...

Themen: 
Regionen: 
Der MVV-Manager Markus Prien (l.) hat offensichtlich kein Problem mit dem Hitlergruß des Kölner Burschen Lars Schinowski (r.)

Nachdem die Aktivitas der völkisch-nationalistischen Burschenschaft Normannia zu Heidelberg Anfang September 2020 angeblich aufgelöst wurde, sind im Haus der Studentenverbindung weiterhin Aktivitäten wahrzunehmen. Nach dem antisemitischen Angriff in der Nacht vom 28. auf 29. August, hatten die "Alten Herren" am 8. September behauptet, "umgehend reagiert" und die Auflösung der Aktivitas beschlossen zu haben.

Die "Alten Herren" der rechten Verbindung versuchen, ihren Verein sowie dessen "honorige Mitglieder" aus der Schusslinie zu bringen. Verständlich, geht es bei ihnen doch um Vertreter von Politik, Ärzteschaft, Wirtschaft und Polizei.

 

Keine Ahnung?
Gunnar Heydrich, "Alter Herr" der Normannia lügt sich die Umtriebe seiner Burschenschaft im Interview mit dem Mannheimer Morgen (23.09.2020) zurecht. Heydrich behauptet, das Stiftungsfest hätte nicht stattgefunden. Wegen der Corona-Pandemie sei dieses abgesagt worden. Der antisemitische Angriff hätte sich demnach also nicht bei einer Veranstaltung der Normannia, lediglich in deren Haus zugetragen. Eine Schutzbehauptung! Heidelberger Verbindungsstudenten berichten jedoch, dass sehr wohl eine so genannte Kneipe anlässlich des Stiftungsfestes stattgefunden hätte. Eine solche "Kneipe" setzt sich aus einem offiziellen und einem inoffiziellen Teil zusammen. Der erste Teil läuft nach klaren Regeln ab, beim zweiten geht es dann lockerer und immer "feucht-fröhlich" zu. Gunnar Heydrich war laut Recherchen der Autonomen Antifa Freiburg selbst am fraglichen Abend im Normannen-Haus zugegen. "Er will von alledem nichts mitbekommen haben, weil er in einem anderen Teil des Hauses weilte, so Normannia-Sprecher Egon Manz in einem Telefonat mit Kontext." (Kontext: Wochenzeitung, 23.09.2020)

Eine weitere Lüge Heydrichs im Interview: "Parteipolitik hat bei uns nichts verloren. Wir dulden keine parteipolitischen Veranstaltungen in unserem Anwesen. (...) Um andere Mitglieder zu schützen, verhalten wir uns parteipolitisch vollkommen neutral. Das war schon immer so. Es gab in jüngerer Vergangenheit solche Anfragen - auch der AfD - aber die haben wir abgeblockt." Die Normannia bot immer wieder Parteipolitkern ein Forum. Zu einem Seminar zum Thema "Deutschland in der Globalisierungsfalle" am 10. Juli 2004 war auch der NPD-Politker  Karl Richter eigeladen. Geplant waren auch Auftritte des damaligen wirtschaftspolitischen Sprechers der CDU-Landtagsfraktion, Dr. Reinhard Löffler, am 20. Mai 2015 sowie des ehemaligen baden-württembergischen Justizministers Ulrich Goll (FDP) am 8. Juli desselben Jahres. Beide Vorträge wurden aufgrund von antifaschistischen Veröffentlichungen abgesagt. Der AfD-Aktivist Malte Kaufmann referierte am 6. Juni 2018 im Haus der Normannia zum Thema "Wirtschafts- und Europapolitik aus christlichem Blickwinkel".

Gunnar Heydrich behauptet gegenüber dem Mannheimer Morgen auch, "dass Personen, die der identitären Bewegung angehören, zeitweilig bei" der Normannia zu Gast waren. Diese hätten im Haus aber keine Stammtische durchgeführt. Eine weitere Lüge! Können doch die Normannen Patrick Bass, Luis Stadlthanner und Kilian Steinmann eindeutig der "Identitären Bewegung" zugerechnet werden. Zumindest Bass und Stadlthanner wohnten sogar im Normannen-Haus. Aus Kreisen der "Jungen Alternative" sowie der verbindungsstudentischen Szene Heidelbergs werden die IB-Stammtische im haus am Kurzen Buckel 7 eindeutig bestätigt. (Quelle: Mannheimer Morgen, 23.09.2020)

 

Weiterer "Identitärer" im Umfeld der Normannia
Mit Michael Wenglorz hat der "Alte Herr" Markus Prien einen weiteren Aktivisten der "Identitären Bewegung" (IB) zur Normannia gebracht. Aus Burschenschaftskreisen heißt es dazu: "Der hat immer solche Aluhüte im Schlepptau." Wenglorz wollte ganz offensichtlich der Normannia beitreten. Das durfte er jedoch nicht - vielleicht weil er nie aktiver Student dieser Burschenschaft in Heidelberg war. Dafür wurde er "Alter Herr" der "Dresdener Burschenschaft Salamandria", der auch die Normannen Egon Manz und Werner Engelmann angehören.

Michael Wenglorz ist Trainer für Explosionsschutz, Eigensicherheit und funktionale Sicherheit bei der Firma Pepperl+Fuchs in Mannheim. Wenglorz nimmt im Juni 2016 an einer Demo der "Identitären Bewegung" in Wien teil und schwenkt dort die IB-Fahne. Er tritt als Redner für die IB unter anderem bei einer Aktion von "Pegida Nürnberg" in Fürth (September 2016) auf, wo er den Rechtsruck "als die Rückkehr zum gesunden Menschenverstand" bezeichnet. Bei einem "Tag der Patrioten" am 17. Juni 2018 betreut Wenglorz in Mödlareuth (Bayern/Thüringen) an der ehemaligen Zonengrenze einen Infostand. Auf der Kundgebung ist auch die rassistische Gruppe "Kandel ist überall" zugegen. Der AfD-Faschist Björn Höcke hält vor den "Patrioten" eine Rede. Am 9. Mai 2020 reiht sich Wenglorz in Heidelberg ein in die "Querfront" auf dem Universitätsplatz. Dort treffen sich Verschwörungstheoretiker*innen, Mitglieder der "Identitären Bewegung", "Reichsbürger", AfDler*innen, Esoteriker*innen sowie Impfgegner*innen und Nazis, um ihre kruden Thesen zur Corona-Pandemie zu verbreiten.

 

"Kümmerer" am Kurzen Buckel
Die "Alten Herren" Götz Goebel, Klaus-Dieter Motzke, Egon Manz und Markus Prien besuchen recht häufig das Haus ihre Burschenschaft. Vor allem die ersten drei zeigen sich sehr engagiert in Bezug auf die Aktivitas, vermutlich auch, um ihren Einfluss auf die jungen Burschen geltend zu machen und diese in die "richtige Richtung" zu lenken. Auch Bundesbruder Friedrich-Wilhelm Uthe aus Leimen lässt sich hin und wieder blicken, auch wenn er von den anderen "Alten Herren" und den Aktiven eher belächelt wird. Uthe betreibt eine "Internet-Zeitung" für Leimen, Nußloch und Sandhausen, den "Leimenblog", und versucht sich als "rasender Reporter".

Egon Manz ist laut seinen Aussagen gegenüber "Kontext: Wochenzeitung" auch bei vielen Aufnahmegesprächen mit potenziellen Aktiven anwesend. Die Normannia suche Kandidaten mit "positiven Patriotismus" statt einem "schlechten Chauvinismus". (Kontext: Wochenzeitung, 23.09.2020) Ob zu diesem "positiven Patriotismus" auch der "Hitlergruß", die verbotene Grußformel "Heil Hitler" und der fest verwurzelte Antisemitismus gehören, erläutert der "Alte Herr" mit dem Trinknamen "Wotan" nicht.
Jedenfalls scheint der Hitlergruß die "Alten Herren" nicht weiter zu stören. Markus Prien (MVV Regioplan GmbH) jedenfalls lässt sich neben einem Burschen ablichten, der den "Hitlergruß" zeigt. Der farbentragende Faschist Lars Schinowski ist Mitglied der Kölner Burschenschaft Germania. Ob er bei seinem Besuch im Normannen-Haus auch die "Hitlergruß-Gebühr" von 50 Euro zahlen musste, ist nicht überliefert.

 

Gute Beziehungen nach Köln
Zur Kölner Burschenschaft Germania bestehen ganz offensichlich gut Beziehungen. So nehmen Normannen am 18. Januar 2020 an einem "Reichsgründungskommers" in Köln teil. Hierbei wird die Gründung des "Deutschen Reiches" sowie die Proklamation des Kaisers gefeiert. Die Festrede hält Klaus Kunze, Mitglied der Germania Köln und Autor der "Neuen Rechten".
Am 20. April 2020 sind Germanen aus Köln im Haus der Normannia zu Gast. Dort wird eine gemeinsame Feier abgehalten. Zur Erinnerung: Am 20. April 1889 wurde Adolf Hitler geboren. In den vergangenen Jahren wurde bei der Normannia an diesem Datum regelmäßig gefeiert.
Auch am Abend des 28. August 2020 sind Verbindungsstudenten der Kölner Burschenschaft Germania zum Stiftungsfest der Normannia angereist. Einige waren mutmaßlich an dem antisemitischen Angriff beteiligt. Zumindest führten die Ermittlungen in der Sache auch nach Köln.

Laut einer Veröffentlichung der  Antifa Recherche Köln vom 10. Mai 2020 bestehen enge Verbindungen der Kölner Germanen zur "Identitären Bewegung". So finden im Haus der Germania, ebenso wie bei den Heidelberger Normannen, Stammtische der regionalen IB-Gruppe statt. An diesen Stammtischen nehmen auch Mitglieder lokaler AfD-Strukturen teil. "Auch zur Vorbereitung und Organisation ihrer Aktionen durfte die IB auf das Haus zurückgreifen. Hier wurden etliche Transparente und Banner gemalt, die später bei Aktionen hochgehalten oder angebracht wurden. Zudem nahmen nun auch Mitglieder der IB an den internen Feierlichkeiten der Burschen in der Germania teil." (Quelle: https://de.indymedia.org/node/81955)

 

Lauter Zufälle, lauter Einzelfälle ...
Dass diese Parallelen reiner Zufall sind, ist nicht glaubwürdig. Vielmehr steckt dahinter eine Struktur, welche die Verknüpfung elitärer, reaktionärer bis faschistischer Studentenverbindungen mit Protagonisten von CDU/CSU, mit Parteien vom rechten Rand wie AfD oder NPD, mit "Identitären" sowie weiteren rechten Zirkeln vorantreiben und gewährleisten soll.

 

Erster Artikel: https://de.indymedia.org/node/104826

 

Bildbeschreibungen

1. Der MVV-Manager Markus Prien (l.) hat offensichtlich kein Problem mit dem Hitlergruß des Kölner Burschen Lars Schinowski (r.)

2. Michael Wenglorz (mit Fahne) bei einer IB-Demonstration 2016 in Wien

3. Der Normanne Werner Engelmann war im März 2017 bei einem Treffen von Burschenschaftern, AfD-Mitgliedern und IB-Anhängern in Magdeburg, um dort eine "Burschenschaft Germania" zu gründen

4. Michael Wenglorz als Redner der IB bei einer Pegida-Aktion in Fürth im September 2016

5. Keine Berührungsprobleme von AfD und "Identitären": Wenglorz an einem AfD-Infostand am 10. Nobember 2018 in Mannheim, rechts das Mannheimer AfD-Vorstandsmitglied Heinrich Peter Liebenow

6. Die Heidelberger Normannia zu Gast beim "Reichsgründungskommers" am 18. Januar 2020 in Köln (Facebook-Screenshot)

7. Am 20. April 2020 waren Kölner Germanen zum Feiern im Normannenhaus (Facebook-Screenshot)

Bilder: 
webadresse: 
Lizenz des Artikels und aller eingebetteten Medien: 
Creative Commons by-sa: Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Ergänzungen

Das Foto mit Prien und dem Hitlergruß-Burschen wurde vermutlich beim Stiftungsfest der Normannia im September 2017 aufgenommen.