Athen: Angriff auf Eurobank in Ambelokipi (17. November 2019)

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eurobank 17.11.2019

 

Das Mosaik der anarchistischen Präsenz auf der Straße an diesem Tag vervollständigend und der Logik folgend, dort anzugreifen, wo sie uns nicht erwarten und nicht ihre Kräfte sammeln, schlugen wir die Fenster und den Geldautomaten der Eurobank in der Mihalakopoulou-Straße in Ambelokipi, am frühen Abend des 17. November ein. Wir wollten sie daher daran erinnern, dass sie nicht überall Augen und Ohren haben können, und dass, wenn wir den Ort und die Zeit des Konflikts definieren, sich herausstellt, dass ihr metropolitanes Netz, ihre repressive Struktur und ihr politischer Ruhm und Status fragil und verletzlich sind.

 

 

 

Die Partei Nea Dimokratia hat im Zuge der sozialdemokratischen Strategie von SYRIZA darauf gesetzt, einen inneren Feind aufzuzeigen, damit sie nahtlos mit unbemerkten und reaktionslosen Anpassungen im Management des inländischen Kapitals fortfahren kann. So steht das Thema Exarchia, "die Bekämpfung der Gesetzlosigkeit in Nachbarschaften und Universitäten", die Auferlegung der Doktrin "Recht und Ordnung", ganz oben auf der rechten Agenda, indem sie in die kannibalistischsten und konservativsten Charakteristiken der lokalen Bevölkerung investiert und eine Verschleierungsstrategie für die ständig zunehmende Entwertung der Arbeitskraft entwickelt. Eine Strategie, die darauf abzielt, die Toten an den Grenzen, auf dem Meer, an Arbeitsplätzen, auf den Straßen der Metropolen, in Haftanstalten und Gefängnissen unsichtbar zu machen. Eine Strategie, die die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Konflikte der Antiautoritären mit den Bullen und die Angriffe auf die Symbole, Strukturen und Machthaber lenken soll, indem sie sie als die dominante, strukturierte Form der Gewalt und damit als die prominenteste Bedrohung bezeichnet, die über den Köpfen der Mainstream-Bürger liegt.

 

 

 

Die von der dominanten autoritären Erzählung verwendeten Formulierungen sind kein Zufall, sie stellt Besetzungen (als Räuberhöhlen), Soziale Zentren in Universitäten (als Verstecke), Menschen, die auf der Straße mit Polizisten kämpfen (als Vandalen), Menschen, die vor der Gewalt des Kapitalismus flüchteten, um hier ein besseres Schicksal zu finden (als illegale Einwanderer*innen), bewaffnete Guerillas und radikale Enteigner*innen (als Terroristen, Räuber und Mörder) dar. Und verbindet all diese Ausdrücke mit der Abstraktion "Exarchia". Wir werden nicht auf die Geschichte Exarchias eingehen, auf die Kämpfe, die Beziehungen, die Wurzeln, die sich dort entwickelt haben. All dies wurde seit langem viel vorsichtiger und genauer analysiert. Wir wollen nur sagen, dass in der Abstraktion "Exarchia", die vorgesehene Gestalt des Feindes im Inneren, das Subjekt, welches zerschlagen, zerstört, inhaftiert, verbannt, von der Normalität der bürgerlichen Demokratie ausgeschlossen werden muss, eine spezifische Form und Substanz annimmt. Das Subjekt, das fest und unmissverständlich anerkennen muss, wer die souveräne Macht hat, wer die Grundlage für die Beziehungen zwischen den Menschen, aber auch mit ihrer Umwelt, ihren Ressourcen, den von ihnen produzierten Gütern, Zeiten und Räumen definiert.

 

 

 

Exarchia ist schließlich der urbane Raum und anthropologisch definierter Punkt, der zeigt, was der moderne Kapitalismus befürchtet, was die modernen westlichen Staaten befürchten. Orte der Selbstorganisation, die Enteignung von Ressourcen, Raum und Zeit, anarchistische Propaganda und die Verbreitung antiautoritärer Theorien auf sozialer Basis, direkte Aktionen und guerillaartige Angriffe im urbanen Gebiet, die Erkenntnis, dass wir zwei Parallelwelten auf Kollisionskurs sind, die Erkenntnis, dass der Kapitalismus nicht das Ende der Geschichte ist: Davor haben sie Angst. Und das ist es, was sie erwürgen wollen. Exarchia ist die sichtbare und verkörperte Symbolik dessen, was sie ersticken wollen. Das ist der Grund für all die manische Repression gegen die Strukturen, die Mittel und die Subjekte des antiautoritären Kampfes.

 

Wir sahen, wie dieser repressive Wutanfall auf den Körpern der Verhafteten vom 17. November 2019 und derjenigen, die sich am nächsten Tag solidarisch an den Gerichten versammelten, explodierte und sich zusammen mit dem Blut der Menschen, die vom uniformierten Müll gequält wurden, auf den Bürgersteigen und Straßen Exarchias ergoss und auf den Fernsehsendern in einer Atmosphäre des "Sieges für die Demokratie" und "Säuberungsaktion gegen die Anarchisten" verweilte. Gegen diesen staatlich gebilligten Wutanfall, sind wir der Meinung, dass unsere Antworten umsichtig sein und immer mehr Faktoren berücksichtigen müssen, um in unserem Handeln so gefährlich und effektiv wie möglich zu sein. Das Mosaik der anarchistischen Präsenz auf der Straße an diesem Tag vervollständigend und der Logik folgend, dort anzugreifen, wo sie uns nicht erwarten und nicht ihre Kräfte sammeln, schlugen wir die Fenster und den Geldautomaten der Eurobank in der Mihalakopoulou-Straße in Ambelokipi, am frühen Abend des 17. November ein. Wir wollten sie daher daran erinnern, dass sie nicht überall Augen und Ohren haben können, und dass, wenn wir den Ort und die Zeit des Konflikts definieren, sich herausstellt, dass ihr metropolitanes Netz, ihre repressive Struktur und ihr politischer Ruhm und Status fragil und verletzlich sind.

 

 

 

Die vorliegende Aktion war ein Zeichen der Solidarität und der Kompliz*innennschaft mit den Rebell*innen Chiles. Es war auch ein Ruf der Solidarität und Kraft für unsere flüchtigen, verfolgten und inhaftierten Genoss*innen.

 

 

 

P.S. Dimitris Armakolas, immer anwesend im revolutionären Gedächtnis.

 

 

 

Freund*innen asymmetrischer Gewalt

 

 

 

 

 

(Quelle: https://athens.indymedia.org/post/1601470/ )

 

 

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