06.10.2022 - Wir vergessen Kupa Ilunga Medard Mutombo nicht – Gegen tödliche Polizei- und Staatsgewalt

Es wird dieses Jahr zum Todestag von Kupa Ilunga Medard Mutombo keine Kundgebung geben, wir möchten aber alle einladen, am Mahnmal für die Opfer von Rassismus und Polizei am Oranienplatz eine Blume abzulegen. Auch laden wir alle dazu ein, über Kupa Ilunga Medard Mutombo und seine Todesumstände zu sprechen sowie im Alltag und bei Aktionen gegen Polizeigewalt vorzugehen und diese nicht einfach hinzunehmen. Es mag nur einige treffen, aber es geht uns alle etwas an.

Es wird dieses Jahr zum Todestag von Kupa Ilunga Medard Mutombo keine Kundgebung geben, wir möchten aber alle einladen, am Mahnmal für die Opfer von Rassismus und Polizei am Oranienplatz eine Blume abzulegen. Auch laden wir alle dazu ein, über Kupa Ilunga Medard Mutombo und seine Todesumstände zu sprechen sowie im Alltag und bei Aktionen gegen Polizeigewalt vorzugehen und diese nicht einfach hinzunehmen. Es mag nur einige treffen, aber es geht uns alle etwas an.

Vor über vier Jahren, am 14. September 2022, befand sich Kupa Ilunga Medard Mutombo in einem betreuten Wohnheim in Spandau für seelisch und psychisch krank gemachte Menschen. Er sollte in ein Krankenhaus verlegt werden. Zur Überführung waren auch mindestens 14 Polizisten eingesetzt. Als Medard seine Tür öffnete und die Beamten sah, geriet er in Panik. Doch statt der Situation mit Verständnis und Ruhe zu begegnen, drangen diese in sein Zimmer ein. Sie wendeten brutale Gewalt gegen den 64-Jährigen an, drückten ihm unter anderem ein Knie im Nacken. Sie verletzten ihn so schwer, dass er ins Koma fiel und drei Wochen später am 6. Oktober 2022 im Krankenhaus starb.

Sein Bruder Mutombo Mansamba machte den tödlichen Polizeieinsatz mit Hilfe der Beratungsstelle ReachOut öffentlich. Es folgten Kundgebungen, Öffentlichkeitsarbeit, sowie der Versuch einer Aufklärung vor Gericht. Doch bis heute gibt es keine Konsequenzen für die Verantwortlichen.

Die Justiz war und ist nicht gewillt, gegen die Gewalt von Polizei, Knästen oder anderen Institutionen vorzugehen. Das Blockieren jeglicher Aufklärung, die schon grotesken Erklärungen, das beliebte Narrativ des „Suizids“, die Täter-Opfer-Umkehrungen und die dauernde Schilderung jeglicher Gewalt als Notwehr oder unvermeidbar sind sich immer wiederholende reflexartige Muster des deutschen Staates und seiner Vertreter:innen.

Jedes Jahr sterben Menschen bei Polizeieinsätzen, in Knästen oder in Gewahrsamssituationen. Von den meisten werden nicht einmal die Namen bekannt, weil sie keine Angehörige, Freund:innen und/oder anderen Unterstützer:innen haben, die die Todesumstände veröffentlichen oder gar die Ressourcen haben, dagegen vorzugehen. Nicht einmal kleine „Reformen“ wie ein funktionierender Brandschutz in Knästen oder eine Entkriminalisierung von Armutsdelikten wie dem Fahren ohne Fahrschein werden umgesetzt; an eine Entwaffnung der Polizei oder eine Entkriminalisierung von Migration ist gar nicht zu denken. Denn staatliche Gewalt in all ihren Formen ist kein Fehler, sondern Teil des Systems, in dem wir leben. Um diese Gewalt und weitere Tote „in Obhut des Staates“ zu verhindern, braucht es radikale Antworten.

Wir haben Kupa Ilunga Medard Mutombo und die Umstände seines Todes nicht vergessen.
Wir vergessen Lorenz A. nicht, welcher am 25.04.2025 auf der Straße von der Polizei erschossen wurde.
Wir vergessen nicht Marcel B., der am 27.04.2022 an der Verletzungen eines Polizeieinsatzes zur Verdrängung von Obdachlosen starb.
Wir vergessen nicht Ferhat Mayouf, der am 23.07.2020 in seiner Zelle an einem Brand erstickte, während die Schließer:innen die Tür nicht öffneten.
Wir vergessen nicht Maria B., die am 24.1.2020 von der Polizei in Ihrer Wohnung erschossen wurde.
Wir vergessen nicht Hussam Fadl, der am 27.10.2016 von der Polizei von hinten erschossen wurde.

Lasst uns im Namen aller Menschen kämpfen, die heute nicht mehr bei uns sein können. Machen wir den Verantwortlichen klar, dass wir nicht vergessen oder vergeben haben, und dass wir diese Gewalt nicht einfach so hinnehmen können, wollen und werden.

Für eine bessere und sicherere Zukunft für alle. 

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