Antisemitismus und Querfront – Das Zaytoun Kollektiv und ihre falschen Freunde
Seit Sommer 2025 versucht sich das Zaytoun Kollektiv als „feministische“ und „palästinasolidarische“ Gruppe in Dortmund zu etablieren. Das Kollektiv hat nach seiner Gründung versucht politischen Anschluss in offenen Strukturen in Dortmund zu finden. Dort waren sie aber zunächst nicht willkommen, unter anderem auf Grund der Tatsache, dass das Zaytoun Kollektiv mit einer Person bei einem offenen Treffen aufgetaucht ist, die einige Wochen zuvor noch auf Nazidemos mitgelaufen ist.
Seit den Geschehnissen auf der feministischen Vorabenddemo am 07.03.2026 in Dortmund sind die Berührungsängste bei Teilen der Dortmunder Linken allerdings verschwunden, wie man beispielsweise bei der „Kein Dorstfeld den Faschisten“-Demo am 29. Mai 2026 oder durch die Solidaritätsbekundungen auf Instagram sehen kann.
Diese Recherche ist eine Reaktion auf die zunehmend feindliche Stimmung gegenüber antisemitismuskritischen Linken in Dortmund im Allgemeinen und dem antisemitischen Aktivismus der Gruppe Zaytoun Kollektiv im Speziellen. Im Folgenden werden exemplarisch Inhalte und Kooperationspartner*innen der Gruppe herausgestellt.
##################
Zur besseren Lesbarkeit inkl Bildnachweisen empfehlen wir euch, diesen Text auf https://gjado.wordpress.com zu lesen.
##################
Das Zaytoun Kollektiv
Die Gruppe ist, wie bereits erwähnt, seit Sommer 2025 öffentlich auf Social Media vertreten. Aktionistisch trat sie zum ersten Mal mit einer Spontankundgebungen zum Thema „Gaza Flotilla“ im September und im Oktober 2025 in Erscheinung.
In einem Videopost vom 16. September 2025, der einen Redebeitrag zeigt, äußert eine Rednerin des Zaytoun Kollektivs Shoa-Relativierung. Im Redebeitrag wird im Kontext der Situation in Gaza von „den Parallelen zu unserer eigenen Geschichte“ gesprochen. Es wird gesagt, „die Palästinenser leiden unter einem Genozid, einer systematischen Unterdrückung, die wir in unserer Geschichte auch erlebt haben“. Durch diesen Vergleich wird das Leiden der Menschen in Gaza auf eine Ebene mit der organisierten Vernichtung von Jüdinnen und Juden zur Zeit des Nationalsozialismus gestellt.
Im weiteren Verlauf der Rede fällt der Satz, dass der Ausruf „Nie wieder“ nichts Wert sei, wenn er nicht auch für Palästinenser*innen gelte. Über die Einreihung der Shoa in einen vermeintlich universalen Unrechtsbegriff wird hier der industrielle Massenmord an Jüd*innen relativiert und jüdisches Leiden delegitimiert. Ziel ist es den Betroffenen eines erstarkenden Antisemitismus die Stimme zu nehmen und den Fokus weg vom Antisemitismus auf ein „größeres Übel“ zu legen. Solche Argumentationsstrategien kennt man beispielweise auch aus der rechten „all live matters“ Bewegung die sich in Reaktion auf die „black lives matter“ Bewegung gegründet hat, auch mit dem Ziel die politischen Forderungen der Betroffenen zu delegitimieren.
Auf einer Demonstation im Oktober 2025 in Düsseldorf positioniert sich eine Rednerin des Zaytoun Kollektivs gegen die Versuche, die Parolen „Yallah Intifada“ und „From the river to the sea – palestine will be free“ zu verbieten. Als Argumentation wird versucht, den Begriff Intifada zu entkontextualisieren. Anstatt ihn als ein historisches und politisches Ereignis zu begreifen, in dessen Verlauf zahlreiche Anschläge gegen Jüd*innen verübt wurden, wird versucht ihn durch wörtliche Übersetzung zu verharmlosen. Bei vielen jüdischen Menschen schürt die Parole als Aufruf zum Kampf berechtigte Angst. Die Parole „from the river to the sea – palestine will be free“ fordert die Auslöschung des jüdischen Staats auf eben diesem Gebiet.
Welche Konsequenzen Parolen wie „Yallah Intifada“ oder „Globalize Intifada“ haben sehen wir an den dramatisch ansteigenden Zahlen von gewalttätigen Angriffen auf Jüdinnen und Juden wie in Washington, Sydney, Berlin oder London, aber auch an einem antisemitischen Klima, welches auch in Dortmund längst Einzug ins Straßenbild gefunden hat.
Besonders brisant ist jedoch nicht nur der Redebeitrag an diesem Tag. Das Zaytoun Kollektiv tritt bei der Demo in Düsseldorf als mitveranstaltende Gruppe, neben den Gruppen „Muqawama NRW“ und „Die Palästinensische Stimme“ (kurz palstimme) auf, welche auch bis heute Kooperationspartner des Zaytoun Kollektiv sind.
Auf beide Gruppen werden wir an späterer Stelle weiter eingehen und zeigen, welche Querfront den Personen von Zaytoun recht ist, solange man gemeinsam gegen Jüd*innen oder „Zionist*innen“ Politik machen kann.
Am 25. November des Jahres 2025 organisierte das Zaytoun Kollektiv eine eigene Demonstration zum Tag gegen Gewalt an FLINTA*. Hier fällt zum ersten mal der konkrete Schulterschluss zu Teilen der autoritären Linken aus Dortmund und Umgebung auf, sowie zur Dortmunder Ortsgruppe von der Partei „Die Linke“. Ebenfalls taucht im Zuge dieser Demonstration erstmals die antisemitische Aktivistin und Social-Media-Creatorin „Larissa Swoboda“ auf. Auch auf diese Kooperationspartnerin des Zaytoun Kollektivs werden wir im weiteren Verlauf genauer eingehen.
Die Nähe zur autoritären und offen antisemitischen Linken zeigt sich auch durch den Aufruf zur Teilnahme und gemeinsamen Anreise zur Demonstration am 7. Oktober 2025 in Münster.
Unter dem Motto „Palestine will be free“ riefen mehrere Gruppen dazu auf, das Massaker bewaffneter palästinensicher Gruppen als Zitat: „Operation verschiedener […] Widerstandsorganisationen“ zu feiern. Im Zuge der Redebeiträge wurde auf dieser Veranstaltung die Gewalt in Form von Mord und Vergewaltigung als Notwendigkeit im Befreiungskampf bezeichnet. Die Gruppe platform_minimum hat die Ereignisse an dem Tag genauer beobachte [1].
Zuletzt fiel das Kollektiv durch die Teilnahme am „Nakba-Camp“ im Mai 2026 in Hamburg auf. In einem Post mit Eindrücken vom Camp zeigten Sie unter anderem Fotos die Spruchbänder mit Zitaten wie „Zionism ends in my lifetime“ und „Intifada Generation“ zeigten. Ebenfalls verbreiteten Sie in ihren Stories vom Camp Bilder der „Artist Action“. Diese Gruppe machte im Oktober 2025 durch eine Ausstellung in Dortmund auf sich Aufmerksam, die aufgrund Antisemitischer Kunstwerke und Statemens vom Veranstaltungsort vorzeitig beendet wurde. Unter anderem wurden dort Bilder eines Künstlers und Aktivisten ausgestellt, dessen Instagram-Profil am 07. Oktober 2025 einen Hamas-Kämpfer auf einem Paragleiter zeigte der mit dem Schriftzug mit „Glory to the Resistance“ unterlegt war.
Doch für ein umfassendes Bild lohnt es sich einen Blick auf die Kooperationspartner*innen des Zaytoun Kollektivs zu werfen.
##################
Muqawama NRW
Vor allem Muqawama NRW wird beim Lesen bereits aufgefallen sein. Es handelt sich bei Muqawama NRW um ein Netzwerk, das es sich zur Aufgabe gemacht hat verschiedene Akteur*innen der Palästinasolidarität zu vernetzen und das Anliegen dadurch effektiver und vereinter in der öffentlichen Wahrnehmung zu plazieren. Seit den ersten Veranstaltungen von Muqawama NRW lassen sich Verbindungen zwischen dem Zaytoun Kollektiv und diesem Netzwerk beobachten. Bei der Demonstration am 25.10.2025 auf der eine Person von Zaytoun als Rednerin auftrat, stellte das Kollektiv ebenfalls Ordnerinnen.
Selbst stellen sich Muqawama als antikapitalistische Gruppe dar. Ganz offensichtlich ist ihr Antikapitalismus jedoch nur ein Feigenblatt für die bemühungen eine Querfront zwischen reaktionären, autoritären Linken und religiösen Fundamentalist*innen zu bilden. So fällt bei den widerkehrenden Demonstrationen von Muqawama NRW nicht nur ein Klientel auf, welches mit Flaggen der Sowietunion und Antifasymboliken auftritt. Es sind mehrfach auch Personen und Inhalte Teil der Veranstaltungen, die islamistische und salafistische Ideologien vertreten.
So wurde bei einer Muqawama NRW Demonstration am 22.11.2025 in Düsseldorf für eine Onlinepetition mit dem Titel „Nie wider Staatsräson! Für eine Revision der deutschen Nahostpolitik!“ geworben. Der Organisator der Petition ist Suhaib (Raimund) Hoffmann. Hoffmann war eine treibenden Kraft hinter „Realität Islam“. „Realität Islam“ war seit 2015 vor allem ein Onlineformat, welches mit professionell produziertem islamistischem Content aber auch Saalveranstaltungen auffiel. [2]
Gemeinsam mit der bereits 2013 gegründeten Initiative „Generation Islam“ und dem 2020 entstandenen „Muslim Interaktiv“ wird Realität Islam als Folgeprojekte der in Deutschland seit 2003 verbotenen islamistischen Hizb ut-Tahrir Bewegung zugeordnet. Diese in den 1950er Jahren gegründete Organisation setzt sich im Speziellen gegen den Staat Israel, im Allgemeinen für eine „Befreiung“ aller Muslime weltweit von der „Unterdrückung des westlichen Kapitalismus“ ein. Erreicht werden soll dies explizit durch die Errichtung eines Kalifatstaats nach Rechtsgrundsätzen der Scharia. [3]
Bei Betrachtung einiger Repräsentanten von Muqawama oder Personen die im Rahmen ihrer Veranstaltungen zu Wort kommen, finden sich schnell Inhalte mit antisemitischen Verschwörungstheorien wie eine vermeintliche „jüdische Kontrolle der Medien“ aber auch Social-Media-Content von salafistischen Predigern.
##################
Die Palästinensische Stimme
Ein weiterer Akteur mit dem das Zaytoun Kollektiv zusammenarbeitet ist die Gruppe „Die Palästinensiche Stimme“. Die Gruppe zeigt sich sehr umtriebig was öffentliche Veranstaltungen angeht auf denen Sie mit Redebeiträgen, Infoständen oder als Ordner*innen tätig sind. Auch sie stehen in besonderer Nähe zu Muqawama NRW und nutzen das Leid in Palästina um auch auf linken Veranstaltungen wie dem Rheinmetall Entwaffnen Camp ihre Inhalte zu platzieren. Besonders verstörend: Die offen Islamistischen Inhalte die „Die Stimme Palästinas“ verbreitet, werden in Teilen der linken Szene offenkundig nicht als problematisch empfunden. So finden sich neben Eindrücken vom Rheinmetall Entwaffnen Camp, Videointerviews mit „Abu Alim Hamza“ (bürg. Leonis Hamza), einem bekannten salafistischen Onlineprediger auf dem Instagram Account der Gruppe.
Auf selbigem teilt die Gruppe ein Video das sich Positiv auf die Gefängnisausbrüche von Is-Angehörigen im Rahmen der Angriffe auf Rojava durch die Syrischen Söldnergruppen anfang/mitte 2026.
Von palstimme geteiltes Video zur Feier des Ausbruchs IS-Angehöriger
Personen, die im Namen der Gruppe auftreten oder ihrem engeren Umfeld zuzuordnen sind, außern sich positiv über das Taliban Regime, verbreiten Kampfnasheeds zur Vernichtung Israels und betreiben NS-Relativierung.
######################
Der Fall „Larissa Swoboda“
Es mag die Frage aufkommen, warum wir bisher vor allem auf Redebeiträge, Socialmediacontent und Aktivitäten des Zaytoun Kollektiv eingegangen sind und nun eine Einzelperson thematisieren. Auch wenn wir der Meinung sind, dass Akteure wie das Zaytoun Kollektiv keinen Platz und Raum in linken Zusammenhängen haben dürfen, sehen wir aktuell viele vornehmlich junger Aktivist*innen die sich im Rahmen der seit dem 7. Oktober 2023 (wiedereinmal) zuspitzenden Krise politisiert haben. Wir möchten klarstellen, dass wir kein Interesse daran haben Einzelpersonen an den Pranger zu stellen oder einzuschüchtern und wollen die Hoffnung behalten, dass auch Teile des Zaytoun Kollektivs sich im Rahmen der genannten Kritik reflektieren und einen Weg einschlagen, der zu einer progressiven und emanzipatorischen Art des Aktivismus und der politischen Auseinandersetzung führt.
Um deutlich zu machen, dass es bei der Nähe zu rechten und reaktionären Akteur*innen innerhalb der „Pro Palästina Bewegung“ nicht nur um irgendwelche Gruppen geht von denen man sich im Zweifel halbherzig distanziert, wollen wir darauf Aufmerksam machen, dass Personen die bei Zaytoun aktiv sind offenischtlich auch freundschaftlich mit übelsten Antisemit*innen verbunden sind. Der Fall „Larissa Swoboda“ ist dabei einer der sich öffentlich nachvollziehen ließ. Unter diesem Namen trat bis vor kurzem eine Creatorin auf, die aktiv die Öffentlichkeit suchte. Deshalb, und auch weil die Inhalte die sie verbreitete jegliche Grenze des Tollerierbaren überschreiten, möchten wir auf die Verbindung zum Zaytoun Kollektiv hinweisen.
„Larissa Swoboda“ ist im Zusammenhang mit Zaytoun erstmals bei der Demo vom Zaytoun Kollektiv zum Tag gegen Gewalt an FLINTA* (am 25.11.2025) als Shared-Post-Partnerin aufgetaucht. Sie selbst ist scheinbar Vollzeitaktivistin, die zu Demonstrationen in ganz Deutschland fährt. Sie beteiligt sich regelmäßig an Aktionen des Zaytoun Kollektivs und ist mit einigen Aktivistinnen des Kollektivs so eng verbunden das sie gemeinsame Profilbilder oder Selfies posten. „Larissa Swoboda“ fällt beobachtenden der Szene recht schnell auf, weil sie auf Instagram zu diesem Zeitpunkt sehr aktiv ist, z.T. mit mehreren Accounts [4]. Bei genauerer Betrachtung ihrer Social Media Kanäle bekommt man schnell ein recht umfassendes Bild über ihre politische Gesinnung.
Im Folgenden werden einige ihrer Kommentare, Posts, beziehungsweise Reposts beispielhaft aufgeführt:
Sie vertritt öffentlichen in Instagram Kommentaren die Meinung, die Massen der Menschen im Iran ständen hinter dem Regime und gegen den Imperialismus des Westens. Außerdem würde es ohne die Finanzierung des Irans ja auch keinen „Widerstand“ in Palästina geben, womit sie ihre Unterstützung für das Iranische Regime rechtfertigt.
Wie sie es mit autokratischen Regimen hält macht sie auch mit einem geteilten Post über die „Einführung der Todesstrafe für Zionismus“ in Nordkorea deutlich. Die Autorin des geteilten Post macht dort mit erotischer Anspielung deutlich, dass Kim Jong Un schon immer ihr liebster Diktator gewesen sei.
Von Larissa Swoboda geteiltes Video der creatorin katnippresents mit der Glorifizierung Nordkoreas
Mit beiden Posts wird deutlich, dass es sich bei den vermeintlich linken Werte die sie vertritt lediglich um verkürzte Imperialismuskritik handelt, bei der das Leben und die Freiheit von Menschen sowie universelle Menschenrechte keine Rolle spielen und das Ziel lediglich die Verbreitung von Antisemitismus ist.
Sie teilt außerdem Nachrufe auf Hamas-Kommandeure und teilt Beiträge eines syrischen Creators, der sich klar als Islamist erkennen lässt und in einzelnen Beiträgen mit IS Patch an seiner taktischen Westen posiert.
Spätestens hier sollte deutlich werden, dass der Schulterschluss mit Islamisten bewusst gewählt ist. Unterstrichen wird dieser Eindruck ebenfalls durch Selfies mit der prominenten Salafistin Hanna Hansen die sie in den vergangenen Monaten postete. Diese bezeichnete „Larissa Swoboda“ darin bewundernd als „Löwin“.
Ebenfalls erschreckend ist ein weiterer Beitrag den sie auf ihrem Instargram teilt der zeigt welchen mörderischen Antisemitismus sie Vertritt. Das Bild zeigt eine Hand die einen blutenden Totenschädel hält und die Worte „We will knock on the gates of paradise with zionist skulls“. Eine beängstigende Rhethorik die zeigt welche Verrohung auch in Kreisen dortmunder Antisemit*innen grasiert.
##################
“Palästinasolidarität als Bingeglied zwischen autoritären Linken und Islamist*innen
Ein Erstarken von reaktionären Linken lässt sich mitlerweile seit über 10 Jahren beobachten. Von verschiedensten (roten) „Aufbau“ Gruppen, die sich Mitte der 2010er Jahre stark an migrantischer Jugendkultur orientiert haben, über den „Jugendwiderstand“ zu einer Vereinnahmung der OAT-Bewegung und zur „Roten Jugend“.
Mit dem Rechtsruck geht ein neuer linker Populismus und Autoritarismus einher und mit ihm ein Erstarken von fragwürdigen Männlichkeitsbildern, von einer positiven Bezugnahme auf jegliche Feinde des „Westens“, egal welcher politischen Ideologie und nicht zuletzt von Antisemitismus. Die Querfront zwischen reaktionären Linken und Islamisten ist jedoch kein neues Phänomen. Bereits 2010 gab es große antiisraelische Proteste nachdem die von Islamisten der „İHH İnsani Yardım Vakfı“ als Hilfsaktion inszinierte und von Linken mitgetragene „Ship-to-Gaza“ Aktion stattfand. Damals fuhren, unter Beteiligung von die Linke MdB’s, 6 als humanitäre Hilfslieferung getarnte Schiffe nach Gaza. Das Ganze unter Begleitung von öffentlichen Protesten, auch von linken Gruppen.
Damals wie heute lässt sich Antisemit*innen die selbe Strategie attestieren. Durch die Fetischisierung und Instrumentalisierung zivilen Leids wird sowohl von islamistischen als auch linken Akteur*innen versucht, junge Menschen zu emotionalisieren und dadurch zu politisieren und somit neue Anhänger*innen zu gewinnen. Das zeigt sich zum einen in der Tatsache, dass sich auf den sogenannten Nahost-Konflikt maximal konzentriert wird und mehr als Lippenbekenntnisse zu anderen humanitären Katastrophen nicht zu finden sind – no jews, no news.
Nicht zuletzt lässt sich die Instrumentalisierung durch das Desintresse an den Menschen in Gaza erkennen, sobald sich die bewaffneten Konflikte entspannen.
Wie wertvoll der Konflikt jedoch für die eigene Mobilisierung ist, wurde längst erkannt. Den Akteur*innen ist bewusst, welche Rolle Social Media in der Begleitung des Konflikts spielt und wie wichtig es in der Mobilisierung einer neuen Generation politisch interessierter Jugendliche ist.
Doch muss es unserer Meinung nach für alle Linken klare rote Linien geben.
Ein Kampf gegen die Vertreibungen, Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen der israelischen Armee oder die Rechtsradikalen in der israelischen Regierung muss mit einer Kritik an islamistischen und faschistischen Akteuren in Gaza, dem Iran, in Syrien oder im Jemen einhergehen. Es muss Teil eines konsequenten Antifaschismus und Feminismus sein, auch nach dem Sieg über Daesh im Irak und Syrien die Verbrechen von ISSP in Mali, Niger und Burkina Faso zu benennen. Wer sich im Sinne einer Solidarität mit Palästinenser*innen und als Feminist*innen mit Salafist*innen und Menschen zusammenschließt, welche die Verbrecher*innen des Islamischen Staat glorifizieren und sich offen den Mord an Jüdinnen und Juden herbeiwünschen, darf kein Teil irgendeiner linken Strömung sein. Diese Menschen betreiben eine Querfront mit Faschisten im Sinne eines gemeinsamen Antisemitismus. Sie stellen sich gemeinschaftlich in die Opferrolle, werten jede Antisemitismuskritik als „zionistisch“ oder rassistisch ab und wähnen sich in einer gemeinsamen Sache gegen Imperialismus.
Zionismus wird mit Faschismus gleichgesetzt und Antizionismus somit zum positiv gewendeten Schiffre für Antisemitismus. Die Folge dessen ist nicht zuletzt eine Verrohung im Konflikt mit anderen Linken. Angriffe auf unliebsame Linke Läden [5], Drohungen auf Socialmedia und gesprühte Aufrufe zu Gewalt oder Mord finden auch in Dortmund statt.
Doch ein ernstzunehmender Antiimperialismus darf nicht nur die Rolle westlicher Staaten kritisieren, sondern muss sich auch klar gegen die Politik von und die Zustände in Russland, China, der Türkei und dem Iran stellen.
Wer sich an die Seite des iranischen Regimes stellt ist keine Stimme der Jugend sondern ein Feind der Freiheit und der Selbsbestimmung.
Wer die Rolle Russlands beim Angriff auf die Ukraine, den Rassismus gegen ethnische Minderheiten und die Rekrutierung in Nordkorea oder auf dem afrikanischen Kontinent beschönigt, sollte zu Rassismus und Neokolonialismus schweigen.
Wer es legitimiert mit Salafist*innen gegen „Zionismus“ zu demonstieren macht mit Menschen gemeinsame Sache, deren politische Agenda zu Sklaverei, Folter und Hinrichtungen führt. Der „Antizionismus“ dieser Querfront ist nichts anderes als ein Feigenblatt für Judenhass. Im Hass auf Israel und jüdischen Menschen reichen Sie sich die Hand.
Wir hoffen, dass diese Rechcherche für Manche ein Weckruf ist. Wir wollen nicht nur den Antisemitismus des Zaytoun Kollektiv und dessen Umfeld aufzeigen und dokumentieren, wir wollen auch aufzeigen, dass die Solidarität roter Gruppen mit dem Zaytoun Kollektiv politisches Kalkül zur Diskreditierung unliebsamer Linker ist und Palästinasolidarität nur Mittel zum Zwecke der Rekrutierung für ein autoritäres Konzept.
Fußnoten
[1] https://www.instagram.com/plattform_minimum/p/DPj1Fh5DAvh/ [zurück]
[2] https://www.bag-relex.de/das-ende-von-generation-islam-und-realitaet-islam/ [zurück]
[3] https://www.bpb.de/themen/infodienst/329054/die-hizb-ut-tahrir-in-deutsc... [zurück]
[4] _larissa48_, larissa_swoboda und aktuell larissa.48_ (mittlerweile privat).
[5] https://nrdpl.org/2025/10/22/statement-zu-islamistischen-graffitti-am-no... [zurück]
Creative Commons by-sa: Weitergabe unter gleichen Bedingungen
