Milliarden ins Militär versenken, während das Zivilleben absäuft – Proteste gegen Bundeswehr-Werbeaktion in der Wolfsburger Karriere-Lounge

Wolfsburg. Angesichts der aktuellen Präsenz der Bundeswehr in der Wolfsburger Innenstadt regt sich Protest. Ein lokales antimilitaristisches Bündnis nimmt die jüngsten Rekrutierungsversuche in der „Karriere-Lounge“ zum Anlass, um auf eine fundamentale gesellschaftliche Schieflage aufmerksam zu machen: Während im zivilen Sektor und bei Volkswagen drastische Einschnitte drohen, fließen Milliarden in die Aufrüstung.

Milliarden ins Militär versenken, während das Zivilleben absäuft – Proteste gegen Bundeswehr-Werbeaktion in der Wolfsburger Karriere-Lounge

Wolfsburg. Angesichts der aktuellen Präsenz der Bundeswehr in der Wolfsburger Innenstadt regt sich Protest. Ein lokales antimilitaristisches Bündnis nimmt die jüngsten Rekrutierungsversuche in der „Karriere-Lounge“ zum Anlass, um auf eine fundamentale gesellschaftliche Schieflage aufmerksam zu machen: Während im zivilen Sektor und bei Volkswagen drastische Einschnitte drohen, fließen Milliarden in die Aufrüstung.

Krise bei VW: Arbeitsplätze sichern, statt für den Krieg zu werben

Der Protest bekommt in Wolfsburg eine ganz besondere Brisanz. Während die Beschäftigten bei Volkswagen um ihre Zukunft bangen und die Region vor massiven wirtschaftlichen Herausforderungen steht, wirbt das Militär in bester Lage um Nachwuchs. Für die Protestierenden ein unhaltbarer Zustand.

„Es ist ein Hohn, dass in Wolfsburg zivile Arbeitsplätze wegrationalisiert werden, während die Bundeswehr hier im Hochglanz-Format auf Jobsuche geht“, betont die Unterstützerin Annika Igla. „Was wir jetzt dringend brauchen, ist eine Rettung der Arbeitsplätze hier vor Ort – und zwar nicht durch den Bau von Rüstungsgütern oder SUVs, sondern durch eine sozial-ökologische Transformation. Das Geld muss in zivile Zukunftstechnologien, bezahlbare Mobilität und den Ausbau des ÖPNV fließen, anstatt den Niedergang der Region mit Kriegswerbung zu kaschieren.“

Keine Militarisierung in Wolfsburg

Besonders scharf kritisiert das Bündnis die Überlegungen, im Wolfsburger VW-Werk künftig militärische Güter zu produzieren. Dieser schleichende Prozess solle die Militarisierung im Alltag normalisieren – eine Entwicklung, die in Wolfsburg auch aufgrund der Historie auf heftigen Widerstand stößt.

„Das VW-Werk fungierte im Nationalsozialismus als Rüstungsschmiede, und die Porschestraße erinnert an den NS-Wehrwirtschaftsführer und Kriegsverbrecher Ferdinand Porsche. Hier heute Militärwerbung zu platzieren und VW wieder für den Krieg einzuspannen, ist absolut geschichtsvergessen“, erklärt Carl Sondermann. „Wolfsburg trägt eine historische Verantwortung. Wir fordern eine konsequent zivile Produktion im Werk und ein klares Nein zur Rüstungsproduktion.“

Friedlicher Protest und starker Rückhalt in der Bevölkerung

Besonders das Banner "Die Reichen wollen Krieg. Die Jugend eine Zukunft" fand bei den Passanten viel Zustimmung. In zahlreichen, intensiven Gesprächen mit der Wolfsburger Bevölkerung zeigte sich ein deutliches Stimmungsbild: Viele Bürgerinnen und Bürger teilten die Sorge vor einer schleichenden Militarisierung und sprachen sich vehement für den Erhalt ziviler Arbeitsplätze und gegen Rüstungspläne im VW-Werk aus.

Kritik auch aus der VW-Belegschaft an der Militarisierung der Gesellschaft

Auf der letzten VW-Betriebsversammlung in Braunschweig sprach der VW-Arbeiter und ehemaliges Mitglied des Betriebsrats Lars Hirsekorn ebenfalls zu dem Thema. "Liebe Kolleginnen und Kollegen, hier wird ganz offensichtlich ein umfangreicher Angriff auf unsere Lebensbedingungen geführt. (...) Es wird an uns liegen, diese Angriffe abzuwehren. Wir müssen uns in den Betrieben und in der ganzen Gesellschaft dagegen wehren."

Investitionen in Bildung, Pflege und Gesundheit statt Aufrüstung

Ein zentraler Kritikpunkt bleibt die immense Verschiebung bei den staatlichen Ausgaben. Im Zuge der aktuellen Politik wird das Militär mit Rekordsummen ausgestattet, während im zivilen Alltag an allen Ecken und Enden gespart wird. Der Fokus auf milliardenschwere Militärausrüstung steht für das Bündnis im krassen Gegensatz zu maroden Schulen, unterfinanzierten Kitas und dem akuten Pflegenotstand in den Krankenhäusern.

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Ergänzungen

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