Wien: Antifaschistische Kritik an der Anti-ESC-Querfront

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 Wir wollen mit diesem Text auf die Entwicklung hin zu einer Anti-ESC-Querfront hinweisen und die beteiligten linken Gruppen in dieser Hinsicht kritisieren.

Rund um den aktuell stattfindenden Eurovision Song Contest 2026 in Wien, vor allem rund um das ESC-Finale am 16.05.2026 gibt es eine Reihe an Gegenveranstaltungen- und Demonstrationen, die aufgrund der Teilnahme Israels bzw. des Nicht-Ausschlusses Israels am Song Contest gegen diesen mobil machen. Diese Proteste werden von den unterschiedlichsten Gruppen und Akteur*innen getragen. Wir wollen mit diesem Text auf die Entwicklung hin zu einer Anti-ESC-Querfront hinweisen und die beteiligten linken Gruppen in dieser Hinsicht kritisieren. Eine Querfront mit Akteur*innen der extremen Rechte, dem Verschwörungsideologischen Milieu oder Islamist*innen ist unter keinen Umständen, niemals zu rechtfertigen. Ebenso wenig ist es unserer Ansicht nach für emanzipatorische, linke Kräfte eine Option mit Akteur*innen zusammenzuarbeiten, die kein Problem mit einer Zusammenarbeit mit Personen der eben genannten politischen Spektren haben. Wir wollen im Folgenden an drei Beispielen aufzeigen, wie dies aber aktuell der Fall ist.

 

Davor wollen wir noch kurz auf das Konzept der „Querfront“ eingehen. Als Querfront bezeichnet man eine politische Strategie in der Differenzen zwischen linken und rechten Akteur*innen versucht werden auszublenden und gemeinsam, etwa auf Demonstrationen, aufzutreten. Ein bekanntes Beispiel ist der Versuch des österreichischen Neonazis Gottfried Küssel und weiteren alten Neonazi-Kadern, die während der COVID-Pandemie versuchte die „Corona Querfront“ zu etablieren. Dieses Projekt ist zum Glück gescheitert (mehr zur „Corona Querfront“: https://www.oera.eu/2022/08/corona-querfront-die-neonazistischen-netzwer...). Das Konzept der Querfront entspricht unserer Ansicht nach überhaupt nicht dem, wofür wir als radikale Linke kämpfen. Im Gegenteil: als radikale, antifaschistische Linke müssen wir immer klare Kante gegen Nazis und menschenverachtendes Gedankengut zeigen – dementsprechend müssen wir auch gegen Versuche, eine solche Querfront zu etablieren, konsequent ablehnend auftreten.

 

Für das kommende ESC-Wochenende rufen mehrere Akteur*innen, die einer radikalen, emanzipatorischen Linken zuzuordnen sind zu Protesten auf, an denen reaktionäre Akteur*innen beteiligt sind. Wir thematisieren mit diesem Text insbesondere die Großdemonstration „Keine Bühne für Völkermord“ am 16.05.2026. Eine ausführliche Liste an Unterstützer*innen der Demo findet sich auf deren Website.

 

Unter den aufrufenden Gruppen zur Großdemo findet sich etwa die „Palästina Solidarität Österreich (PSÖ)“ sowie die „Antiimperialistische Koordination (AIK)“. Mit Wilhelm Langthaler ist ein langjähriger Aktivist der PSÖ & AIK bereits als Redner der Startkundgebung angekündigt. Wiener Antifas ist der Name Langthaler aus einem anderen Kontext bekannt: Am 24.03.2026 war Langthaler Redner und Mitorganisator einer Demonstration am Wiener Stephansplatz, zu der auch die Neonazis der „Brigada Beč“ mobiliserten und die den Ausdruck der Kundgebung maßgeblich prägten. Der Presseservice Wien berichtete über das Event und schrieb in Bezug auf Langthaler: 

 

„Erwähnenswert ist, dass Wilhelm Langthaler und die Gruppe „Antiimperialistische Koordination“ bereits wiederholt mit Rechtsextremen paktierten: schon im Jahr 2007 demonstrierten sie gemeinsam mit einer Gruppe Neonazis in Solidarität mit dem islamistischen Regime im Iran. Auch während der Coronapandemie beteiligte er sich an verschwörungsideologisch-antisemitischen Corona-Protesten. Die gemeinsame Kundgebung mit serbischen Nationalist*innen und Rechtsextremen, deren Anhänger einen guten Teil der Kundgebungsteilnehmenden ausmachten, stellen in dieser Querfrontbildung einen neuen Höhepunkt dar.“ (https://presse-service.net/2026/03/24/wien-serbisch-nationalistische-kundgebung-24-03-2026/)

 

Zu den Neonazis der „Brigada Beč“ veröffentlichte die „Antifa Recherche Wien“ vor kurzem einen eigenen Text (https://recherchewien.nordost.mobi/2026/03/informationen-zur-gruppe-brigada-bec/).

 

Wilhelm Langthaler ist leider nicht der einzige Akteur, mit Verbindungen in die rechtsextreme Szene. Ebenfalls in die Proteste eingebunden ist die Wiener Neonazi-Anwältin Astrid Wagner, die via Instagram im Shared Post mit der PSÖ, der Hauptorganisatorin der Demo, für die Demonstration aufruft. Bei Astrid Wagner handelt es sich um eine Anwältin, die vor allem Mörder, Neonazis und Rechtsterroristen vor Gericht vertritt. Zu ihren Mandant*innen gehörte etwa Rudolf Prinesdomu, der 2022 einen Rohrbombenanschlag auf das Volksstimmefest plante. Ebenfalls von Wagner vertreten wurde jener Neonazi und Mörder, der als „Techno Heinz“ bekannt wurde und der im vergangenen Jahr Milad E. In Wien ermordete. Der Mord an Milad E. gilt als einziger gesichert neonazistischer Mord im Jahr 2025 in Österreich. Auch außerhalb ihrer Tätigkeit als Anwältin ist Astrid Wagner bestens mit Akteur*innen der extremen Rechten vernetzt, sie lässt sich etwa immer wieder in freundschaftlicher Pose mit Hannes Brejcha fotografieren, den sie ebenfalls vor Gericht vertritt. Brejcha ist ein wichtiger Akteur der rechtsextremen Szene, der sich während der Covid-Pandemie etablierte und wahlweise mit Martin Sellner und Gottfried Küssel zusammenarbeitet. Dass linke Gruppen aus Wien scheinbar keine Berührungsängste zur Nazi-Anwältin Wagner haben, ist beschämend.

 

Ebenfalls in das Protestgeschehen eingebunden ist die Künstlerin Nina „Maleika“ Lorenz. Nina Lorenz ist etwa für den „Song Protest Vienna“ als Künstlerin angekündigt, der am 15.05.2026 stattfindet. Auf ihrem Instagramprofil verbreitet Lorenz antisemitische Verschwörungserzählungen. Sie behauptet beispielsweise, hinter dem Hantavirus stecke eine jüdische Verschwörung, da das Wort „Hanta“ im Hebräischen „Betrug“ oder „Scam“ bedeute. Im Jahr 2024 gab sie dem Rechtsextremen Compact-Magazin ein Interview. Auf ihrem Instagramprofil sagt sie in einem Video: „Die Linkswoken empfinde ich als hochgradige Faschisten.“ Solche Rhetorik kennt man in Österreich sonst nur von der FPÖ & Neonazis.

 

Diese drei Beispiele verdeutlichen klar, dass hier Akteur*innen, die keinerlei Scheu zu reaktionären, rechten Positionen haben oder diese selbst offen vertreten, nicht nur die Demonstrationen und Gegenveranstaltungen besuchen, sondern diese maßgeblich mittragen. Für uns ist unerklärlich, wie Gruppen, die einer radikalen, emanzipatorischen Linken zuzuordnen sind, wie beispielsweise die Gruppen System Change not Climate Change, Feministisches* Bloco Descolonial oder das autonome Hausprojekt Pankahyttn zu diesen Protesten aufrufen können. Wir appellieren an alle Linken, die diesen Text lesen, sich in Selbstkritik zu üben und sich klar gegen eine Querfront zu stellen. Alles andere muss klar benannt werden als das was es ist: ein völliges Einreißen aller roter Linien unter dem Deckmantel der Palästinasolidarität.

 

Keine Zusammenarbeit mit Menschenfeinden, keine Zusammenarbeit mit Neonazis und denen, die mit solchen zusammenarbeiten. Keine Zusammenarbeit mit Antisemit*innen.

 

Für eine emanzipatorische, universelle Linke.

 

Einige Wiener Antifaschist*innen, Wien, 13.05.2026

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