1. Mai - Die Revolutionäre Vorabenddemo in Bochum: Machtkämpfe und Vereinnahmung
Ein paar Worte bezogen von uns auf den 1. Mai bzw. die "revolutionäre" Vorabenddemo in Bochum.
In Bochum gibt es seit 10 Jahren eine von Antifa-Gruppen organisierte sogenannte „Revolutionäre“ Vorabenddemo vor dem 1. Mai.
Nun findet diese abweichend in Witten statt und die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDJA) organisiert parallel eine in Bochum. In diesem Artikel (https://www.bo-alternativ.de/2026/04/24/autoritaere-im-angriffsmodus/#tc...) äußern sich nun wütende Antifas und beschreiben dies als Spaltungsversuch. Zentrales Argument ist die SDJA wäre zum Planungstreffen der Demo eingeladen wurden, würde nun trotzdem eine eigene Demo organisieren. „Besorgniserregend“ scheint dabei nicht, dass die SDJA eine leninistische Organisation ist, sondern ihr Weigerung mit den restlichen „Linken“ in Bochum zusammen zu arbeiten.
Wir lehnen jede Form von Staatssozialismus und Diktaturen ab. Der 1. Mai ist ein anarchistische – anti-autoritärer Tag. Kein staatssozialistischer. Die 1886 Angeklagten und Hingerichteten waren Anarchist*innen.
Wir wurden übrigens nicht von den Antifagruppen zum Planungstreffen eingeladen, nicht dass wir uns an der Demo gern organisatorisch beteiligt hätten, aber es sagt viel über das eigene inhaltliche Verständnis aus wenn die (leider) einzige anarchistische Gruppe in Bochum, neben der Gewerkschaft Freien Arbeiter*innen Union, nicht eingeladen wird und dafür eben Leninist*innen.
Übrigens werden auch die Schulstreikdemos gegen die Wehrpflicht in Bochum und an vielen anderen Orten von der SDJA (mit-)organisiert. Bei der ersten dieser Demos im Dezember 2025 waren wir und haben einen Flyer gegen jeden Imperialismus einschließlich den Russlands und der UdSSR verteilt. Sowie Informationen über das Freie Territorium 1919-1921 (in dem Gebiet wo Russland und die Ukraine gerade Krieg führen). Dort hatte sich die Bevölkerung inspiriert von Anarchist*innen selbstorganisiert, Staat und Kapitalismus enteignet und bewaffnet lange erfolgreich gegen die Rote Armee, die Weißen Armeen und ukrainische Nationalist*innen verteidigt. Ganz ohne Wehrpflicht. Anders als bei der Roten Armee, wo es für Verweigerung die Todesstrafe gab.
Außerdem verteilten wir noch Kakao, Tee und Bücher. Das kam bei Schüler*innen und Eltern sehr gut an, was die SDJA genug verärgerte, dass sie uns von der Demo schmeißen wollte (wir waren eh fertig und sind dann gegangen). So sollten wir mit Autoritären – was alle Staatssozialist*innen sind - umgehen. Aufklärung über sie und inhaltliche Gegenarbeit.
Insgesamt zeigt sich das Gedenken an den 1. Mai wird sowohl von dem Organisator*innen der Demo in Witten als auch den SDJA vereinnahmt. Den anti-autoritär oder gar anarchistisch sind beide Demos nicht.
Zur Vereinnahmung des 1. Mai als anarchistischen – antiautoritären Kampftag durch Staatssozialismus/Antifaschismus hat ein Anarchisti aus dem Ruhrgebiet bereits letztes Jahr Ausführliches geschrieben. Daher teilen wir im Weiteren diese Analyse statt was Neues zu schreiben. Falls Menschen sich einen wieder einen anarchistischen 1. Mai im Bochum bzw. Ruhrgebiet wünschen, könnt ihr aber gerne mit uns Kontakt aufnehmen. Mal schauen, ob sich 2027 was auf die Beine stellen lässt.
Der Text von letzen Jahr:: 1. Mai: Antifaschismus oder Anarchismus? Gegen die Auslöschung der anarchistischen Geschichte
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