Outcall Grapple&Strike
Im folgenden Text möchten wir FLINTA*-Personen vor der Grapple & Strike (G&S) Kampfsportschule in Bremen sowie vor den mit ihr in Verbindung stehenden Personen Jan Henning Bode (Inhaber und Trainer), Jan-Ole Röbbeling (Trainer) und Arne Schlichting (Trainierender), auf Grundlage unserer Erfahrungen, warnen.
Im folgenden Text möchten wir FLINTA*-Personen vor der Grapple & Strike (G&S) Kampfsportschule in Bremen sowie vor den mit ihr in Verbindung stehenden Personen Jan Henning Bode (Inhaber und Trainer), Jan-Ole Röbbeling (Trainer) und Arne Schlichting (Trainierender), auf Grundlage unserer Erfahrungen, warnen.
Wir, das sind Menschen, die, verursacht durch die genannten drei Personen, zum Teil tief traumatische Erlebnisse durchmachen mussten, welche unsere mentale Gesundheit gefährdeten oder diese nachhaltig geschädigt haben. Wir mussten Zeit und Kraft in die Verarbeitung der Erlebnisse stecken und müssen dies immer noch. Wir wurden uns unserer Räume beraubt, in denen wir uns sicher fühlten. Mussten Freundesgruppen, Hobbies und sogar Arbeitsplätze aufgeben, um uns vor den besagten Personen zu schützen. Und wir dachten, wir seien damit allein. Die Tatsache, dass wir es (bei weitem) nicht sind, zeigt, dass das Verhalten von Jan Henning, Jan-Ole und Arne systematisch ist und potenziell weitere FLINTA* Personen darunter leiden. Dieses Schreiben soll daher dazu beitragen, sie vor der bei Grapple & Strike ausgeübten patriarchalen Gewalt zu schützen und Betroffenen ein Gehör zu verschaffen:
Wir hören euch!
G&S versteht sich als linker Kampfsportraum, der sich mit den Werten “Vielfalt und Solidarität” schmückt. Neben dem Kampfsporttraining finden in den Räumlichkeiten regelmäßig linkspolitische Veranstaltungen statt.
Trotz dieses Selbstverständnisses zeigen die dort mitwirkenden und (teilweise) verantwortlichen Personen Verhaltensweisen auf, die bestehende Macht- und Geschlechterhierarchien ausnutzen. Es reproduziert Kontrolle, Hierarchie und vor allem Machtmissbrauch auf verschiedensten Ebenen. Der zu erwartende Anspruch an eine emanzipatorische Haltung und einen respektvollen Umgang entspricht nicht dem tatsächlichen Verhalten.
Uns verbinden sich stark ähnelnde Erfahrungen mit dem Inhaber und Lehrendem der Kampfsportschule, Jan Henning Bode, in Form von durch ihn ausgeübter psychischer Gewalt, Manipulation und Machtmissbrauch. Betroffene berichten übereinstimmend über:
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Ausnutzung seiner Macht durch seine Position als Inhaber und Trainer gegenüber seines Teams, damit dieses sich seinen Vorstellungen beugt
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Anwendung von psychischer Gewalt in Form von Herabwürdigung und aktiver Ausgrenzung von all jenen Menschen, die Kritik gegen Henning selbst oder einen seiner Schützlinge äußern
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aktives Betreiben von Täterschutz
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das Absprechen von Erfahrungen betroffener Personen und die Unterstellung, ihm und dem Gym schaden zu wollen → Täter-Opfer-Umkehr.
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systematisches Fertigmachen von Menschen, die Kritik äußern oder über Erlebtes sprechen: Vorladungen zu Gesprächen, in denen die Person von ihm in Begleitung von weiteren Trainer*innen verbal erniedrigt wird. Menschen, die die Betroffenen unterstützen, erleben dies auch
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Schaffung einer Atmosphäre der Angst
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Sich zunutze Machen dieser Angst, indem er dafür sorgt, dass Konflikte nicht ohne ihn besprochen werden
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Sich klärenden Gesprächen Verweigern
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grenzüberschreitendes Verhalten
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eine grundsätzliche Kritikunfähigkeit
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auf seinen eigenen Vorteil bedacht sein und zu seinen Gunsten handeln, womit einhergeht dass das Wohlbefinden anderer keine Berücksichtigung findet
Hennig wurde mehrfach um Gespräche, beispielsweise aufgrund des Fehlverhaltens seiner Trainer, gebeten. Diese verweigert er.
Betroffene äußern als Konsequenz ihrer Kritik Angst vor sozialem Ausschluss und physischer Gewalt.
Die genannten Vorwürfe beziehen sich nicht nur auf das Verhalten in der Kampfsportschule. Auch außerhalb dieses Kontextes haben wir systematisches patriarchales Verhalten von Personen, die bei G&S aktiv sind, erlebt.
Ein weiterer Trainer ist Jan-Ole Röbbeling. Ihm wird Folgendes Verhalten vorgeworfen, welches er durch seine Rolle als Trainer, Teammitglied und Vertrauensperson über Jahre wiederholt gezeigt hat:
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gezieltes graduelles Verschieben von Grenzen und grenzüberschreitendes Verhalten als Trainer
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Ausnutzung seiner Machtposition als Trainer, um intime Beziehungen
zu Frauen bei G&S aufzubauen
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systematisches Lügen über seine Beziehungen gegenüber anderen, auch bei direkter Nachfrage
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emotionale Manipulationen seines Umfeldes und seiner Partnerinnen
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Ausnutzung von Frauen auf Basis von Betrug, sexuellen Konsenzbruch
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keine Verantwortungsübernahme, Selbstdarstellung als Opfer
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Geben falscher Versprechen bei Vertrauensbrüchen, keine Veränderung seines Verhaltens
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Monate bis jahrelanges Betrügen und Hintergehen von Freundinnen und Partnerinnen
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Ausnutzen von emotionaler Bindung (Vertrauen) als Trainer und Teammitglied für eigene Zwecke ohne Rücksicht auf Schädigung/Verletzung anderer
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Manipulation durch Pseudo-Empathie/ Pseudo-Reue/ Pseudo-Entschuldigungen, um Nachsicht und Chancen von Personen zu erhalten, die ihn konfrontieren
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Ausnutzen des (Täter-)Schutzraumes, um selbst keine Konsequenzen zu erleiden für eigene Übergriffe und um diese zu wiederholen
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Wiederholung derselben Muster bei verschiedenen Frauen
Das problematische Verhalten Jan-Ole Röbbelings ist Henning seit Jahren bekannt und hat für ihn bisher dennoch keine Konsequenzen.
Konsequenzen werden stattdessen auf die Betroffenen und die sich ihnen solidarisch zeigenden Personen verlagert, indem sie aus gemeinschaftlichen Räumen verdrängt werden.
Solange Jan-Ole Röbbeling sein patriarchales, machtmissbräuchliches Verhalten nicht aufgearbeitet hat, halten wir ihn für eine Gefahr für dort trainierende FLINTA* Personen.
Wir fordern daher Jan-Ole Röbbelings Rückzug als Trainer.
Einer der dort Trainierenden ist Arne Schlichting, welcher auch systematisch patriarchales Verhalten aufweist. Dating- und Beziehungspersonen berichten übereinstimmend über:
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Lügen und bewusstes Verschweigen relevanter Informationen
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Manipulation durch gezieltes Verzerren der Realität, mit dem Ziel, sein Gegenüber zu verunsichern, zu desorientieren und sein Selbstvertrauen zu untergraben (Gaslighting)
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Druck ausüben durch Liebesentzug, plötzlichen Rückzug und Ignorieren nach Kritikausübung (bis hin zu Ghosting)
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Relativieren und sich lustig machen über die Gefühlsäußerungen des Gegenübers
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Verweigerung von emotionalem Beistand
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Priorisieren seiner Bedürfnisse und rhetorische Taktiken in Form von Gegenvorwürfen und Ablenkungsmanövern (“What-aboutism”)
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Isolation in Form von gegenseitigem Ausspielen von FLINTA*-Personen aus seinem Umfeld
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Täter-Opfer-Umkehr in Form von bewusster Verdrehung von Tatsachen und Schuldumkehr
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Ausnutzung von Vulnerabilität und Herabsetzen seines Gegenübers zum Durchsetzen seiner Interessen
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Sexueller Konsensbruch
In der Vergangenheit wurde Arne mehrfach auf sein problematisches Verhalten aufmerksam gemacht. Er versprach zunächst, dieses zu reflektieren und in den Prozess Einblick zu gewähren. Nach Nicht-Einhaltung dieses Versprechens und Verweigerung weiterer Auseinandersetzung wurden ihm weitere Alternativen zur Aufarbeitung angeboten. Arne lehnte jegliche Auseinandersetzung mit seinen patriarchalen Verhaltensweisen ab.
Aus diesem Grund haben wir uns für eine Öffentlichmachung der Erfahrungen mit ihm entschieden. Solange Arne sein patriarchales Verhalten nicht aufgearbeitet hat, halten wir ihn für eine Gefahr für FLINTA*-Personen, die zu ihm in romantischen und/oder sexuellen Beziehungen stehen.
Wir fordern daher:
→ Rückzug aus Positionen, in denen Arne Macht ausüben kann und Aufgabe von Tätigkeiten, aufgrund derer wir uns in unserer politischen und freizeitlichen Lebensgestaltung einschränken müssen. Das bedeutet konkret, dass Arne nicht mehr als Security-Arbeiter in jeglichen Kontexten (Demonstrationen, Parties, Konzerte etc.) tätig sein soll.
→ Sollte es zu einem zufälligen Zusammentreffen jeglicher Art kommen, erwarten wir ein sofortiges Verlassen des Ortes seinerseits.
Auf Basis unserer übereinstimmenden Erfahrungen mit Henning, Jan-Ole und Arne, gehen wir davon aus, dass sie jegliche Vorwürfe und Verantwortung abstreiten werden. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass es sich hier nicht um vereinzeltes Fehlverhalten handelt, sondern, dass wir ihr Verhalten als systematische, psychische Gewalt einstufen. Wir fordern daher ihr Umfeld, das sich in weiten Teilen mit links politischen und explizit feministischen Werten schmückt, diese Werte auch als konkrete politische Praxis wahrzunehmen und nicht länger Täterschutz zu betreiben.
Das Private ist politisch und Solidarität muss den Betroffenen gelten.
Dass die drei genannten Personen alle im gleichen Kampfsportstudio aktiv sind, ist kein Zufall. Wir wollen das nicht weiter ignorieren und damit ihr Verhalten schützen.
Wir lassen uns durch Henning, Jan-Ole und Arne nicht mehr einschränken und vor allem lassen wir uns keine Angst machen.
Wir fordern abschließend:
→ dass benannt wird, was bei G&S passiert.
→ dass nicht weiter suggeriert wird, das Gym sei ein sicherer Raum für FLINTA* Personen (z.B. durch FLINTA* Sparring Events)
→ Verantwortungsübernahme der genannten Personen, des Teams und des Umfeldes, indem es nicht weiter schweigt und schützt!
→ dass der Machtmissbrauch und patriarchale Verhaltensmuster bei G&S transparent aufgearbeitet werden!
Zuletzt fordern wir, dass keine betroffenen Personen durch Henning, Jan-Ole oder Arne, als Reaktion auf dieses Schreiben, kontaktiert werden.
Wenn ihr selbst betroffen seid oder andere Personen kennt, die betroffen sind, leitet diesen Text gerne weiter oder meldet euch unter der folgenden E-Mail-Adresse:
Fühlt euch frei die hier dargelegten Erfahrungen zu teilen und verbindet euch! Schützt eure Genoss*Innen und Freund*Innen und schaut hin! Keine weitere Flinta* sollte diese Erfahrungen mit den Verantwortlichen machen müssen.
In diesem Sinne: “Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.”
Update 1 _____________________________________________________________
Reaktion auf das G&S Statement zum Outcall Jan Henning Bode, Jan-Ole Röbbeling und Arne Schlichting
Seit der Veröffentlichung haben uns ausschließlich E-Mails mit Zuspruch weiterer betroffener Personen sowie zahlreiche Solidaritätsbekundungen erreicht, die uns viel Mut machen und erneut beweisen, dass wir mit unseren Erfahrungen bei weitem nicht alleine sind.
Nachdem eine Instagram-Userin unter einem Post gefragt hatte, was G&S zu den Vorwürfen zu sagen habe, wurde die Kommentarfunktion deaktiviert und damit die öffentliche Diskussion unterbunden. Intern nahm G&S jedoch in der Mitglieder-Signal-Chatgruppe Stellung zu dem Outcall, in Form eines Statements. Dieses Statement wurde uns Ende letzter Woche weitergeleitet. Wir hängen es diesem Schreiben an.
Wie bereits im Vorfeld befürchtet, bestätigt es nahezu alle Annahmen und stellt ein Paradebeispiel der Täter-Opfer-Umkehr dar.
Der Vorwurf, wir würden unsere Erfahrungen instrumentalisieren, um anderen zu schaden, ist ein altbekanntes Muster, welches die betroffenen Personen als eigentliche Schuldige darstellt, während die ursprünglichen Täter und ihr problematisches Verhalten relativiert oder verteidigt werden. Es hat nichts mit Solidarität, Kritikfähigkeit, Selbstreflexion oder Verantwortungsübernahme zu tun.
Die von uns benannte patriarchale Gewalt wird als “anonyme Hetze, Mobbing und Hass” diskreditiert. Es wird ein Feindbild von uns gezeichnet, welches suggeriert, wir würden das Ziel der Zerstörung und der Schädigung des Gyms verfolgen.
Auch unsere Entscheidung, unser Schreiben anonym zu veröffentlichen, begründet durch zuvor benannte Vorerfahrungen und die daraus resultierende Angst, wird uns als Beleg für vermeintliche Hetze ausgelegt. Wer den Outcall aufmerksam gelesen hat, dürfte verstanden haben, dass die Entscheidung der Veröffentlichung keineswegs leichtfertig getroffen wurde. Ein Outcall in dieser Form ist kein erster Schritt, sondern das letzte Mittel, zu dem wir uns gezwungen gesehen haben.
Bezeichnend für den Umgang mit den Vorwürfen ist darüber hinaus, dass die Aufarbeitung vor allem von FLINTA*-Personen getragen wird, während die benannten Männer sich ihrer Verantwortung entziehen.
Wir verstehen, dass das, was wir ansprechen, ungemütliche Wahrheiten sind. Und wir bedauern sehr, dass unser Outcall weitere Betroffene re-traumatisiert, so wie auch wir es erleben.
Die Infragestellung oder Relativierung geschilderter Gewalterfahrungen sowie die Aufforderungen, das Erlebte beweisen zu müssen, ist nicht nur eine Verschiebung der Verantwortung, sondern bedeutet für uns eine erhebliche emotionale Belastung. Dennoch haben wir diese Belastung in Kauf genommen, weil wir nicht weiter hinnehmen wollen, dass das Verhalten der Täter konsequenzenlos bleibt.
Wie zuvor betont, ist unser Ziel, weitere Flinta*-Personen zu warnen und vor der patriarchalen Gewalt im Kontext von G&S zu schützen sowie Betroffenen eine Stimme zu geben.
Wir betonen nochmals: Nicht die Menschen sind Täter, die patriarchales Verhalten aufzeigen. Sondern die, die es ausüben. Solidarität sollte den Betroffenen gelten!
Update 2_______________________________________________________
Einordnung Statement
Nachdem uns letzte Woche das interne Statement aus der Mitglieder-Signal-Chatgruppe von Grapple & Strike weitergeleitet wurde, auf das wir in unserem vorherigen Post eingangen sind (und im Anhang zu finden ist), erreichte uns am Montag (23. Februar) das offizielle Statement von Grapple & Strike. Dieses lässt sich auf ihrer Instagram Seite finden (die Kommentarfunktion ist deaktiviert).
Die Äußerungen von G&S sprechen bereits für sich, dennoch ist uns wichtig, hier noch einmal klarzustellen:
Abgesehen von fehlender Verantwortungsübernahme, handelt es sich um eine Täter-Opfer-Umkehr, basierend auf falschen Fakten. Die betroffene Person, von der hier die Rede ist, hat, anders als in dem Statement dargelegt, eine fristlose Kündigung erhalten, die nicht rechtmäßig war. So das zuständige Arbeitsgericht.
Wir möchten noch einmal betonen: Bei dem Verhalten, welches wir benannt haben, handelt es sich um strukturelles patriarchales Verhalten. Es handelt sich nicht um einen Einzelfall oder um individuelle Wahrnehmungen - so wie es seitens G&S dargestellt wird.
Nach wie vor erhalten wir per Mail Betroffenen-Berichte, welche das im Outcall beschrieben Ausmaß an Gewalt sogar noch übertreffen.
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