Anna und Arthur halten das Maul - Absage Gorleben Archiv

Ein Dialog, der an einem Polizisten scheitert, war nie einer. Kein Ersatz, kein Jurist, kein Wille – nur Kulisse.

 

 

 

„Ein Dialog, der an einem Polizisten scheitert, war nie einer“ – Erwiderung zur Absage des Gorleben-Archivs

 

Lüchow-Dannenberg, 22. Oktober 2025

 

Die kurzfristige Absage der Veranstaltung „Im Dialog: Protest trifft Polizei“ durch das Gorleben-Archiv bestätigt, was viele von uns bereits im Vorfeld kritisiert haben: Der angekündigte Dialog zwischen Polizei und Protest war kein offenes Gesprächsangebot, sondern ein kontrolliertes Format, das schon an der kleinsten Irritation zerbricht.

 

Offiziell heißt es, ein Vertreter der Polizei habe aus privaten Gründen kurzfristig absagen müssen. Das ist menschlich nachvollziehbar – aber politisch bezeichnend. Denn wenn schon der Ausfall eines einzigen Beamten genügt, um eine angeblich so bedeutsame Dialogveranstaltung abzusagen, stellt sich die Frage, wie ernst die Polizei diesen Austausch tatsächlich nimmt. Offenbar gibt es in ganz Niedersachsen – ja, bundesweit – niemanden, der kurzfristig bereit oder in der Lage ist, über das Verhältnis zwischen Polizei und Protest zu sprechen.

 

So viel also zur oft betonten Dialogbereitschaft: Sobald die Kontrolle über das Setting verloren geht, fällt das Gespräch aus. Das ist keine organisatorische Panne, sondern ein politisches Signal. Was als Brücke verkauft wurde, war in Wahrheit eine Bühne – und ohne Uniform fehlt die Kulisse.

 

Auch die angeblich ausgewogene Zusammensetzung des Podiums wirft Fragen auf.

Neben einem Polizisten und einem Vertreter der Protestbewegung sollte laut Ankündigung auch ein Jurist teilnehmen – doch niemand aus dem bekannten Bewegungsumfeld, der den Initiator*innen vertraut ist, hatte eine entsprechende Einladung erhalten oder zugesagt.

Wir fragen uns daher: Welcher Anwalt sollte eigentlich dort sitzen – und wessen Interessen hätte er vertreten?

Die Rede von „Dialog“ wirkt umso leerer, wenn selbst die beteiligten Gruppen nicht wissen, wer angeblich „für sie“ sprechen sollte.

 

Ein echter Austausch hätte auch ohne Polizeivertretung stattfinden können. Gerade die Abwesenheit wäre Anlass genug gewesen, über das Ungleichgewicht zu sprechen, das zwischen staatlicher Macht und zivilem Protest besteht. Doch stattdessen wird die Veranstaltung abgeblasen – ein deutliches Zeichen, dass es nie um Konfrontation, sondern um Befriedung ging.

Man wollte keinen Konflikt, man wollte eine kontrollierte Form des Einvernehmens.

 

Doch Widerstand lässt sich nicht befrieden.

Protest lebt von Haltung, Widerspruch und der Weigerung, sich in pädagogische Formate pressen zu lassen, die Konflikte zu Missverständnissen erklären.

Der Konflikt zwischen Polizei und Protestbewegung ist kein Kommunikationsproblem – er ist Ausdruck gesellschaftlicher Machtverhältnisse.

 

Wenn also nun angekündigt wird, man wolle den Dialog „zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen“, bleibt die Frage: Mit wem – und zu welchem Zweck?

Ein Gespräch, das am Fehlen einer Uniform scheitert, war nie ein Gespräch. Es war eine Inszenierung.

 

Darum sagen wir:

Es wird niemals eine Form geben, in der dieser Konflikt „zivil“ oder „ausgeglichen“ ausgetragen werden kann.

Denn Demokratie lebt nicht von Harmonie, sondern von Auseinandersetzung – von lautem, unbequemem, solidarischem Widerspruch.

 

 

Zitat eines Mitglieds der Initiative „Anna und Arthur halten das Maul“:

 

„Die Absage zeigt deutlicher als jede Diskussion, dass es der Polizei nicht um echten Dialog geht, sondern um Kontrolle über das Gespräch selbst. Wenn ein einziger Polizist fehlt und damit das ganze Format zusammenbricht, dann war dieser Dialog nie ernst gemeint – sondern nur Kulisse. Und wenn noch nicht einmal klar ist, welcher Anwalt dort eigentlich sprechen sollte, dann entlarvt sich das ganze Projekt als Symbolpolitik. Unser Protest braucht keine Bühne, sondern Haltung.“

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