Zum Tod von Bruno Kramm: Ein Spinner im allerbesten Sinne

<p>Am vergangenen Freitag starb überraschend der Musiker und Netzaktivist Bruno Kramm. Er kämpfte für ein besseres Urheberrecht und hatte seine Finger bei vielen Protesten im Spiel, die er beflügelte und bereicherte. Ein Nachruf.</p>
<figure class="wp-caption entry-thumbnail"><img width="860" height="484" src="https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2016/12/studiowork-860x484.jpg" class="attachment-landscape-860 size-landscape-860 wp-post-image" alt="" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2016/12/studiowork-860x484.jpg 860w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2016/12/studiowork-380x214.jpg 380w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2016/12/studiowork-1200x675.jpg 1200w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2016/12/studiowork-660x372.jpg 660w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2016/12/studiowork-160x90.jpg 160w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2016/12/studiowork.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 860px) 100vw, 860px" /><figcaption class="wp-caption-text">Bruno Kramm. <span class='media-license-caption'> – <a class="" rel="license" target="_blank" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/deed.de">CC-BY-NC 2.0</a>: Marquis</span></figcaption></figure><p>Über Bruno Kramm kann man sehr viele verschiedene Nachrufe lesen. Denn es gibt den Musiker, den „Grufti-Star“, den geschminkten Gothic-Künstler mit den Hörnern, den Miterfinder der Musikrichtung <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Deutsche_Todeskunst">Neue Deutsche Todeskunst</a> – und dann gibt es den Netzaktivisten und Piraten, der gegen die GEMA, ACTA, TTIP, ein ungerechtes Urheberrecht und für ein freies Netz kämpfte.</p>
<p>Ich kannte Bruno Kramm lange Zeit nur als den Menschen mit dem Hut und dem gestuften Bart von den Wahlplakaten der Piraten. Bis ich dann plötzlich viel und intensiv mit ihm zu tun hatte bei den Protesten gegen die <a href="https://netzpolitik.org/tag/eu-urheberrechtsreform/">EU-Urheberrechtsrec... 2019</a>. Dabei durfte ich ihn als kreativen, freundlichen, lustigen und kämpferischen Menschen kennenlernen.</p>
<p>Was für eine coole, verbindliche und einnehmende Type! Bruno war einer, der morgens um 8 Uhr mit einer Riesenenergie anrief und schon wieder 1.000 Ideen im Kopf hatte, was man denn anstellen könnte. Einer, der möglich machen und anstoßen wollte. Und angestoßen hat.</p>
<p>Damals wusste ich nichts über seine Musik. Ein Freund, der mich und Bruno auf einer Demo zusammen sah, erzählte mir, dass er in in den Neunzigern in Karlsruhe fast bei seinen Eltern rausgeflogen wäre, weil er sie fortlaufend mit <a href="https://youtu.be/cqdVExo8un8?si=uMxea7df29jBcm1i">Gottes Tod</a> von der <a href="https://dasich.de">Band „Das Ich“</a> beschallte. Bruno war einer der beiden Musiker der legendären Band, von der ich selbst überhaupt keine Ahnung hatte, weil ich Bruno ja nur als Netzaktivist kannte.</p>
<h2>Soziale Bewegungen befeuert und beflügelt</h2>
<p>Das hat damals Spaß gemacht und Bruno hatte, auch überrascht von der YouTube-getriebenen Protestwelle, große Freude daran, Öl ins Feuer zu gießen und das Momentum zu nutzen: für ein Urheberecht, das eben nicht die Nutzer:innen bestrafte und die Meinungsfreiheit gefährdet. Am Ende gingen deutschlandweit <a href="https://netzpolitik.org/2019/demos-gegen-uploadfilter-alle-zahlen-alle-s... Frühling 2019 fast 200.000 Menschen auf die Straße</a> für ein besseres Internet – und Bruno Kramm hatte seinen Anteil daran, dass diese Bewegung so groß wurde.</p><div id="netzpolitik-cta-533110" class="netzpolitik-cta"><p align="center">–––</p>

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<p>Der Kampf von Bruno Kramm <a href="https://www.bpb.de/themen/digitalisierung/urheberrecht/186177/das-urhebe...ür ein anderes Urheberrecht</a> und ein besseres Internet hatte schon früher begonnen. Kramm setzte sich schon früh <a href="https://netzpolitik.org/2013/remixer-13-bruno-kramm-code-is-poetry/">für das Recht auf Remix und die Remix-Kultur</a> ein, er war die deutsche Stimme vieler Anonymous-Videos, wie <a href="https://www.youtube.com/watch?v=9LEhf7pP3Pw">zum Beispiel jenen gegen das ACTA-Abkommen</a> oder gegen <a href="https://www.youtube.com/watch?v=GgqJyRcoqV8">TTIP</a>. Er prozessierte auch gegen die von ihm als <a href="https://netzpolitik.org/2016/kreative-muessen-einzelkaempfermentalitaet-... wahrgenommene Verteilung von Geldern durch die Verwertungsgesellschaft GEMA</a>.</p>
<p>Mit Bruno Kramm geht ein Spinner im allerbesten Sinne, ein Tausendsassa und feiner, freundlicher Mensch. Ein Mensch, der soziale Bewegungen und Proteste befeuert, bereichert und beflügelt hat. Er wurde nur 58 Jahre alt. Möge die Erde im leicht sein.</p>
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webadresse: 
https://netzpolitik.org/2026/zum-tod-von-bruno-kramm-ein-spinner-im-allerbesten-sinne/
Autor/Gruppe: 
Markus Reuter
feed-date: 
Montag, September 28, 2026 - 17:11