Geruchsprobenentnahmen und schnüffelnde Journalist:innen- nicht viel Neues im Berliner 129er-Verfahren
Wir melden uns mit einem Update weiterer Repressalien, welche sich seit den Razzien am 24.3.2026 und dem Vorwurf der kriminellen Vereinigung und verfassungsfeindlichen Sabotage zugetragen haben.
Im März 2026 wurden in Berlin und anderen Bundesländern 17 Objekte durchsucht. Der Vorwurf der verfassungsfeindlichen Sabotage und ein 129er Verfahren stehen seitdem als Vorwurf im Raum. Die Vorwürfe beziehen sich auf eine Sabotageaktion im September letzten Jahres, welche sich gegen den Technologiepark Adlershof richtete. Das Bekennerschreiben wurde damals mit „Einige Anarchist:innen“ unterzeichnet.
Nachdem die Welle an Razzien in den darauf folgenden Tagen teilweise auch von den großen Medien nicht nur Zuspruch erhalten hatte (sie wurde teils als PR-Stunt eingeordnet und es wurde sich gefragt, wie so eine umfangreiche Repression erfolgen kann, ohne zumindest einen Haftbefehl oder Beweise vorweisen zu können), wurde die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit vor ein paar Wochen erneut auf das Thema gelenkt.
Angekündigt hatte sich dies schon durch neugierige Anfragen von Journalist*innen. Vorneweg Strg_F, die offensichtlich Zugang zu Privatadressen bekamen, als auch “Die WELT” Journalisten wie Lennart Pfahler und Co., denen anscheinend Einblick in die Akten gewährt wurde und mit der Veröffentlichung von Namen drohten, als auch anderen Nervensägen, die vor Hausprojekten rumlungern.
Mittlerweile geben sich die Bullen große Mühe, dass ein zuversichtliches Bild in den Medien gezeichnet wird, wenn über den aktuellen Stand der Ermittlungen berichtet wird. So stehen sie wohl “kurz vor einem Durchbruch” und laufen angeblich “erleichtert durch das politische Berlin”. Das klingt natürlich selbstbewusst und gibt ein gutes Bild ab kurz vor den berliner Wahlen, welche Ende September anstehen. Der Stellenwert, welchen der politisch-mediale Diskurs rund um “kritische Infrastruktur” inzwischen eingenommen hat, ist enorm und das Dreiergespann aus Politik, Medien und Polizei gibt sich alle Mühe, um die Wehrhaftigkeit und Kriegstüchtigkeit eines militarisierten Deutschlands gegenüber inneren und äußeren Feinden zu untermauern. Der Staat steht unter enormen Druck Ermittlungserfolge vorzuweisen und dabei kümmert es wenig, ob er nun tatsächlich etwas in der Hand hat oder nicht. Kontinuierliche Sabotagen zeigen, dass der Staat angreifbar ist und bei der folgenden Strafverfolgung steht die staatliche Glaubwürdigkeit auf dem Spiel. Wenn die harte Hand des Staates zum Schlag gegen Anarchist:innen ausholt, kümmert es den politisch-medialen Zirkus wenig, ob die Ermittlungserfolge eine reine Farce sind, oder angeblichen Saboteuren tatsächlich konkretes zur Last gelegt werden kann. Egal ob tatverdächtig oder nicht, es sind immer noch “Linksextremist:innen”, warum nicht eine Show inszenieren und einfach so tun, als wären wir extrem erfolgreich?
Doch ganz so leicht laufen die Ermittlungen wohl nicht, da sich juristisch gegen die Maßnahmen gewehrt wird. Die Beschwerden gegen die Durchsuchungen, Beschlagnahmungen und DNA-Abnahmen, welche eigentlich maximal nach drei Tagen zumindest beantwortet werden müssten, liegen nun schon eine lange Weile zurück, laufen aber weiterhin und irgendwann wird ein höheres Gericht einen Blick auf die Indizien leeren Akten werfen und entscheiden, ob eine vom Verfassungsschutz attestierte “Zugehörigkeit zur gewaltbereiten linksextremen Szene” ausreicht, um weiterhin gegen die vier Beschuldigten zu ermitteln.
Währenddessen zaubern die Bullen die nächste absurde „Maßnahme“ aus dem Hut und haben die Beschuldigten nun zur “Geruchsprobenabnahme” vorgeladen. Nachdem Mantrailer-Hunde schon den Tatort und halb Berlin durchschnüffelt haben, sollen sie jetzt wohl wieder für die Ermittlungen herhalten. Hierbei geht es darum, einen Nackenabstrich bei den Beschuldigten vorzunehmen und das Tuch dann in einem Einmachglas aufzubewahren. Ein “Geruchsspurendifferenzierungshund” soll diesen Geruchsträger dann mit Spurenträgern vergleichen. Macht Hundi beim Linksextremist:innen-Tuch Wauwau, gibts extra viele Leckerlies. Diese Art der Fahndungsmethode wurde von der Stasi1 entwickelt und diente der Verfolgung von Flüchtenden und Oppositionellen. Auch heutzutage fällt auf, dass der Einsatz von Mantrailer-Hunden sich besonders in Ostdeutschland großer Beliebtheit erfreut - für Schlagzeilen sorgten die Wuffis in Sachsen, wo sie für kurze Zeit als polizeiliche “Wunderwaffe” galten. Der Hunde-Hokuspokus war letztendlich jedoch so umsritten, dass höchste Gerichte den Beweiswert komplett in Frage stellten und die sächsische Polizei das Mantrailer-Programm schließlich komplett stoppte². Die ekelhafte Geruchsvergleichsmethode wurde bereits im Zusammenhang mit dem G8 Gipfel 2007 bekannt. Auch im Ermittlungsverfahren gegen Müchner Anarchist:innen wurde sie vor kurzem angewandt: https://de.indymedia.org/node/709093
In diesem Fall schwänzten alle Beschuldigten den Termin beim LKA.
Darüber hinaus greifen die Behörden auch weiterhin zu gängigeren Mitteln, wie dass sie einige Leute einfach von ihren Wohn- und Meldeadressen abgemeldet haben und versuchen dadurch rumzunerven.
Letztlich gibt es jedoch keine weiteren großen Neuigkeiten über den Stand der Ermittlungen und alles dümpelt wie gewohnt vor sich hin.
Vielen Dank für eure solidarische Unterstützung und Bezugnahme!
¹ https://www.deutsches-spionagemuseum.de/sammlung/geruchskonserve
² https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/dresden/mantrailer-programm-einge...
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