(B) AJZ KiTa/La Casa - Der Versuch einer Zusammenfassung der Geschehnisse
*an english version is coming soon*
Am 4. Juli 2026 drangen selbsternannte "Antifaschist*innen" vermummt und bewaffnet in das AJZ KiTa ein, um dieses zu besetzen. Unter dem Vorwand gegen Antisemitismus vorzugehen, übten sie massiv Gewalt aus. Seitdem die selbsternannten "Besetzer*innen" das Haus am gleichen Tag wieder verlassen mussten, verbreiten sie auf ihrem Blog und Insta sowie in Kompliz*innenschaft mit den bürgerlichen Medien hemmungslos Lügengeschichten. Auf diese Weise wollen sie Menschen, die sich gegen den gewalttätigen Angriff auf das AJZ Kita verteidigt haben, als Aggressor*innen darstellen und von der eigenen Gewalt ablenken. Zudem verschleiern sie die Hintergründe der andauernden politischen Auseinandersetzungen im AJZ Kita.
Der Eskalation am vergangenen Wochenende ist bereits eine Reihe an Vorfällen und Vorwürfen vorausgegangen, die wir im Folgenden näher betrachten wollen. Wir haben kein Interesse daran, alle Details online auszubreiten, weshalb wir allen Interessierten anbieten wollen, sich selbst ein Bild von der Lage zu machen und mit uns im New Casa ins Gespräch zu kommen. Die absurdesten Anschuldigungen der Gewalttäter*innen wollen wir dennoch richtig stellen. Im Gegensatz zu ihnen verzichten wir auf die Veröffentlichung von Gesichtern auf Bild- und Videomaterialien, weil wir Grundlagen linken Selbstschutzes beachten.
"Als Reclaim La Casa hatten wir den Plan, einen Bewohner rauszuschmeißen, unsere Räume wieder vernünftig nutzbar zu kriegen, um uns dann auf den eigentlich Dreck zu konzentrieren: Nazis in unserer direkten Nachbarschaft in Marzahn."
- Zitat der Schläger vom 8. Juli 2026 auf ihrem Blog
Allein die Behauptung, eine Person aus einem Hausprojekt rausschmeißen zu wollen und gleichzeitig Teile des Hauses zu besetzen, zeigt, dass von den "Besetzer*innen" hier ein politischer Konflikt auf eine neue Ebene gebracht wurde. Zu schreiben, dass dies vollkommen gewaltlos ablaufen sollte, ist eine dreiste Lüge. Unsere Genoss*innen beschreiben, wie sie mit Würgegriffen, die sie am Schreien hindern sollten, die Treppe runtergschleift wurden.
Wenn Menschen morgens vermummt in fremde Wohnräume eindringen, um eine "Räumung" durchzusetzen, ist dies bereits an sich eine enorme Form der Gewalt. Das Vorgehen erinnert an die extreme Gewaltform der Zwangsräumungen des bürgerlichen Staats, wobei dieser sich in der Regel wenigstens ankündigt. Es ist nur legitim, sich gegen solchen Zwang zu wehren. Und warum mussten die Eindringlinge ihre Identität verschleiern? Sie waren doch nach eigenen Angaben Nutzende des AJZ Kita. Glaubten sie, dass die Menschen aus dem Haus sie wegen ein wenig Stoff vor dem Gesicht nicht erkennen würden? Vielmehr scheint es hier um eine männlich-gewaltvolle Selbstdarstellung zu gehen, zu dessen Legitimation wilde Geschichten gesponnen werden.
"Den uns vorgeworfenen Einsatz von Pfefferspray gab es nicht, die Person konnte ohne erheblichen Zwang herausgetragen werden."
- Zitat der Schläger vom 8. Juli 2026 in der Jungle World
Wir haben beobachtet, wie die Schläger im Laufe des Tages mindestens 6 große Kannen Pfefferspray gezielt auf Menschen aus unmittelbarer Nähe entleert haben (und diese nach der "Besetzung" liegen ließen). Betroffene litten unter Atemnot und mussten notärztlich versorgt werden, weil sie von oben bis unten in Pfefferspray getränkt waren. Auf diese Weise wurden schwere Verletzungen in Kauf genommen. Zudem sind wir von der Formulierung "ohne erheblichen Zwang" sehr verwundert. Das ist reinster Bullensprech, der zeigt, dass sich die "Besetzer*innen" sehr gut in der Rolle der autoritären Schutzmacht gefallen. Außerdem verschleiert es den konsequenten Widerstand unserer Genoss*innen gegen die Räumung.
"An einem der Hauseingänge sei es durch die ankommende Gruppe palästinasolidarischer Militanter zu massivem Einsatz von Pfefferspray und Steinwürfen gekommen. Daraufhin habe man sich im Haus verbarrikadiert."
- Zitat der Schläger vom 8. Juli 2026 im Neuen Deutschland
Als selbsternannte "Besetzung" war es von Anfang an von ihnen geplant, sich im Haus zu verschanzen. Dabei wurde auch keine Rücksicht auf weitere Menschen aus dem Haus genommen, die beispielsweise Fluchterfahrung haben oder traumatisiert sind. Im Gegenteil wurden mehrere unbeteiligte Menschen über lange Zeit in ihrer WG eingesperrt, da die "Besetzer*innen" beim Barrikadenbau umliegende Eingangstüren verschlossen. Die Betroffenen dieser Aktion hatten mit den Konflikten im Haus nichts zu tun und wurden da von den "Besetzer*innen" hineingezogen. Ihre (Re-)Traumatisierung wurde billigend in Kauf genommen. Mehrere Menschen hielten die Schläger für vermummte Neonazis, fühlten sich an Moria oder an lybische Gefängnisse erinnert und standen noch mehrere Tage unter Schock.
"Die antisemitischen Strukturen, die jetzt versuchen, La Casa zu übernehmen, haben bereits in den vergangenen Jahren antifaschistische Arbeit verkompliziert, häufig mit der Parole, »Antideutsche sind keine Linken«, und mit der Forderung, man müsse jetzt in Marzahn-Hellersdorf über den Nahost-Konflikt reden."
- Zitat der Schläger vom 8. Juli 2026 in der Jungle World
"wer sich im Berliner Osten geradezu wahnhaft der Bekämpfung von „Zios“ oder „Anti-Ds“ widmet, statt sich auch nur ansatzweise den zunehmenden Bedrohungen durch Der Dritte Weg und diversen Neonazi-Jugendgruppen entgegenzustellen,"
- Zitat der Schläger vom 4. Juli 2026 auf ihrem Blog
Die selbsternannten "Besetzer*innen" sind uns bekannt. Wo waren sie, als wir in den letzten Jahren gegen den III. Weg, die AfD und Jungfaschos in Marzahn-Hellersdorf demonstriert haben? Als lokale Antifaschist*innen empfinden wir ihre Aussagen als dreiste Lüge. Sie waren es, die in den letzten Jahren antifaschistische Gruppen aus Ostberlin aus dem Haus geekelt und Protest-Organisationen behindert haben. Sie waren es, die in Hellersdorf immer wieder Veranstaltungen zum Thema "Islamismus" organisiert haben, anstatt sich mit den Neonazibedrohungen zu beschäftigen. Sie waren es, die nicht draußen gegen Nazis gestickert haben, sondern im Hausprojekt Slogans wie "Fuck Islam" angebracht haben. Sie waren es, die auf einer Tombola im "La Casa" Sticker mit IDF-Logo verteilt haben, anstatt Proteste gegen die Nazis im Bezirk zu organisieren.
"Im November 2023 fand im La Casa eine gut besuchte Veranstaltung zum Thema Antisemitismus im Punk und Hardcore statt. War diese Veranstaltung damals Konsens, und was hat sich seitdem verändert?
Diese Veranstaltung wurde schon vor dem 7. Oktober 2023 organisiert, sie war damals Konsens. Später gab es ein offenes Treffen, wo wir gedacht haben, okay, die Leute, die da nach so einer Veranstaltung kommen, sind klar antisemitismuskritische Linke. Es sind dann aber auch Leute zu dem Kollektiv gestoßen, die eher als U-Boote fungierten und maßgeblich die antisemitische Übernahme vorbereitet und ermöglicht haben."
- Zitat der Schläger vom 8. Juli 2026 in der Jungle World
Die damalige Veranstaltung führte schon im Oktober 2023 zu massiver Kritik. Dabei ging es nicht um Kritik des Veranstaltungstitels. Viel mehr wurde eine Band, namens “East German Beauties” kritisiert, die in Songtexten offen propagiert, mit dem "Merkava nach Ramallah" fahren zu wollen und die rechte, queerfeindliche Zeitschrift "Bahamas" zu lesen. Die Durchführung der Veranstaltung und Abwehr der Auseinandersetzung mit der Kritik führte auch dazu, dass die Kritische Orientierungswoche der Alice Salomon Hochschule seitdem keine Veranstaltungen mehr im "La Casa" organisiert hat. Zuvor konnten Ersti-Partys und Events zur Aquise junger Studierender im Haus stattfinden. Die "Besetzer*innen" haben mit ihrem wahnhaften Kampf gegen eine politische Kritik an der israelischen Politik über Jahre hinweg dafür gesorgt, dass viele junge Menschen einen Bogen um das "La Casa" gemacht haben. Ebenso gab es von vielen langjährigen Kollektiv-Mitgliedern und ehemaligen Kollektiv-Mitgliedern erhebliche Kritik an der Veranstaltung - den Vorwurf der "U-Boote" weisen wir entschieden zurück. Die Kritik am politischen Kurs im La Casa kam nicht durch eine plötzlich auftauchende "antisemitische" Gruppe auf, sondern wurde über mehrere Jahre hinweg bereits durch ihre langjährigen Freund*innen und Wegbegleiter*innen geäußert, welche sich in den letzten Jahren immer mehr mit Palästinenser*innen solidarisiert haben.
"indem dafür eigenmächtige Zuzüge und systematisches Hinwegsetzen über vielfach geäußerte Vetos und Einzugsstoppforderungen an der Tagesordnung sind, und diese Personen sich selbstherrlich ermächtigen, weitere Personen einziehen zu lassen"
- Zitat der Schläger vom 4. Juli 2026 auf ihrem Blog
Diese Aussage lässt sich nur vor dem Hintergrund von massiven Versuchen zur Vereinnahmung des AJZ Kita durch die Besetzer*innen und ihr Umfeld in den zurückliegenden Monaten verstehen. Vor einigen Monaten planten mehrere Personen eine Machtübernahme des Vereins. Sie mobilisierten Menschen, die seit vielen Jahren nicht mehr im Haus gesehen wurden, um eine Stimmenmehrheit bei einer Vorstandswahl zu erzielen. Nach der Wahl versuchte der neue Vorstand des Hauses mit autoritären Mitteln, den Wohngemeinschaften ihre Autonomie und Entscheidungsmacht zu nehmen, indem der Vorstand alleine über Einzüge entscheiden wollte - ohne Hausbewohner*innen einzubeziehen. Schon vor der Vereinnahmung blockierte dieser Personenkreis pauschal alle Neueinzüge von Menschen, die zur eigentlichen Zielgruppe des AJZ gehörten. Das Projekt hat die Neueinzüge und die Mieteinnahmen außerdem dringend benötigt. Als Übergangslösung hatte man sich noch vor der Wahl darauf geeinigt, dass die Wohngemeinschaften im Haus selbst über Neueinzüge entscheiden sollten.
"Aber alles hat ein Ende, wenn eine vermeintlich politisch unliebsame Flinta von mit Kufiyas Vermummten so sehr bedroht wird, dass sie sich nicht mehr traut einzuziehen."
- Zitat der Schläger vom 8. Juli 2026 auf ihrem Blog
Auch hier werden Tatsachen bewusst verschwiegen. Der Vorstand unterschrieb einen Mietvertrag mit einer Person und gab dieser Schlüssel für eine Wohngemeinschaft. Die Wohngemeinschaft wurde nicht darüber informiert und vor vollendete Tatsachen gestellt. Ein Hausprojekt ist kein Studiwohnheim, in das fremde Personen von einem Vermieter für Profite anonymisiert in die Zimmer gesetzt werden. Hier ging es um Mitspracherechte, die den Mitbewohner*innen mittels einen autoritären Habitus verwehrt wurden und nicht darum, eine einzelne Person für die Verfehlungen des Vorstands zu belangen.
"wer (...) Hakenkreuze in Davidsterne kritzelt, (...)"
- Zitat der Schläger vom 8. Juli 2026 auf ihrem Blog
Niemand von uns hat jemals Hakenkreuze in Davidsterne "gekritzelt". Diese Vorkommnisse sind auf der Außenfläche des AJZ Kita passiert, die für alle Menschen zugänglich ist. Wir wohnen in einem Bezirk mit der höchsten Zustimmung zur AfD berlinweit. Wir gehen davon aus, dass die Hakenkreuze auf den Davidsternen von Faschos geschmiert wurden.
Dabei sollte klar sein das wir das als Antifaschist*innen aufs schärfste verurteilen.
"wer meint, das hauseigene Hostel während der Geburtstagsfeier zum 25-jährigen Bestehen des Projektes gegen „Zionisten“ besetzen zu wollen und dabei zusätzlich mit misogynen Beleidigungen um sich wirft,"
- Zitat der Schläger vom 8. Juli 2026 auf ihrem Blog
Während der "Geburtstagsfeier", die lediglich von und für einige wenige organisiert wurde, konnten alle Räume des "La Casa" ohne Behinderung genutzt werden. Das hauseigene Hostel war in dieser Zeit weiterhin in Betrieb. Die späteren "Besetzer*innen" wollten das Hostel, in dem zu diesem Zeitpunkt auch marginalisierte Personen übernachteten, für den Abend räumen und die Gäste in den Keller verbannen. Als dies nicht sofort umgesetzt wurde, stellten sie das Wasser ab, um Tatsachen zu schaffen und die Hostel-Gäste herauszuekeln. Dass sich gegen das Herausschmeißen von auf den Schlafplatz angewiesenen Personen aus ihren sicheren Betten gestellt wurde, weisen wir als Kritik ab und stehen klar dazu. Es handelte sich hier nicht um eine Besetzung, sondern um die Verhinderung eines Rauswurfs marginalisierter Personen für eine Party.
"oder wer ein durch Dritte auf einem Transpi mit dem Satz „freedom and peace for the palestinian people“ hinzugefügtes „and the jews“ rausschneidet"
- Zitat der Schläger vom 8. Juli 2026 auf ihrem Blog
Das Transparent wurde zuvor durch die "Besetzer*innen" eigenmächtig mit Farbbomben angegriffen und beschädigt. Es handelte sich um ein Banner, das "Frieden und Freiheit für Palästinenser*innen" ausrief. Auf das Wort "Palästinenser*innen" wurden gezielt Farbbomben geworfen und stattdessen "and the jews" hinzugefügt. Natürlich wünschen wir uns ein Leben in Frieden und Freiheit für alle Jüdinnen_Juden. Wir glauben aber nicht, dass es immer im selben Satz erwähnt werden muss, wenn Frieden und Freiheit für Palästinenser*innen eingefordert wird.
Zu guter Letzt wollen wir erneut darauf hinweisen, dass die Besetzung eine einseitige Eskalation der politischen Auseinandersetzungen im Haus war. Und warum? Weil Einzelpersonen die Entwicklung hin zu einem "antizionistischen Zentrum" (Statement der "Besetzer*innen") verhindern wollten. Es ging also darum, bestimmte politische Meinungen aktiv aus dem Haus zu drängen. Sie können keine politischen Konflikte aushalten und schmeißen Personen raus, nur weil das "immer weniger unser Ort (war), an dem wir uns wohl fühlten" (Blogbeitrag der Besetzer*innen). Persönliche Befindlichkeiten werden hier zum Motor für Gewalt. Hausprojekte leben durch die Menschen, die in ihnen wohnen. Dadurch verändern sie sich auch. Die Besetzer*innen sprechen lediglich für eine Minderheit von Personen aus dem AJZ Kita. Hier ist offensichtlich eine kleine Gruppe nicht bereit, Veränderung und eine größere politische Meinungsvielfalt zu akzeptieren bzw. auszuhalten und versucht alles, um ihre Privilegien zu wahren.
Wir möchten hier nicht auf alle "Vorwürfe" eingehen, weil wir sie als strategisches Manöver empfinden, dass die Angreifer ihre sinnlose Gewalt mit vermeintlich politischen Argumenten zu füllen versuchen. Alle Argumente zu entkräften, kostet uns Zeit, die wir nun benötigen, die Schäden im Haus zu beseitigen und das Haus für Nachbar*innen und junge Menschen aus dem Bezirk zu öffnen. Für uns ist es wichtig, plurale Meinungen im Haus wieder zuzulassen und jungen Menschen einen Raum zu bieten, in dem sie keine Angst haben müssen und sich austauschen können. Die Schläger sind in den vergangenen Jahren durch extremes Mackerverhalten, Gewaltandrohungen, Gesprächsverweigerung und tief verankerten Rassismus aufgefallen. Es ist leicht, uns als "Antisemiten" zu betiteln und als "Beleg" wilde Lügen bzw. grob vereinfachte Darstellungen ins Internet zu schreiben.
Es ist auch leicht zu behaupten, dass sie die Opfer seien. Ihre Rhetorik ist klassische Täter-Opfer-Umkehr.
So haben sie unentwegt Videomaterial von Menschen angefertigt, die als Supporter*innen zur Situation hinzukamen oder sich einfach nur mit Masken bedeckt haben, um sich vor den Aufnahmen der "Besetzer*innen" zu schützen. Zu keinem Zeitpunkt wollten wir, dass die Gewalt derart eskaliert. Die Lage war unübersichtlich. Die Besetzer*innen verschanzten sich stundenlang auf dem Dach, warfen Wasserflaschen herunter, riefen immer wieder "Das ist die letzte Warnung". Ihre Unterstützer*innen kamen vermummt auf das Gelände zugestürmt, warfen Geschosse auf Menschen im Garten und pfefferten wild um sich. Solidarische Menschen wurden wahllos angegriffen. Die gewaltvolle Besetzung - ohne Zugriff durch die Bullen auf das Haus - konnte nur mit dem entschlossenen Widerstand von solidarischen Menschen beendet werden.
Wir haben in den vergangenen Tagen breite Solidarität erfahren. Viele Menschen aus unterschiedlichen Spektren haben die Gewalt mit eigenen Augen gesehen und lassen sich durch die Lügen der Angreifer nicht mehr blenden.
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