Von White-Power zu Krankenhausaufenthalt: Jugend und Parlament 2026

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Ich habe diesen Juni bei dem Planspiel des Deutschen Bundestages „Jugend und Parlament 2026“ teilgenommen. Aus meiner eigenen – kommunistischen Perspektive – ist die ganze Veranstaltung natürlich schon eine moralische Frage für sich. Dieser Bericht soll jedoch keine Kritik am Staatsapparat oder dem Parlamentarismus darstellen, sondern auf die dortigen Vorfälle eingehen.

TW: Sexuelle Gewalt, physische Gewalt, Rasissmus, Sexismus

Die Veranstaltung startete nachmittags am Samstag, den 06. Juni und endete nachmittags am Dienstag, den 09.06.

Es gibt bei diesem Planspiel drei fiktive Parteien, die einen demokratischen Prozess der Konstituierung der Fraktion bis hin zu Ausschussbesetzung, Plenarsitzungen und Arbeitskreisen abspiegeln. Alle Parteien die im realen Bundestag vertreten sind, dürfen nach vorheriger Zuteilung Personen zwischen 17 bis 20 Jahren entsenden. Wie schon die letzten Jahre war die Junge Union mit einer deutlichen Mehrheit vertreten. Die AfD hatte nach meiner Schätzung etwa 20 Personen
entsendet. Diese wurden aktiv von der Partei angesprochen und ausgewählt, so zumindest sagen es Personen der AfD. Auch ein ehemaliger Kandidat zu einer Wahl und stellvertretender Vertrauensmann der AfD Tempelhof Schöneberg – Julian Pfeifer – war vertreten.

 

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Bild 1: Julian Pfeifer, AfD Tempelhof-Schöneberg

 

Ein von der AfD entsandte Mitglied viel uns Kommunist:innen schnell auf. Dieser war homosexuell und hat ein Migrationshintergrund. Er verhielt sich oft nicht homogen zur AfD Deligierten, sondern etwas ausgegrenzt.

Soweit so gut – nicht erstmal etwas schlimmes.

Am Sonntag Abend nach dem gemeinsamen Abendessen im Paul-Löbe-Haus, vereinten sich (fast) alle AfD Deligierten in der Mitte des schon fast leeren Mensaraums um einen Tisch um ein Gruppenfoto zu machen. Dort zeigte der genannte AfD Mann Pfeifer ein White Power Zeichen (siehe Foto), welches am Dienstag Mittag von Markus Frohnmaier (MdB, AfD) als „Okay Zeichen“ beschrieben wird.

 

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Bild 2: Gruppenbild der AfD Deligation

 

Dies wurde von mehreren Personen dem Awarenessteam sowie der Spielleitung gemeldet. Auf dem Gang haben AfDler schon miteinander geraunt. Z.B. viel das Zitat „Ja, ich glaube Du bist raus“ zu einem AfDler. Bezogen war dies auf einen möglichen Spielausschluss.

Jedoch bleib es nicht bei White-Power Zeichen. Es wurde im Fahrstuhl die 1. Strophe der Nationalhymne gesungen oder auch in Gesprächen zwischen „Bluts- und Passdeutsche“ belehrt. Eine Einordnung dieser Aussagen brauche ich hier nicht abgeben – dies sollte klar sein.

Am Montag Abend wurde in der Fraktionssitzung der BP-Fraktion ein Ausschluss eines AfD Deligierten aus der Fraktion beraten und ausnahmslos mit einer Mehrheit beschlossen. Als Folge des Ausschlusses, verließen weitere von der AfD-entsandte Teilnehmende freiwillig ihre Fraktionen und entschlossen sich dadurch, das Planspiel als Fraktionslose Abgeordnete fortzuführen. Daraufhin eskalierte die Situation schnell und die AfD-Deligierten sahen sich gezwungen, Beatrix von Storch den Vorgängen des Ausschlusses zu unterrichten. Diese kam schnell mit einem Kamerateam um ein Reel mit zwei AfD-Deligierten zu drehen. In diesem wurde neben dem generellen Infrage stellen der „Demokratie“ im Bundestag, kein einziges Wort über eine White-Power Zeichen, der 1. Strophe oder Nationalhymne oder sogar der „wer ist echter Deutscher“ Aussagen verloren. Die Junge Union wurde als großer Antidemokrat und schon fast linksradikal betitelt (freie Interpretation), nur weil diese das Ausschlussverfahren in den Fraktionen maßgeblich vorangebracht haben. Das Reel wurde mit Charlotte-Annabelle Liffers der „Generation Deutschland Karlsruhe“ sowie Luis Wassen der AfD aus Düren aufgenommen, wobei diese ihre Perspektive und Opferrolle weiter bekräftigt.

 

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Bild 3: Luis Wassen, AfD Düren

 

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Bild 4: Charlotte-Annabelle Liffers, GD Karlsruhe

 

Das Video ist hier verlinkt: https://www.instagram.com/p/DZVVyf8MeL8/

Liffers forderte in einem Post auf Instagram z.B. „Millionenfache Abschiebung“ oder auch der sonst sozialistische Ruf umgedichtet zu „Sommer. Sonne. Remigration.“. Sie besucht oder besuchte die European School in Karlsruhe, an der sie an Projekten wie dem „European Day 2021“ mitgearbeitet hat. Zu Wassen sind wenige Informationen zu finden.

Nachdem das Video von Beatrix von Storch veröffentlicht wurde, hat auch der Influencer Lasko der parteinah der Partei Die Linke ist, ein kurzes Video zu den Geschehnissen veröffentlicht. Dieses hier hier verlinkt: https://www.instagram.com/p/DZVZMczRwzu/

Anschließend war abends im Jakob-Kaiser-Haus gemeinsames Abendessen. Dort tauchte ein AfD MdB auf, um „die Situation richtig zu stellen“. Die Richtigstellung bezog sich rein auf die Opferrolle der AfD und dass die JU das große Problem bei dieser Veranstaltung war. Des Weiteren wurde geäußert, dass der Ruf „Nazis raus“, der bei einer Fraktionssitzung beim Ausschluss der AfD Deligierten gerufe wurde, als „Mordaufruf zu verstehe sei“. Auch hier lasse ich freien Interpretationsspielraum, wie die AfD dies als „verfassungsfeindlich“ betitelt, jedoch dann beschuldigte Personen selber „millionenfache Remigration“ fordern.

Jedoch gab es abseits der Ausschlüsse eine standhafte Person. Dies war der oben beschriebene AfD-Deligierte mit Migrationshintergrund. Er distanzierte sich fraktionsöffentlich klar von den getätigten Aussagen und Gerüchten zufolge habe er noch am selben Abend die Mitgliedschaft der AfD beendet. Er verließ seine fiktive Fraktion nicht, womit der Fraktionsvorstand auch kein Problem hatte, da er bemerkenswerte Konsequenzen gezogen hatte.

In der Nacht von Montag auf Dienstag änderte sich jedoch schlagartig die Situation. Im Hotel ist es zwischen den AfD-Deligierten und dem Ex-AfDler mit Migrationshintergrund zu einem „Zwischenfall“ gekommen. Ein Zeuge schilderte die Situation so, dass ein „Mädel der AfD mit einem Kühlkissen am Kopf behauptete, sie sei geschlagen wurde.“ Es stellte sich heraus, dass es „ein AfD naher Typ“ gewesen sei. Kurz danach kam eine weitere weibliche Person der AfD in die Hotellobby und meinte, dass „ein Typ sie belästige(n)“ würde. Eine kurze Weile später kam ein weiterer Typ von der AfD in die Lobby und meinte er habe nun den vermeintlichen Täter „verprügelt bzw. Knock-Out geschlagen“. Aufgrund dessen haben die Zeugen der Situation dies nicht stehen lassen und nachgeschaut, was mit dem vermeintlichen Täter passiert ist. Sie berichten davon, dass die Person nackt und bewusstlos im Zimmer lag und sie haben die Person nicht wach bekommen. Sie haben umgehend Polizei sowie einen Krankenwagen gerufen.

Am Dienstag haben einige AfD-Deligierten trotz dessen an der Plenarsitzung im Bundestag teilgenommen – dies jedoch als Fraktionslose.

Julia Klöckner verurteilte alle Taten nur wenig, sondern rief zu „demokratischen Debatten“ auf. Die ganze Sitzung kann hier nachgeschaut werden: https://www.bundestag.de/mediathek/video?videoid=7653812

Im Nachhinein wurde in einer Chatgruppe die Junge Union vom Politikinfluencer „Maximal Demokratisch“ die Junge Union groß als das beste der Veranstaltung dargestellt. Max ist Mitglieder der Partei Die Linke. Dass eine Verharmlosung der JU hier getätigt wird, werde ich nicht weiter einordnen.

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