Stellungnahme gegen die Verleumdung von Henning
Wir sind Frauen, die sich Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahren politisiert haben und seither und bis heute in den verschiedensten Projekten, Gruppen und Organisierungen linke Politik machen. Wir lehnen die Vorwürfe des anonymen, auf Indymedia veröffentlichten Schreibens gegen Henning mit aller Entschiedenheit ab.
Stellungnahme gegen die Verleumdung von Henning
Wir sind Frauen, die sich Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahren politisiert haben und seither
und bis heute in den verschiedensten Projekten, Gruppen und Organisierungen linke Politik machen.
Sexualisierte Gewalt gegen Frauen haben wir selbst, aber auch als gesellschaftliches Gewaltverhältnis
erlebt. Der Kampf gegen das Patriarchat, mit all seinen Macht- und Gewaltformen, ist prägend für uns
als Individuen mit unserer persönlichen Geschichte, selbstredend aber auch in unserem politischen
Handeln und Denken.
Wir sind Frauen, die Henning seit Anfang der 1990er Jahre kennen, in Freundschaften und in
Beziehungen mit ihm in dieser Zeit waren und sind, bis heute. Wir kennen Henning als liebenswerten,
solidarischen, widerstreitenden, aufrechten Mann; als Freund, als Genossen, der uns in allen
Widersprüchen, Schwierigkeiten, Rückschlägen und den wenigen Erfolgen in unseren Kämpfen
unterstützt und begleitet hat.
Wir lehnen die Vorwürfe des anonymen, auf Indymedia veröffentlichten und mittlerweile auf
verschiedenen Social-Media-Kanälen geteilten Schreibens gegen Henning mit aller Entschiedenheit
und aller Entschlossenheit ab. Wir warnen vor der Gefährlichkeit der Wirkung des Textes und den
Folgen seiner Weiterverbreitung. Wir haben es hier nicht mit von Henning begangenen
Gewaltexzessen gegen eine Frau zu tun, sondern mit einer schwerwiegenden Verleumdung und dem
Rufmord seiner Person.
Warum bewerten wir diesen anonymen Post als Verleumdung?
Wir kennen Hennings Geschichte in den gesamten 1990er Jahren. Er war darin unser Wegbegleiter
und ist es noch, wir sprechen hier über unsere eigene Geschichte. Manche von uns waren mit ihm
über Jahre in Liebesbeziehungen - auch in den besagten 1990er Jahren. Wir alle sind nicht nur
miteinander, sondern auch mit vielen anderen Genoss*innen aus dieser Zeit in engem Austausch und
sind uns völlig einig: Die beschriebenen Formen der extremen, sexualisierten Gewalt, der Lust am
Quälen und Foltern und des Sadismus sind keine Verhaltensmuster, die bei einem Menschen
punktuell und einmalig auftreten. In all der Zeit, in der wir Henning kennen, hat keine von uns diese
Formen der Gewalt auch nur ansatzweise bei ihm beobachtet oder (mit)erlebt.
Betrachten wir die Anschuldigungen genauer, scheint aber auch der Text in sich widersinnig: Gehen
wir einen Moment davon aus, dass die beschriebenen, schweren Gewalttaten gegen eine Frau
tatsächlich stimmen. Gehen wir davon aus, dass eine Frau mit einer massiven Kopfverletzung und
frischen Brandwunden auf der Intensivstation eingeliefert wird – mit sofortiger Wirkung wären
strafrechtliche Maßnahmen eingeleitet worden. Therapeut*innen unterliegen der Meldepflicht, wenn
potentiell auch Anderen schwere Gewalttaten von einem Täter drohen. Auch der Verweis auf die
Notwendigkeit der Anonymität der schreibenden Person „aus Sicherheitsgründen“ macht keinen Sinn
– in einem Fall wie dem beschriebenen würde der Täter doch sein Opfer kennen und wissen, um wen
es sich handelt?
Wir sind erschüttert über die Wahl der Mittel, mit dem ein Freund und Genosse persönlich, aber auch
beruflich zerstört werden soll.
Damit nicht genug. Was hier zugleich passiert, ist die Instrumentalisierung der Geschichte von
Frauen, die tatsächliche sexualisierte Gewalt erfahren haben. In diesem Schreiben wird die reale
Gewalt gegen Frauen, die wir als kämpfende, linke Frauen auf allen Ebenen nur zu gut kennen,
benutzt als emotionales Schmiermittel, um Empörung und Ausschluss hervorzurufen. Es scheint, als
würde ein anonymes, unverifiziertes Schreiben, das von Nazis oder irgendwem geschrieben worden
sein könnte, ausreichen, um Menschen dazu zu bringen, ungeprüfte Behauptungen zu glauben und
mit einer ungeheuren Wirkmacht weiterzuverbreiten. Dies macht das Leben eines Genossen kaputt.
Wir wissen, dass nicht alle Opfer sexualisierter Gewalt die Kraft haben, sich persönlich der
Öffentlichkeit zu stellen wie es so mutige Frauen wie Gisèle Pelicot oder Collien Fernandes getan
haben. Wir halten es aber bei anonymisierten, konkreten Vorwürfen für notwendig, dass es
Unterstützungsstrukturen gibt, die ansprechbar sind und die die Echtheit der Person beglaubigen
können.
So stehen wir hier als echte Personen, wir stehen hier mit unserem Namen ein. Wir sind ansprechbar.
•
Wir weisen die Vorwürfe zurück und lehnen die persönliche, politische und berufliche
Zerstörung unseres Freundes und Genossen Henning ab.
•
Wir kritisieren die Instrumentalisierung von (sexualisierten) Gewaltverhältnissen gegen
Frauen, um einem Einzelnen Schaden zuzufügen aufs Schärfste. Sie wird es in Zukunft Opfern
sexualisierter Gewalt noch schwerer machen, Gehör und Glauben zu finden.
•
Wir fordern alle, die wissen, wer sich solcher Mittel bedient, zur restlosen Aufklärung dieser
Verleumdung auf.
Anna, Claudia, Kathi, Kathrin, Sabine, Sophia und weitere Freundinnen
Creative Commons by-sa: Weitergabe unter gleichen Bedingungen
Ergänzungen
namen und kontakt und strukturen
hallo,
in diesem statement werden keeine strukturen genannt, an die sich für einen austausch gewendet werden kann.
da dass einer der selbstformulierten ansprüche ist erwarten wir eine möglichkeit der kontaktaufnahme.
solidarische grüsse