PLⒶTTE: Solidarität ist unräumbar!

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Die PLⒶTTE brauchte euren Support und zusammen konnten wir die Räumung verhindern!

Vielleicht habt ihr mitbekommen, was gestern bei uns los war oder wart sogar selber da. Wir wollen gerne darüber berichten, was eigentlich passiert ist:
Der Freitagmorgen begann damit, dass einer unserer vierbeinigen Mitbewohner einen Sicherheitsmensch der Firma CRUX GmbH aus Markranstädt am Zaun entdeckte. Mit der Handykamera in der Hand filmte er durch den Zaun unseren Wagenplatz ab. Auf unsere Nachfrage, was er denn da tue, hieß es „Ich sehe mir an, wie ich euch da wegbekomme“.
Wir reagierten freundlich wie immer und suchten das Gespräch. Trotzdem dauerte es etwas, bis uns ein zugewandterer Ton entgegen gebracht wurde und wir uns auf ein Gespräch im Laufe des Tages mit etwas mehr Ruhe einigen konnten.
Zum Gespräch kamen sie dann auch gegen ca. 11 Uhr. Nur ohne Ruhe. Kaum saßen die zwei Secus mit uns auf dem Platz zusammen eröffneten sie uns, dass sie bevollmächtigt seien uns zu räumen. Zur Unterstreichung dessen rollten in diesem Moment drei Bergungsfahrzeuge des ASD Schkeuditz neben der PLⒶTTE auf. Eine unmissverständliche Drohgebärde. 
Wir blieben ruhig im Gespräch und fanden erst einmal heraus, dass noch gar kein Räumungsbescheid vorliegt. Trotzdem hatte die LEWO AG sich wohl in den Kopf gesetzt, uns mit von ihnen engagierten Räumfahrzeugen wegzuschaffen. Da waren wir natürlich nicht sonderlich begeistert und mussten den Secus mitteilen, dass das so nicht funktioniert und auch keine rechtliche Grundlage besteht.
Zu dem Zeitpunkt waren bereits einige unserer lieben Unterstützer*innen am Platz angekommen. Danke, dass ihr so schnell da wart, das war großartig!
Daraufhin bestanden die Secus darauf, die Zäune „um jeden Preis“ (Zitat Secuboss) abzubauen. Auch dem mussten wir zum Unmut der Secus widersprechen und machten deutlich, dass von uns keine Gewalt ausging, ausgeht oder ausgehen wird. 
Direkte Gespräche mit LEWO Verantwortlichen wurden uns nicht zugestanden. Auf unsere Email an die LEWO AG der letzten Woche haben wir keine Antwort erhalten, obwohl deutlich wurde, dass diese “schwule Mail” (auch Zitat Secuboss) zur Kenntnis genommen wurde. 
Auch auf unsere anwaltliche Unterstützung wollten sie nicht warten und bestanden darauf die Zäune abzubauen. Vier Elemente wurden dann von den Mitarbeitern des Abschleppunternehmens demontiert und der vordere Teil des Platzes geöffnet. Überflüssig eigentlich, da unsere Tore allen Menschen, die uns besuchen möchten, offen stehen.
Daraufhin änderte sich offensichtlich der Plan, nach dem Zaunabbau wieder abzurücken. Stattdessen hieß es, dass nun mit der Räumung fortgefahren werden sollte. Auch hier wieder: „Um jeden Preis“. 
Zu dem Zeitpunkt war bereits zahlreicher PLⒶTTE-Support eingetroffen und räum-logistisch ungünstig standen überall Menschen herum. Auch auf unsere Aufforderung, Platz zu machen, bewegte sich nichts und so konnte der AbschleppLKW unglücklicherweise nicht durchfahren ;-)
Dies war der Start für ein stundenlanges Standoff, klassisch wie aus dem Film. Draußen standen die Abschleppwägen, dazwischen standen Menschen und auf dem Platz standen unberührt und behütet unsere Wägen. 
Diese Situation zog sich bis ca. 18.00 Uhr. Bis dahin war auf dem Platz vor der PLⒶTTE eine wunderbar sonnige Stimmung entstanden, Musik lief, die Bar wurde rausgestellt und bestückt. Wie ein Festival mit dem etwas seltsamen Hintergrundgeräusch des dauerhaft laufenden Abschleppwagens. Dieser konnte wohl wegen Startproblemen nicht ausgemacht werden. Irgendwann zogen die Secus endlich ermüdet ab. Der Sektkorken knallte und das ganze ging direkt in einen wunderbaren und völlig entspannten Abend mit Ravemusik von nebenan sowie Feuertonnen und Getränken bei uns über. Das war ein fabulöser Ausklang dieses skurrilen Tages!
Wir sind wahnsinnig begeistert, wie schnell und wie viele gekommen sind und wie standhaft ihr uns geholfen habt, diesen Räumungsversuch abzuwehren! Es ist großartig, diesen Zusammenhalt zu spüren!

Die Frage bleibt, wie es nun weitergeht. Wir hoffen sehr, dass die LEWO davon absieht, den zivilrechtlichen Weg gegen uns zu beschreiten und weitere Repressionsmittel gegen die PLⒶTTE anzuwenden. Die nächste Zeit bleibt wohl spannend und wir brauchen euch weiterhin. Zusammen können wir einiges bewirken und zeigen, dass wir bereits ein Teil des Kiezes sind und hierher gehören!

Wir wollen uns gerne direkt an die LEWO wenden:
Wir sind kein Grund dafür, dass die Verhandlungen mit der Stadt die Grundstücksfläche betreffend, sich verändern müssen. Die Fläche liegt brach, zukünftige Pläne damit brauchen in jedem Falle noch Zeit. Bis dahin haben wir hier einen Ort der Begegnung, des Austausches und des kulturellen Zusammenkommens aufgebaut. In freundlicher Kooperation mit unseren Nachbar*innenprojekten und großer positiver Resonanz aus dem Kiez. Wir stören hier nicht; wir bereichern! Warum uns also aufwändig und gegen das Interesse der Menschen hier und im Kiez räumen?!
Darüber hinaus würden wir uns sehr über eine direkte Kommunikation freuen. Verhandlungen über Zwischenstationen und eigentlich unbeteiligte Dritte, wie z.B. den Chef einer Security Firma, halten wir für nicht zielführend. Wir sind gerne gesprächsbereit, per Mail oder auch hier vor Ort begrüßen wir Sie gerne zu einem Kaffee in der Sonne. 

Bis dahin, liebe Grüße von der PLⒶTTE

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