Hanau Gedenken Hannover

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Am 19. Februar jährt sich der rassistisch motivierte Terroranschlag von Hanau zum sechsten Mal. Wie in jedem Jahr finden bundesweit Demonstrationen statt. Und das ist gut so. Es ist wichtig  den Opfern zu gedenken, um sie zu trauern, wütend zu bleiben – und das staatliche Versagen zu benennen, das diesen Anschlag möglich machte.

Kaum etwas sorgt auf Demos für mehr Gänsehaut als der Ruf in Richtung Polizei:

Wo, Wo, Wo wart ihr in Hanau?

Eine Frage, die bis heute unbeantwortet im Raum steht.

Auch in Hannover gibt es wieder verschiedene Veranstaltungen zum Jahrestag. Es ist grundsätzlich positiv, dass sechs Jahre später noch immer Veranstaltungen organisiert werden. 

Aber wir wären nicht in Hannover, wenn es nicht auch hier gelänge, selbst eine Hanau-Gedenkdemo politisch gegen die Wand zu fahren.

 

 

So ruft das „Migra Bündnis“ zur Demonstration auf – gemeinsam mit Gruppen wie den Falken Hannover, Fem_Migra oder Koga_Hannover. Und selbstverständlich darf auch die Lobbyorganisation des „Staates Israel“ nicht fehlen. Dass zwischen den aufrufenden Gruppen personelle und politische Überschneidungen bestehen, überrascht dabei ebenso wenig wie die ideologische Geschlossenheit.

Was sie eint: Auch nach über zwei Jahren bringen sie es nicht über die Lippen, den Genozid in Gaza als das zu benennen, was er ist. Man könnte an dieser Stelle ausführlich darauf eingehen, wie gern KOGA (Kollektiv gegen Antifas) mit den Rassisten von Irone Dome kuschelt oder auch mal Antifaschistinnen diffamiert. Man könnte erwähnen, dass die Falken Hannover weiterhin an Zusammenarbeit mit israelischen Partnerorganisationen festhalten oder „jede erdenkliche Hilfe der Bundesregierung für Israel“ – was selbstredend inklusive Waffenlieferungen meint– einfordern.

Aber ganz ehrlich: Das letzte Aufbäumen einer an ihren eigenen Widersprüchen kollabierenden antideutschen Szene in Hannover verdient keine Abrechnung mehr. Viel zu irrelevant für das tatsächliche politische Geschehen und entkoppelt von der Linken Bewegung ist man  dort. 

Stattdessen lohnt der Blick auf das JuFo (Junge Union für Opfer) Hannover – die Jugendorganisation der DIG (Deutsch Israelischen Gesellschaft). Diese Lobbystruktur nutzt die Hanau-Demo einmal mehr für ihr Pinkwashing-Narrativ eines angeblichen antirassistischen Engagements. Dass das Jufo in Hannover politisch kaum Relevanz besitzt, ist immerhin ein kleiner Trost. Irritierend bleibt jedoch, wie oft ihm bloß mit Gleichgültigkeit statt mit klarer Ablehnung begegnet wird.

 Man könnte seitenlang über die Kriegsverbrechen sprechen, die das Jufo schweigend hinnimmt oder durch seine Lobbyarbeit politisch flankiert. Entscheidend ist jedoch etwas anderes für die Hanau Demo: Wie kann es sein, dass eine Organisation, die sich demonstrativ im Landtag mit dem Sprecher des Verfassungsschutzes Niedersachsen trifft – und das auch noch stolz auf Instagram präsentiert –, auf einer Hanau-Gedenkdemo willkommen ist?

Zur Erinnerung: Wir sprechen von jener Institution, deren Behörden im Vorfeld des Anschlags von Hanau eklatant versagt haben. Von Sicherheitsapparaten, die rechte Netzwerke regelmäßig „übersehen“, relativieren oder verharmlosen. Und genau dort posiert man lächelnd für Fotos – während man gleichzeitig zur Gedenkdemonstration für die Opfer rechten Terrors mobilisiert?

Wer mit staatlichen Repressionsorganen Fotos macht, die beim Kampf gegen rechten Terror versagt haben, kann nicht glaubwürdig Teil einer wütenden, anklagenden Erinnerungskultur sein.

Für uns ist klar: Organisationen, die so handeln, oder sich mit ihnen gemein machen haben in linken Räumen keinen Platz.

Gegen die Instrumentalisierung des Hanau-Gedenkens.

Für eine konsequente, wütende und solidarische Erinnerungskultur.

 

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