[RD] Nazipropaganda sabotiert - „Schwarze Kreuze“ entfernt

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Nachdem sich die bundesweite, extrem rechte Aktion der „Schwarzen Kreuze“ in Schleswig-Holstein im letzten Jahr auf Nordfriesland konzentriert hatte, konnten die Nazis dieses Jahr in und um die Stadt Nortorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde bei ihrer Propagandaaktion beobachtet und gestört werden.

 

 

Diese Kampagne zur Etablierung eines „Volkstrauertag der Deutschen“, die von den beiden Nazirappern „A3stus“ und „Villain051“ 2014 ins Leben gerufen und seitdem jährlich wiederholt wird (vgl. https://www.berlin.de/sen/inneres/verfassungsschutz/publikationen/info/info-musik-web-ds.pdf), bespielt vor allem die eigene Filterblase, da die Aufschriften auf den Kreuzen im Vorbeifahren kaum lesbar sind und die Botschaft Nicht-Szenekenner*innen meist unklar bleibt. „Einzig auf Facebook […] erhält man einen Eindruck davon, welche Absichten die Frauen und Männer damit verfolgen,“ beschwert sich der Online-Aufritt der „Morgenpost Sachsen“.

 

Den Nazis geht es darum, deutsche Mordopfer, die von vermeintlichen „Ausländern“ getötet wurden, für ihre Zwecke, also der Propagierung der nationalsozialistischen Weltanschauung, zu instrumentalisieren. Belltower News analysiert einen ähnlichen Fall: „hier wird ein hoch emotionales Thema benutzt, um spätestens im zweiten Schritt rassistische Botschaften zu verbreiten. Die Grundtaktik ist in allen Fällen gleich: Rechtsextreme bieten vermeintlich einfache Antworten auf komplexe Fragen. Tatsächlich ist die Bereitschaft, diese einfachen Antworten zu akzeptieren, nach schrecklichen Taten wie Kindesmissbrauch oder dem Tod von Daniel S. anscheinen[d] groß.“ (http://www.belltower.news/artikel/die-instrumentalisierung-einer-tragoedie-zum-mordfall-von-kirchweyhe-8592)

 

 

 

Die Nazis, die anders als extrem rechte Kräfte in Berlin usw. erst einen Tag nach dem ausgerufenen „Volkstrauertag der Deutschen“ in Nortorf sowie benachbarten Dörfern unterwegs waren, verwendeten neben abgekürzten Namen und Sterbedaten auch Sprüche wie „Kein Vergessen“, wobei das Doppel-S mit Sigrunen dargstellt wurde - nach § 86a StGB strafbar. Am Kopf vieler Kreuzen prangte die Elhaz-Rune, die während der NS-Diktatur auch auf den Grab von SS-Soldaten angeracht wurde. Am Wahrzeichen des geographischen Mittelpunkts Schleswig-Holsteins wurde eine Odalrune gefunden, die „im Zusammenhang mit rechtsextremen Inhalten“ ebenfalls „einem Verbot […] unterliegt“. Wohl auch deshalb entfernte die Polizei Nortorf, die von Anwohner*innen informiert worden war, die meisten Kreuze wieder und kontrollierte die extrem rechten AktivistInnen. Antifaschist*innen kümmerten sich um die Kreuze im Umland, wobei an vielen Orten anscheinend couragierte Dorfbewohner*innen sich schon ein Herz gefasst hatten und die Schwarzen Kreuze zerschlagen herumlagen oder in Mülleimern vorzufinden waren.

 

 

 

Zuletzt war es in Nortorf in puncto Naziaktivitäten ruhig geworden: Nachdem die an den Autonomen NationalistInnen orientierte „Aktionsgruppe Nortorf“, die sich nach dem Zuzug des Lübecker Nazis Christian Schielke gegründet hatte (vgl. http://antifarendsburg.blogsport.de/2012/08/20/naziaktivitaeten-in-schacht-audorf/) und vor allem Nazis aus dem Rendsburger Umland rekrutierte, ihre Arbeit weitgehend einstellte, machte zuletzt Frank Legrum, Vater zweier Nazis der ehemaligen „AG Nortorf“ und Direktkandidat der AfD bei der Landtagswahl 2017 für den Wahlkreis Rendsburg, mit extrem rechten Ausfällen von sich Reden. (vgl. https://daserste.ndr.de/panorama/aktuell/afd892_page-2.html)

 

 

 

Die Reaktion der Anwohner*innen und die schnelle antifaschistische Intervention sollte den Nazis erneut vor Augen führen: Es gibt kein ruhiges Hinterland!

 

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