Niemand muss Täter sein!

CN/TW: Sexualisierte Gewalt, Machtmissbrauch

Linke Räume sind nicht frei von patriarchalen Machtstrukturen, Diskriminierung, Machtmissbrauch und (sexuellen) Übergriffen. Linke Räume sollten safer spaces sein für FLINTA* Personen sowie alle Menschen und sich mit allen betroffenen Menschen solidarisieren, die sich durch patriarchale Machtstrukturen, Diskriminierung, Missbrauch und (sexuellen) Übergriffe unterdrückt und bedroht fühlen.

 

Jan Gorkow, bekannt als Monchi, steht mit der Band Feine Sahne Fischfilet auf der Bühne und hat sich damit auch in linken Kreisen einen Namen gemacht. Aktuell tourt Jan Gorkow mit Lesungen zu seinem Buch Niemals satt durch die gesamte BRD und erreicht in Rezensionen die Zuschreibung einer „ungeschönten“, „selbstkritischen“, „grundehrlichen“ Selbstreflexion.

Wir meinen: Jan Gorkow ist „schonungslos“, „gewalttätig“, „narzisstisch“, „hart“, „maßlos“, grenzüberschreitend und bekennender Lokalpatriot.

Gegen Jan Gorkow gibt es Anschuldigungen sexualisierter Gewalt und des Machtmissbrauchs. Wir wissen, dass er ein Täter ist. Wir wollen hier allen Betroffenen größtmöglichen Schutz bieten und werden daher an dieser Stelle keine Einzelheiten über die Taten veröffentlichen. Wir fordern: Schaut hinter die Fassade! Solidarität mit allen Betroffenen! Wir können das Handeln und das Schweigen des Labels audiolith, des Managements JKP und vor allem von Feine Sahne Fischfilet in keinster Weise verstehen und sind erschüttert, wie sich das öffentliche Bild dieser Person, die sich nach außen mit solidarischen und politischen Aktionen schmückt, halten kann. Wir schenken allen Betroffenen uneingeschränkten Glauben und fordern:

Keine Bühne für Täter! Schluss mit dem Mackertum! Schluss mit sexuellen Übergriffen! Wir fordern: Gerechtigkeit und Aufklärung sowie tatsächliche Ehrlichkeit und Selbstreflexion!

Wir sagen: Keine Bühne DEM Täter! Solidarisiert euch mit den Betroffenen sexualisierter Gewalt! Hinterfragt Jan Gorkow und die Rolle, die er sich mit seiner Band und dem Buch Niemals satt geschaffen hat!

Wir fragen uns: Sollten die noch bevorstehenden Termine seiner Lesereise ohne kritisches Hinterfragen und ohne Widerspruch stattfinden?

Wenn ihr selbst betroffen seid, möchten wir euch herzlich einladen uns zu schreiben. Wir werden ein offenes Ohr für euch haben. Gerne können wir auch eine Plattform bieten, um betroffene Personen zusammenzuführen und geben euch gerne jegliche Unterstützung sowie Support. Uns liegt dieses Thema sehr am Herzen, da wir teilweise selbst betroffene Personen sexualisierter Gewalttaten sind. Eine entsprechende E-Mail Adresse wird aktuell eingerichtet und in den kommenden Tagen hier und über unsere Kanäle veröffentlicht werden.

Quellen:

– Jan Gorkow schreibt: „Es wird immer maßlos!“ (https://www.ndr.de/kultur/buch/tipps/Von-brechenden-Stuehlen-und-Sucht-S...)

– Die Kritiker*innen bewerten das Buch als „ungeschönt und ehrlich“ (OZ, Stefanie Büssing), „[…] eine sehr ehrliche, selbstkritische, stellenweise äußerst drastische Bestandsaufnahme.“ (RND, Jan Sternberg); „[…] man bleibt einfach gern sitzen bei diesen Typen, der unkorrekt, leidenschaftlich und grundehrlich ist.“ (NDR Kultur, Leonore Lötsch)

– „hart“: Jan Gorkow mit taz (https://taz.de/Monchi-von-Feine-Sahne-Fischfilet/!5846380/)

– „gewalttätig“: „Angefangen bei seinen gewalttätigen Eskapaden als Hansa Rostock-Fan bis hin zu seinen Touren mit ‚Feine Sahne Fischfilet‘, flankiert von vielfältigen Engagements künstlerischer, politischer, mitunter auch extremer Natur.“ (https://www.nordkurier.de/demmin/warum-sich-saenger-monchi-in-jarmen-fas...)

– „schonungslos“: Aus der Kritik „Ein ehrlicher, schonungsloser Bericht über einen schweren Weg voller Überwindungen und Hürden, über eine Suche nach Ursachen, die letztendlich zu ehrlicher Selbstreflexion führt“ (APA Austria, Presse Agentur)

– „narzisstisch“: „Dann kommt bestimmt mein Narzissmus dazu“ (Jan Gorkow im Interview mit Jan Sternberg, https://www.rnd.de/promis/feine-sahne-fischfilet-saenger-monchi-hat-65-k...)

 

Lizenz des Artikels und aller eingebetteten Medien: 
Creative Commons by-sa: Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Ergänzungen

ein abgesang mit ankündigung. das eingeständnis von sexistischem verhalten in seinem buch, wohl dosiert, ohne zuviel details. das setting bestimmt immer noch der täter! das schnelle statement der band, um der diskussion zuvorzukommen. die opfer werden respektiert, ernstgenommen, hauptsache sie halten die fresse und sprechen nicht klartext. zeitgleich das stern interview mit der öffentlichen lossagung von der linken, die botschaft ist klar: eure regeln gelten nicht für mich!

Hat der Austritt von den beiden Bandmitgliedern bei Feine Sahne Fischfilet etwas mit Gorkows Übergriffen zu tun?

Dann sehr gerne verlinken oder publizieren. Es wird zwar erwähnt bleibt dann aber eher auf hörensagen und der Text arbeitet sich anschliessend eher an der Interpretation von Veröffentlichungen von ihm ab. So ist das sehr allgemein und strukturell gehalten. Wenn aktiver Boykott gewünscht ist, wäre für Akteur:innen mit Abstand etwas mehr Kontext sinnvoll und notwendig. Das ist solidarisch gemeint im Sinne von Verbreiterung.

Bisher gibt es wohl kein Statement von FSF-Label AUDIOLITH bei dem ja nun etliche sich als links labelnde und verstehende Artist unter Vertrag sind. Hier stellt sich die Frage, warum bisher kein Statement? Es ist schwer bis gar nicht vorstellbar, dass sowohl alle anderen Mitglieder der Band als auch das direkte Umfeld nichts von Monchis Verhalten wussten. Gleiches gilt für Antifa-Strukturen in MV. In etlichen Beiträgen bei Twitter, Instagram und Facebook wird dargestellt, dass es bereits seit längerem Vorwürfe gegen Monchi gibt und diese >>ein offenes Geheimnis« seien. Wo bleiben also die Stellungnahmen des Labels, anderer Artists und nicht zuletzt lokaler Strukturen aus MV und anderen Regionen?

Antifa-Strukturen in MV: Übergriffe und Machtmissbrauch sind bekannt. Seit etlichen Jahren. Ebenso wissen Hamburger und Berliner Strukturen bescheid. Kannst ja mal aktiv Strukturen ansprechen.

Die Band: naturlich weiß sie Bescheid, sie ist ja zum Teil in Strukturen eingebunden.

Andiolith: keine Ahnung aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die in einem luftleeren Raum leben.

Ihr könnt euch hier drehen und wenden wie ihr wollt: euer Definitionsmachtgejaule ersetzt nicht die Konkretisierung der Vorwürfe und ihre Belegung durch Beweis. Wenn ihr das nicht schafft, ist all das hier eine bloß zur Hexenjagd verkommene Luftnummer die weit hinter die Prinzipien des bürgerlichen Rechtsstaates zurückfällt. Da hilft auch meine Moralisieren und keine Täterschutzvorwurf - euch wird schlicht niemand für voll nehmen und dies völlig zurecht.