Patriarchale Strukruren und Täterschutz in Hannover

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Wir sind wütende FLINTA*s aus Hannover. Wütend auf patriarchale Gewalt, auf Mackertum in linken Strukturen und auf diejenigen, die sich nach außen feministisch geben, während sie im eigenen Umfeld wegschauen. Und wir haben keine Lust mehr, dazu zu schweigen.

Am 18.10. veröffentlichte das Offene Antifa Café (OAC) Hannover gemeinsam mit dem „FLINTA Bündnis“ einen Aufruf zum gemeinsamen Bannermalen anlässlich des 25. November, dem internationalen Tag gegen patriarchale Gewalt.

 

Ein Aufruf, der uns fassungslos und wütend macht.

Denn während das OAC nach außen feministische Kämpfe unterstützt, erleben wir seit Jahren, wie in seinem Umfeld patriarchale Gewalt relativiert, Tätern der Rücken gestärkt und Betroffene im Stich gelassen werden.

Feminismus ist kein Banner, das mensch einmal im Jahr hochhält, um sich anschließend wieder mit den eigenen Mackern gutzustellen.

Aus Rücksicht auf die betroffenen FLINTA*s werden wir an dieser Stelle bewusst keine detaillierten Schilderungen der Gewalterfahrungen veröffentlichen. Ihre Geschichten gehören ihnen. Niemand ist verpflichtet, eigene Traumata öffentlich auszubreiten, damit patriarchale Gewalt endlich ernst genommen wird.

Was wir aber benennen wollen, ist der Umgang mit den Vorwürfen und den beschuldigten Personen.

In einem der uns bekannten Fälle wurde eine Person nach unserem Kenntnisstand wegen Gewalt gegen eine FLINTA* gerichtlich verurteilt. Trotzdem ist für uns bis heute keine klare Distanzierung des OAC von dieser Person erkennbar.

Wie weit die Solidarität mit Beschuldigten im Umfeld des OAC reicht, zeigte sich aus unserer Sicht auch am Rande der Demonstration „Nazizentren dichtmachen“. Nachdem Ordner*innen die betreffende Person von der Demonstration ausgeschlossen hatten, solidarisierten sich dem OAC nahestehende Personen unter Protest mit ihr und verließen anschließend gemeinsam die Demonstration.

Anstatt den Ausschluss zu respektieren, wurde öffentlich Solidarität mit der ausgeschlossenen Person gezeigt.

Was ist eine feministische Haltung wert, wenn sie genau dort aufhört, wo es um die eigenen Freunde und Genossen geht?

Für uns steht dieser Vorfall nicht isoliert. Seit Jahren bestehen enge Verbindungen zwischen dem OAC-Umfeld und einem Kreis von Graffiti-Malern, dessen Umgang mit patriarchalem Verhalten wir als zutiefst problematisch erleben. Gegen mehrere Personen aus diesem Umfeld wurden in den vergangenen Jahren Vorwürfe erhoben. Konsequenzen blieben nach unserer Wahrnehmung in vielen Fällen aus.

Es geht uns dabei nicht um eine vermeintliche moralische Reinheit linker Räume. Es geht um Verantwortung. Um die Frage, ob Betroffene ernst genommen werden oder ob persönliche Freundschaften, Szenezugehörigkeit und die eigene politische Reputation am Ende schwerer wiegen.

Patriarchale Gewalt ist kein Problem, das nur außerhalb unserer Strukturen existiert. Sie verschwindet nicht, weil Menschen sich Antifaschist*innen nennen, linke Parolen rufen oder feministische Sticker verkleben. Auch linke Räume sind durchzogen von patriarchalen Machtverhältnissen, Männerbünden und Schweigestrukturen.

Gerade deshalb ist es notwendig, das eigene Umfeld zu hinterfragen, statt Gewaltvorwürfe als unangenehme Störung des Szenealltags zu behandeln.

Wer feministische Kämpfe für sich beansprucht, muss sich auch dann mit patriarchaler Gewalt auseinandersetzen, wenn die Vorwürfe die eigenen Genossen betreffen.

Wir sind es leid, dass FLINTA*s in vermeintlich emanzipatorischen Räumen immer wieder selbst dafür kämpfen müssen, ernst genommen zu werden. Wir sind es leid, dass der Schutz Betroffener zur Verhandlungssache wird, sobald die beschuldigte Person gut vernetzt ist. Und wir sind es leid, dass diejenigen, die diese Widersprüche ansprechen, häufig mehr Widerstand erfahren als die Strukturen, die sie kritisieren.

Besonders bitter ist es, wenn wir uns nicht einmal bei einem Vorbereitungstreffen zum Tag gegen patriarchale Gewalt darauf verlassen können, dass die beteiligten Strukturen selbst eine konsequent antipatriarchale Haltung vertreten.

Der 25. November ist kein Tag für feministische Selbstdarstellung. Er ist ein Kampftag gegen patriarchale Gewalt. Ein Tag, an dem Betroffene und ihre Perspektiven im Mittelpunkt stehen sollten – nicht das Bedürfnis linker Gruppen, sich ein feministisches Image zu geben.

Antipatriarchale Praxis beginnt nicht beim Bannermalen. Sie beginnt dort, wo Solidarität unbequem wird.

Deshalb fordern wir:

  • Das sofortige Ende der Zusammenarbeit zwischen dem FLINTA Bündnis und dem OAC Hannover.
  • Den Ausschluss des OAC aus feministischen und linken Räumen, bis eine ernsthafte, betroffenenorientierte Aufarbeitung der kritisierten Vorgänge stattgefunden hat.
  • Eine klare Distanzierung von patriarchaler Gewalt und dem Schutz gewaltausübender Personen sowie einen transparenten Umgang mit den erhobenen Vorwürfen.
  • Konsequente Solidarität mit Betroffenen statt Loyalität gegenüber den eigenen Mackern.

Wir wollen keine weiteren leeren Bekenntnisse zum Feminismus. Wir wollen Strukturen, in denen Betroffene nicht fürchten müssen, auf die Freund*innen ihrer Täter zu treffen. Strukturen, in denen patriarchale Gewalt nicht aus falsch verstandener Solidarität verschwiegen wird. Strukturen, die Kritik zulassen und Verantwortung übernehmen.

Wer von Feminismus spricht, muss sich auch an feministischer Praxis messen lassen.

Keine Solidarität mit patriarchaler Gewalt!

Gegen Mackertum, Männerbünde und Täterschutz – auch und gerade in unseren eigenen Reihen!

Für einen konsequent antipatriarchalen, betroffenenorientierten und antiautoritären Feminismus!

Wütende FLINTAs aus Hannover*

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