Es wird Abend in der Stadt

<p>Der Schleier zwischen den Welten wird in dieser Nacht fallen. Die für uns noch verborgene Welt ist keine gemachte Welt, keine historische Garantie auf etwas Anderes. Die Welt, die durch den Verrat am Bestehenden werden kann, ist nur eine Möglichkeit. Die Aufstände unserer Zeit tragen die Möglichkeit der Revolution in sich, nicht aber die Tatsache ihres Werdens.</p>
<p>Die Politik der Gesellschaft mit ihren konstitutionellen Sprachrohren erbricht seit Wochen immer neue Geschichten in den Äther, mit denen der Aufstand erklärt werden soll. Ob sie sich nun immer tiefer in den Rassismus oder die Soziologie hinein graben, kann uns egal sein. Die beschworene Erneuerung des Gesellschaftsvertrags ist so ziemlich das absolute Gegenteil von dem, was die historische Partei des Aufstands anstreben muss. Die Angstmacherei vor dem Bürgerkrieg ist eine absolute Farce, der Bürgerkrieg ist längst Teil der gesellschaftlichen Verwaltung durch die Normalisierung des Ausnahmezustands.</p>
<p>Für die revolutionären Kerne der aufständischen Partei gibt es in der jetzigen Phase der Aufstände einiges zu beachten, damit der Verrat und die Verschwörung der Auständischen möglichst lange unkontrollierbar, unregierbar bleiben. Wir sehen momentan zwei Felder, die besondere Beachtung benötigen. Zum Einen eine Ethik der Destitution und zum Anderen die Frage der taktischen Verortung der revolutionären Kerne in den Momenten des Konfrontation.</p>
<p>In der jetzigen Phase der Aufstände zeichnet sich die Ethik der Destitution durch revolutionäre Gesten und das Erzählen neuer Geschichten aus. Die Wirkungsmacht dieser Gesten und Geschichten muss darauf abzielen, den destituierenden Charakter der Aufstände so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Gesten und Geschichten, die die Ablehnung der Welt in ihrem Zentrum tragen, ohne je die Möglichkeit der Revolution aus den Augen zu verlieren.<br class='autobr' />
Wir haben in so vielen Momenten erlebt, wie die Unregierbarkeit der Aufstände dem Management der Forderungen gewichen ist. Es liegt in der Natur der Politik, dass sie immer wieder aufs Neue versucht, jede Abweichung, jede noch so kleine Revolte zurück in die Gesellschaft zu zerren. Aber genau dieser Vereinnahmung durch die Politik gilt es entgegen zu wirken. Die politische Ethik der Revolte muss sich primär gegen die konstitutionelle Einmischung der Politik stellen; nur so besteht die Möglichkeit auf das Entstehen eines erlebten Wir, auf das Entstehen neuer, eigenständiger Kerne revolutionärer Partisan*innen.</p>
<p>Die taktische Verortung der revolutionären Kerne betrifft zum jetzigen Zeitpunkt vor Allem unser eigenes Handeln in der Konfrontation. Wir, die wir mit einem taktischen und materiellen Verständnis des Feindes uns in der Konfrontation bewegen, müssen uns fragen, wo unser Eingreifen den grössten, taktischen Nutzen hat. Unserer Einschätzung nach ist dieses Eingreifen dort am nützlichsten, wo es die Handlungsfähigkeit des Feindes einschränkt, d.h. seine Mobilität, seine Möglichkeiten zur ungestörten Durchführung seiner eigenen Taktik, etc. Welche Mittel dafür in Frage kommen, ist unserer Meinung nach primär eine Frage geleitet von revolutionärer Ethik und Taktik. Weder Spektakel noch Zurückhaltung sind gute Berater*innen.</p>
<p>Wir, die wir in den Aufständen der Vergangenheit schon hinter den Schleier geblickt haben, sollten es uns zur Aufgabe machen, ihn heute so lange wie möglich zu lüften, auf dass die Welten dahinter eine Chance haben, Gegenwart zu werden!</p>
<p>Die aus dem Schatten springen</p>

-
<a href="https://barrikade.info/-Analyse-" rel="directory">Analyse</a>

/
<a href="https://barrikade.info/+-Politische-Gedanken-+" rel="tag">Politische Gedanken</a>,
<a href="https://barrikade.info/+-zweite-Position-+" rel="tag">zweite-Position</a>

webadresse: 
https://barrikade.info/Es-wird-Abend-in-der-Stadt-7809
Regionen: 
feed-date: 
Samstag, Oktober 31, 2026 - 22:34