Kreativer Protest: Hunderte demonstrieren gegen Preisverleihung an Peter Thiel
<p>Gegen die Verleihung des Axel Springer Awards an den rechten Oligarchen Peter Thiel haben in Berlin hunderte Menschen demonstriert – eine Person sogar bei der Preisverleihung selbst. Sie kritisierten Thiels Rolle beim Aufbau einer autoritären Gesellschaft und die Beteiligung seiner Unternehmen in Kriegen.</p>
<figure class="wp-caption entry-thumbnail"><img width="1920" height="1084" src="https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/IMG_1122-scaled-e179027364... class="attachment-landscape-860 size-landscape-860 wp-post-image" alt="Menschen protestieren als Gandalf verkleidet vor dem Springer-Gebäude. Sie tragen Schilder mit Aufschriften wie "Thiel mir das Lied vom Tod", "Dit is mir alles zu Thiel" oder "Zu Thiel des Bösen"" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/IMG_1122-scaled-e179027364... 1920w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/IMG_1122-scaled-e179027364... 857w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/IMG_1122-scaled-e179027364... 1196w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/IMG_1122-scaled-e179027364... 380w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/IMG_1122-scaled-e179027364... 1536w" sizes="auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /><figcaption class="wp-caption-text">Gandalf stellt sich gegen Peter Thiel vor dem Springer-Hochhaus. <span class='media-license-caption'> – <a class="" rel="license" target="_blank" href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de">CC-BY-SA 3.0</a>: netzpolitik.org</span></figcaption></figure><p>Hunderte Menschen haben am Donnerstagabend gegen den Axel-Springer-Award, den autoritären Ideengeber Peter Thiel und dessen Unternehmen in Überwachungs- und Rüstungsindustrie demonstriert. Der Milliardär Thiel bekam vom Axel-Springer-Verlag am Abend einen Preis verliehen. <a href="https://www.axelspringer.com/de/ax-press-release/peter-thiel-erhaelt-den...ündet hatte dies der Verlag</a> unter anderem damit, dass Thiels Überwachungskonzern Palantir eines der wichtigsten Unternehmen unserer Zeit „für die Resilienz von Demokratien“ sei. <a href="https://netzpolitik.org/tag/peter-thiel/">Thiel</a> und <a href="https://netzpolitik.org/tag/palantir/">Palantir</a> werden allerdings weithin als Gefahr für die Demokratie wahrgenommen.</p>
<p>Höhepunkt der Demonstration, bei der auch zahlreiche Menschen gegen die <a href="https://netzpolitik.org/2026/interview-ueber-ki-und-das-lavender-system-... von Thiels Unternehmen im Gaza-Konflikt</a> protestierten, war eine Gandalf-Modenschau. Die Demonstration vor dem Axel-Springer-Haus stand unter dem Motto „Thiel shall not pass“ („Thiel darf nicht durchkommen“) – eine Anspielung auf ein Zitat der Figur Gandalf aus dem Herrn der Ringe. Der Zauberer Gandalf kämpft in diesem Epos für das Gute; Thiel hingegen benennt seine Firmen gerne nach Gegenständen und Figuren des Buchs.</p>
<h2>„Blanker Hohn“</h2>
<p>Maximilian, Sprecher der Demonstration, kritisiert gegenüber netzpolitik.org, dass Thiel „nichts als Verachtung für demokratische Institutionen und letztlich auch für Menschenleben übrig“ habe. Es sei blanker Hohn, dass er heute so einen Preis bekomme. Produkte von Thiels Unternehmen seien in Kriegen bei der Automatisierung des Tötens und hierzulande bei der Überwachung der Bevölkerung beteiligt.</p>
<p>„Sicherheit wird nicht dadurch geschaffen, dass wir Polizei immer neue Spielzeuge in die Hand geben“, so der Sprecher weiter. Sicherheit in Gesellschaften würde nicht dadurch geschaffen, dass man beim Sozialstaat immer weiter kürze, sondern im Gegenteil in diesen investiere.</p>
<p>Ähnliches sagt Lea, die beim Protest gegen Thiel auf der Straße war: „Palantir ist ein System, das die Demokratie aushöhlt. Zum Protest hierher zu kommen, schafft ein Gemeinschaftsgefühl. Man merkt, man ist nicht allein mit diesem Gedanken. Palantir und der Einfluss auf unsere Demokratie ist nicht normal.“</p>
<h2>Protest sogar auf der Bühne bei der Preisverleihung</h2>
<p>Die Veranstalter sprachen von 400 Teilnehmenden auf der Kundgebung vor dem Springer-Gebäude. Die Berliner Polizei hatte die Preisverleihung mit einem Großaufgebot und hunderten Metern Absperrgittern abgesichert. Doch selbst das hat einen Protest auf der Preisverleihung selbst nicht verhindern können.</p><div id="netzpolitik-cta-530890" class="netzpolitik-cta"><div class="campaign-landtagswahl2026 campaign-landtagswahl2026__stoerer alignfull">
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<h3 class="headline">Wir befreien Dokumente. <br> Für deine Grundrechte.</h3>
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<p>Denn offenbar gab es auch eine Aktion im Axel-Springer-Haus selbst. Laut einem Foto, das der <a href="https://x.com/MichaelBroecker/status/2103181592340689045">Table-Briefing... Michael Bröcker auf X verbreitete</a>, ist eine Person auf der Bühne vor Mathias Döpfner und Peter Thiel zu sehen, die ein Transparent mit der Aufschrift „They know that we know that they lie“ („Sie wissen, dass wir wissen, dass sie lügen“).</p>
<p>Auf unsere kurzfristige Presseanfrage zum Vorfall haben Springers Presseabteilung und die Berliner Polizei noch nicht geantwortet.</p>
<figure id="attachment_533747" aria-describedby="caption-attachment-533747" style="width: 900px" class="wp-caption alignright"><a href="https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/IMG_1420.jpg"><img decoding="async" class="size-large wp-image-533747" src="https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/IMG_1420-900x675.jpg" alt="Menschen posieren als Gandalf auf einem Laufsteg." width="900" height="675" srcset="https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/IMG_1420-900x675.jpg 900w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/IMG_1420-645x484.jpg 645w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/IMG_1420-1536x1152.jpg 1536w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/IMG_1420.jpg 1600w" sizes="(max-width: 900px) 100vw, 900px"></a><figcaption id="caption-attachment-533747" class="wp-caption-text">Auf dem Laufsteg stellen sich queere Gandalfe Peter Thiel entgegen. <span class="media-license-caption"> – <a class rel="license" target="_blank" href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de">CC-BY-SA 4.0</a>: netzpolitik.org</span></figcaption></figure>
<h2>Auch DJV kritisiert Preisverleihung</h2>
<p>Schon vor der Kundgebung fand am Nachmittag ein <a href="https://www.againstoligarchy.org">Teach-In zum Thema Tech-Faschismus</a> statt. Dabei sprachen unter anderem der Karlsruher Wissenschaftler <a href="https://www.itas.kit.edu/kollegium_coenen_christopher.php">Christopher Coenen</a> sowie <a href="https://www.schader-stiftung.de/personen/artikel/enno-park">Enno Park</a>, <a href="https://www.weizenbaum-institut.de/portrait/p/rainer-rehak/#page=1&t... Rehak</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Katika_Kühnreich">Katika Kühnreich</a>. Sie lieferten den ideengeschichtlichen, philosophischen und theoretischen Hintergrund, warum Peter Thiel und der Tech-Faschismus eine Bedrohung für demokratischen Gesellschaften darstellen.</p>
<p>Kühnreich sagte gegenüber netzpolitik.org: „Dass Peter Thiel, der sich explizit gegen demokratische Gesellschaftsformen ausspricht, diesen Preis verliehen bekommt, muss öffentlich kritisiert werden.“ Es sei ebenso ein Skandal, dass der Springer Verlag einen solchen Preis verleiht – und damit ein Medienunternehmen, das nach internationalem Einfluss sucht, mit seinen Publikationen Stimmung macht und Kampagnen gegen ihm Unliebsames treibe.</p>
<p>Schon am Tag zuvor hatten Aktivist:innen mit einem Banner <a href="https://taz.de/Peter-Thiel-in-Berlin/!6215576/">vor dem Springer-Gebäude gegen Überwachung durch Palantir</a> protestiert. Eine Sprecherin des Bündnisses „Sicherheit ohne Überwachung“ <a href="https://sicherheit-ohne-ueberwachung.org/2026/09/23/pm-kein-preis-fuer-u... Technologien wie Palantir</a> als „zutiefst antidemokratisch und auf eine umfassende datengestützte Kontrolle der Gesellschaft gerichtet“.</p>
<p>Auch der Deutsche Journalistenverband (DJV) kritisierte die Preisverleihung. Thiel sei einer der wichtigsten Förderer von US-Präsident Donald Trump. Der wiederum hat gerade mehrere Medien aus dem Weißen Haus ausgeschlossen, darunter auch Axel Springers Politico. „Das passt nicht zusammen“, <a href="https://www.djv.de/news/pressemitteilungen/press-detail/thiel-ehrung-pas...ärte der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster</a>.</p>
<p><a href="https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/Springer-Thiel-CC-BY-Maya-... loading="lazy" decoding="async" id="longdesc-return-533714" class="alignnone wp-image-533714 size-large" tabindex="-1" src="https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/Springer-Thiel-CC-BY-Maya-... alt="Aktivist:innen halten ein Transparent mit der Aufschrift "Sicherheitspaket verhindern - gegen Palantir & Co."" width="896" height="675" longdesc="https://netzpolitik.org?longdesc=533714&referrer=533688" srcset="https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/Springer-Thiel-CC-BY-Maya-... 896w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/Springer-Thiel-CC-BY-Maya-... 643w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/Springer-Thiel-CC-BY-Maya-... 1536w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/Springer-Thiel-CC-BY-Maya-... 2048w" sizes="auto, (max-width: 896px) 100vw, 896px"></a></p><div id="netzpolitik-cta-533110" class="netzpolitik-cta"><p align="center">–––</p>
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<h2>Thiel als Ideengeber der Rechten</h2>
<p data-legacy="np_legacy_autop">Der Protest kommt nicht ohne Grund: Peter Thiel ist einer der wichtigsten Ideengeber der amerikanischen Rechten, er unterstützt Donald Trump und hat die Karriere des US-Vizepräsidenten JD Vance massiv gefördert. Thiels Weltbild ist, so <a href="https://www.zdfheute.de/panorama/peter-thiel-tech-milliardaer-antichrist... der Historiker Volker Weiß gegenüber dem ZDF</a>, letztlich eine faschistische Dystopie: Eine kleine Elite von Tech-Oligarchen, die sich auch noch theologisch rechtfertige, habe die technischen Werkzeuge in der Hand, um Massen global zu kontrollieren.</p>
<p>Springer-Chef Mathias Döpfner <a href="https://www.axelspringer.com/de/ax-press-release/peter-thiel-erhaelt-den... Thiels Rolle hingegen so</a>: „Neben seinem unternehmerischen Wirken hat Peter Thiel die öffentliche Debatte über Innovation, Freiheit und die Zukunft westlicher Gesellschaften geprägt.“ Den Überwachungskonzern Palantir nannte Döpfner <a href="https://www.zeit.de/news/2026-09/23/peter-thiel-umstrittener-unternehmer...über der dpa</a> eine „Schutzmacht der Demokratie“.</p>
<p>Der Milliardär Döpfner ist mit Milliardär Thiel familiär und über Netzwerke verbunden. So arbeitete Döpfners Sohn Moritz als <a href="https://www.capital.de/wirtschaft-politik/doepfner-sohn-bekommt-mehr-gel... of Staff bei Thiel Capital</a>, Thiel investierte laut Medienberichten 50 Millionen in Moritz Döpfners „Döpfner Capital“. Diese wiederum investierte in das Kampfdrohnen-Startup <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stark_Defence">Stark Defence</a>, in das auch Peter Thiel investiert hat.</p>
<p>Der Axel-Springer-Verlag, der in den letzten Jahren stark in die USA expandiert ist, sucht mit dem Preis offenbar die Nähe der US-Oligarchen. Der Verlag hat mit dem Award <a href="https://www.axelspringer.com/de/ax-press-release/peter-thiel-erhaelt-den... der Vergangenheit viele Tech Bros ausgezeichnet</a>, unter ihnen Mark Zuckerberg, Jeff Bezos, Elon Musk und Sam Altman.</p>
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