Degitalisierung: Der Bärendienst

<p>Der Name der Stadt Berlin ist nicht direkt mit Bären verwandt. Und doch haben dort gleich mehrere Bärendienste einen großen Cyberangriff begünstigt. Dieser Angriff ist kein Einzelfall und die Informationssicherheit in Deutschland grotesk.</p>
<figure class="wp-caption entry-thumbnail"><img width="1920" height="1080" src="https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/jin-yeong-kim-f98dJ8VkuTk-... class="attachment-landscape-860 size-landscape-860 wp-post-image" alt="Eine Fliege in Nahaufnahme" decoding="async" srcset="https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/jin-yeong-kim-f98dJ8VkuTk-... 1920w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/jin-yeong-kim-f98dJ8VkuTk-... 860w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/jin-yeong-kim-f98dJ8VkuTk-... 1200w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/jin-yeong-kim-f98dJ8VkuTk-... 380w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/09/jin-yeong-kim-f98dJ8VkuTk-... 1536w" sizes="(max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /><figcaption class="wp-caption-text">Das lästige Insekt. <span class='media-license-caption'> – Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com: <a href="https://unsplash.com/de/@jkslash" >Jin Yeong Kim</a></span></figcaption></figure>
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Es war einmal ein Bär und ein Hobbygärtner in seinem Altenteil.<br>Beide waren einsam gar und wurden Freunde fortan.<br>Nun lebte der Bär im Gärtlein und verdingte sich hier und dort.<br>Eines Tages schlief der Gärtner friedlich vor sich hin.<br>Es begab sich, dass eine Fliege dem Freund in die Nase kroch.<br>Versucht zu verscheuchen das lästige Insekt der Bär.<br>Nimmt einen Pflasterstein der Bär und wirft ihn voller Kraft.<br>Seinen Freund dabei voller Wucht mit erschlagen hat.</p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Zum Einstieg in die heutige Degitalisierung soll uns eine leicht poetische Kurzfassung der <a href="https://projekt-gutenberg.org/authors/jean-de-la-fontaine/books/lafontai... „Der Bär und der Gartenfreund“ von Jean de La Fontaine dienen. Die Fabel ist der Ursprung des Sprichworts „jemandem einen Bärendienst erweisen“. Es beschreibt den Versuch, in vermeintlich guter Absicht durch eigenes Handeln eine Situation letztlich noch wesentlich schlimmer zu machen.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In den vergangenen Wochen sind immer wieder Situationen aufgetreten, in denen speziell der Informationssicherheit der sprichwörtliche Bärendienst erwiesen wurde. Es scheint geradezu, als wäre eine ganze Herde von Bären unterwegs gewesen, dabei sind Bären doch eher Einzelgänger, auch die besonders berüchtigten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Problemb%C3%A4r">Problembären</a>. Ein Versuch, die Bärendienste der letzten Wochen zusammenzufassen.</p>

<h2 class="wp-block-heading">Das Bärlein</h2>

<p class="wp-block-paragraph">Trotz phonetischer Ähnlichkeit ist der Name der Stadt Berlin nicht direkt mit Bären verwandt. Berlin kommt eher aus einem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Berlins#Namensherkunft">Sumpf</a>, von der Wortherkunft her. Abgesehen davon ist der Bär das Berliner Wappentier und angesichts aktueller Ereignisse führt uns das zu einem ersten Anschauungsbeispiel für Bärendienste.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Nun ist der Cyberangriff mit anschließendem Leak von etwa einer Million Daten aus zwei Berliner Senatsverwaltungen ein Thema, das in seinen tieferen Ursachen nicht so ganz einfach zu erklären ist, zumal die Situation geradezu von einer gewissen <a href="https://www.heise.de/meinung/Auf-Luecke-gespielt-Was-in-Berlin-den-Rhysi... strotzt.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Was ist eigentlich passiert? Ein Angreifer bewegt sich mindestens seit Anfang August in den Netzen zweier Senatsverwaltungen in Berlin und zieht munter Daten ab. Mitte August etwa wird der Angriff schließlich <a href="https://www.heise.de/news/Cyberattacke-auf-Berliner-Verwaltung-Ermittlun.... Dabei stellt sich heraus, dass dieser wohl schon etwas länger <a href="https://www.heise.de/news/Berlin-Cyberangriff-auf-Verwaltung-begann-lang...

<p class="wp-block-paragraph">Die betroffenen Senatsverwaltungen sind wegen des Angriffs erst mal kurzzeitig nicht handlungsfähig, weil sie vom Landesnetz getrennt werden. Die Auszahlung des Wohngeldes für etwa 50.000 berechtigte Haushalte ist nicht im normalen Zeitraum <a href="https://www.heise.de/news/Berliner-Verwaltungen-nach-Cyberangriff-weiter...öglich</a>. Nach ein paar Tagen gehen die betroffenen Behörden wieder ans <a href="https://www.heise.de/news/Nach-Cyberangriff-Senatsverwaltungen-wieder-am.... Ein sehr großes Netz, von dessen Größe man selbst <a href="https://taz.de/Hackerangriff-auf-Berliner-Verwaltung/!6206839/">überrascht</a> war, wie Interims-CDO Hauer dann feststellen musste. Zwischendrin versucht die Senatsverwaltung zu beschwichtigen, es seien bei einem „sehr professionellen Angriff“ nur <a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/ein-sehr-professioneller-angriff-hack... öffentlich einsehbare Daten</a> abgeflossen. Keine Bange, alles unter Kontrolle.</p>

<h2 class="wp-block-heading">Auftritt des Problembären</h2>

<p class="wp-block-paragraph">Kurz darauf folgt dann der Kontrollverlust. Ein erstes Eingeständnis, dass vielleicht <a href="https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_101406574/sensible-da... mehr Daten</a> abgeflossen sein könnten. Im Darknet taucht bei Rhysida, einer international aktiven Ransomware-Gruppe, die eher finanziell motiviert ist und deren Herkunft nicht <a href="https://www.morgenpost.de/berlin/article413028932/untersuchungen-zu-cybe...ändig</a> geklärt werden kann, ein dezenter Hinweis auf. Dieser besagt, dass die Daten aus Berlin gegen Zahlung von 30 Bitcoin „exklusiv erworben“ werden können, bevor diese veröffentlicht werden. Gefunden hatte das zuerst der <a href="https://www.spiegel.de/netzwelt/berlin-cyberangriff-auf-die-hauptstadt-d... [€]</a>.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In der Folge verhält sich das Land Berlin zumindest in Hinblick auf die Lösegeldforderung konsequent richtig: Es will <a href="https://www.inforadio.de/rubriken/interviews/2026/09/04/hacker-angriff-b... nicht erpressen</a> lassen. In Folge kommt es am Freitag, den 4. September, zur <a href="https://www.spiegel.de/netzwelt/berlin-hacker-veroeffentlichen-offenbar-...öffentlichung</a> aller Daten im Darknet.</p><div id="netzpolitik-cta-530895" class="netzpolitik-cta"><div class="campaign-landtagswahl2026 campaign-landtagswahl2026__stoerer alignfull">
<div class="stripes stripes--stoerer"></div>
<div class="chevron">
<div class="chevron--top"></div>
<div class="chevron--bottom chevron--offset"></div>
</div>
<div class="content">
<div class="content__visible">
<div class="content__row-1">
<svg class="image ltw26-svg" viewBox="0 0 148 148" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink"><defs><style>.cls-1{fill:000000;}</style><clipPath id="clippath"><rect class="cls-1" width="148" height="148" /></clipPath></defs><g class="cls-5"><path class="cls-3" d="M83.02,147.44c40.56-4.98,69.4-41.9,64.42-82.46C142.46,24.42,105.54-4.42,64.98.56,24.42,5.54-4.42,42.46.56,83.02c4.98,40.56,41.9,69.4,82.46,64.42" /><path class="cls-2" d="M82.61,144.16c38.75-4.76,66.3-40.02,61.54-78.77C139.4,26.64,104.13-.91,65.39,3.84,26.64,8.6-.91,43.87,3.84,82.61c4.76,38.75,40.02,66.3,78.77,61.54" /><path class="cls-3" d="M70.13,21.27c1.93.31,3.33,1.79,3.5,3.83l.65,7.65c.19,2.26-1.5,4.11-3.66,4.25-2.07.14-3.96-1.37-4.16-3.57l-.69-7.64c-.18-2.03.93-3.74,2.78-4.38l1.56-.14Z" /><path class="cls-3" d="M123.81,67.04l.14,1.56c-.31,1.93-1.79,3.33-3.83,3.5l-6.87.58c-2.26.19-4.11-1.5-4.25-3.66-.13-2.07,1.37-3.96,3.57-4.16l6.86-.62c2.03-.18,3.74.94,4.38,2.78" /><path class="cls-3" d="M104.8,111.29l-.32-3.93c-.26-2.15-2.03-3.75-4.29-3.55l-46.9,4.1c-2.22.19-3.78,2.09-3.59,4.24l.35,3.93,54.75-4.79ZM95.62,96.32l-2.3-25.98c-.96-10.87-10.69-18.67-21.34-17.69-10.55.98-18.69,10.31-17.76,21.1l2.25,25.99,39.13-3.42ZM109.29,118.78l-62.25,5.45c-2.34.2-4.24-1.22-4.48-3.56l-.68-7.63c-.45-5.04,2.17-9.76,6.85-11.94l-2.32-26.44c-1.33-15.14,9.82-28.36,24.71-29.83,14.9-1.47,28.66,9.44,30.01,24.64l2.38,26.83c4.88,1.31,8.34,5.4,8.78,10.37l.7,7.84c.11,2.2-1.31,4.05-3.7,4.26" /><path class="cls-3" d="M46.26,43.98c1.71,1.43,1.77,3.86.49,5.44-1.3,1.62-3.79,2.03-5.47.61l-6.26-5.27c-1.67-1.41-1.62-3.91-.3-5.43,1.34-1.55,3.76-1.88,5.43-.48l6.11,5.12Z" /><path class="cls-3" d="M102.12,44.58c-1.47,1.76-3.89,1.92-5.55.59-1.61-1.3-2.02-3.79-.6-5.47l5.27-6.26c1.4-1.66,3.92-1.61,5.42-.29,1.54,1.34,1.88,3.76.48,5.43l-5.03,6.01Z" /><path class="cls-3" d="M35.12,79.52l-7.17.64c-2.19.2-4.02-1.43-4.24-3.48-.23-2.14,1.3-4.15,3.55-4.34l7.06-.62c2.19-.19,4,1.41,4.23,3.48.22,2-1.16,4.11-3.44,4.32" /><path class="cls-3" d="M77.7,71.79c.2,2.3-1.42,4.09-3.48,4.32-2.13.24-4.14-1.29-4.34-3.55l-.69-7.84c-.19-2.2,1.43-4.01,3.48-4.24,2.14-.23,4.14,1.29,4.34,3.55l.69,7.76Z" /><path class="cls-3" d="M79.08,87.52c.19,2.16-1.41,4.07-3.57,4.26-2.16.19-4.07-1.41-4.26-3.57-.19-2.16,1.41-4.07,3.57-4.26,2.16-.19,4.07,1.41,4.26,3.57" /></g></svg>
</div>
<div class="content__row-2">
<h3 class="headline">Wir schlagen Alarm. <br> Für deine Grundrechte.</h3>
</div>
<div class="content__row-3"><a class="button" onclick="twingle_stoerer_ltw(this.closest('.content').querySelector('.ltw-2026-stoerer-widget')); return false;">Jetzt mitmachen</a></div>
</div>
<div class="ltw-2026-stoerer-widget"></div>
</div>
<div class="stripes stripes--stoerer"></div>
<div class="chevron">
<div class="chevron--bottom"></div>
<div class="chevron--top chevron--offset"></div>
</div>
</div>

</div>

<p class="wp-block-paragraph">Die Hackergruppe ist etwas schlampig beim Upload der Daten und <a href="https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2026/09/berlin-cyberangriff-neues-d... drittes Datenpaket</a> taucht erst in der Nacht vom 5. auf den 6. September auf. Mit Veröffentlichung aller Daten im Darknet beginnt jetzt eine mühsame Spurensuche, welche Daten eigentlich genau abgeflossen sind. Diese mühsame Spurensuche kann noch <a href="https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2026/09/berlin-innenausschuss-hacke... andauern. Obwohl das genaue Ausmaß des Datenabflusses noch nicht ganz klar ist, wird bereits wieder Entwarnung gegeben: Es seien <a href="https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-09/cyberangriff-berlin-rhys... militärischen Daten</a> abgeflossen und <a href="https://www.zeit.de/digital/2026-09/hackerangriff-berlin-stadtverwaltung... Daten der niedrigsten Geheimhaltungsstufe</a>. Derweil unterstützen bereits <a href="https://www.zeit.de/digital/2026-09/hackerangriff-berlin-rhysida-bsi-bka... Bundesbehörden</a> bei der Aufarbeitung.</p>

<h2 class="wp-block-heading">Jahrelange Bärendienste</h2>

<p class="wp-block-paragraph">Inmitten dieser Berlinigkeit haben sich ganz, ganz viele Bärendienste eingeschlichen. Sei es bei der vorschnellen Kommunikation, dass das alles ja nicht so gefährlich sei, die dann bereits mehrfach zurückgenommen werden musste. Sei es bei der Auswahl des Dienstleisters, der bei der digitalen Forensik unterstützen soll und selbst <a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/nach-hackerangriff-auf-verwaltung-ber... weitere Gefahr</a> für die digitale Souveränität darstellen kann.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Durchaus interessant bei der Aufarbeitung kann da insbesondere die <a href="https://www.youtube.com/watch?v=KVLhj4F97pc&amp;list=PLgqUxMeOmFHwGeGhst... des Ausschusses für Digitalisierung und Datenschutz vom 7. September sein.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Vonseiten des Senats wird da natürlich beteuert, nichts falsch gemacht zu haben. Der Mitarbeiter, der auf den Link in der Phishing-Mail geklickt hat, sei eben ein Teil der Sicherheitsarchitektur, auf den man angewiesen sei. Eine Aussage, die einen Bärendienst an allen Mitarbeitenden der Verwaltung darstellt. Nein, Mitarbeitende, die auf eine ausgefuchste Phishing-Kampagne mit einer über <a href="https://www.microsoft.com/en-us/security/blog/2026/08/28/terminalfix-cam... Ebenen</a> laufenden Angriffskette wie <a href="https://www.bsi.bund.de/SharedDocs/Cybersicherheitswarnungen/DE/2026/202... hereinfallen, als Schuldige hinzustellen, erschlägt jegliches Engagement für die Digitalisierung der Verwaltung. Einem Menschen ist nicht das Fehlen von eigentlich selbstverständlicher Sicherheitsplanken anzulasten.</p>

<p class="wp-block-paragraph">In Berlin sind über die Jahre Investitionen in Informationssicherheit verschleppt worden. Lücken wurden ignoriert und über Jahrzehnte ist ein Zoo an nicht mehr zeitgemäß zu handhabenden Anwendungen entstanden, die allesamt das Informationssicherheitsniveau derart gesenkt haben, dass ein derart großer Schaden wie der jetzige überhaupt erst eintreten konnte.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Kürzungen an den Mitteln für Informationssicherheit? <a href="https://netzpolitik.org/2024/berliner-haushalt-2025-it-sicherheit-und-ve... Haushalt 2025 jüngst</a>. Waren Mängel bekannt? Ja klar, besonders schwerwiegende Mängel etwa im Kontext der Justizverwaltung, wie der Rechnungshof im <a href="https://www.parlament-berlin.de/ados/19/IIIPlen/vorgang/d19-2082.pdf?#pa... 2024</a> feststellte. Sicherheit von Fachverfahren, also den spezialisierten Anwendungen, die einen Großteil der Verwaltungsvorgänge beherbergen? „Sie wissen selbst, wie alt manche Fachverfahren sind“, war in der <a href="https://www.youtube.com/watch?v=KVLhj4F97pc&amp;list=PLgqUxMeOmFHwGeGhst... des Abgeordnetenhauses zu hören. Bei 21 Fachverfahren im Kontext Berlin lassen sich inzwischen kompromittierte Passwörter gar nicht ändern, weil diese fest im Quelltext hinterlegt sind.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Alles jeweils Bärendienste im Sinne der Informationssicherheit. Sei es aus Knausrigkeit, Unkenntnis, fehlender Priorisierung oder „haben wir schon immer so gemacht“. Dazu kommt <a href="https://www.golem.de/news/verwaltung-it-dienstleister-berlins-kaempft-um... chronische Unterfinanzierung</a> des Berliner Kommunaldienstleisters ITDZ, der zwar nicht für die Überwachung der betroffenen Senatsverwaltungen zuständig war, aber dennoch die auffälligen Netzwerkverbindungen bei der Exfiltration der Daten gemerkt und gemeldet hat – im Verwaltungssinne quasi fast schon illegalerweise ohne direkte Zuständigkeit. Dazu kommt eine „vollständig zerstörte Kommunikation“ zwischen dem ITDZ und der Senatsverwaltung <a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/kernschmelze-und-katastrophe-streit-z... Mitte des Jahres [€]</a>.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Bei all diesem Wirrwarr in Berlin ist gar nicht mehr so klar trennbar, wer hier wem welchen Dienst erweist, aber in Summe handelt es sich um eine jahrelang anhaltende Kette an Bärendiensten im Sinne der Informationssicherheit. Tragen müssen die <a href="https://www.cyberkrisenmanagement.blog/was-berlins-datenabfluss-fur-komm... des Leaks in Berlin viele Menschen, Behörden und Organisationen auch außerhalb Berlins über die nächsten Jahre hinweg.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Hoffnung verbreitet in dieser Berlinigkeit ausgerechnet Falk Steiner <a href="https://www.heise.de/meinung/Auf-Luecke-gespielt-Was-in-Berlin-den-Rhysi... einem Kommentar</a>, der noch Schlimmeres befürchtete:</p><div id="netzpolitik-cta-523281" class="netzpolitik-cta"><div class="interstitial--article interstitial--article--gradient-1">
<div class="interstitial--article--main">
<div class="interstitial--article--section interstitial--article--header">
<h3>Alles netzpolitisch Relevante</h3>
<p>Drei Mal pro Woche als Newsletter in deiner Inbox.</p>
</div>
<div class="interstitial--article--section interstitial--article--cta">
<a href="/newsletter/?mtm_campaign=stoer" class="np-btn np-btn--light wpa-focusable">Jetzt abonnieren</a>
</div>
</div>
</div></div>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Auf der Habenseite der Berlin-Rhysida-Debatte steht lediglich, dass angesichts der geplanten Reform des Nachrichtendienstrechts noch niemand einen „Hackback“ des Bundesnachrichtendienstes auf Rhysida-Infrastruktur gefordert hat – selbst wenn <a href="https://www.heise.de/news/Geheimdienst-Reform-Mehr-Befugnisse-fuer-BND-u... Novelle des Bundesnachrichtendienstgesetzes</a> genau das im Prinzip ermöglichen könnte. Mitunter ist es dann eben schon ein Fortschritt, wenn nicht die allerabsurdesten Ideen ventiliert werden.</p>
</blockquote>

<h2 class="wp-block-heading">Bärenfallen</h2>

<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich sollte es in dieser Kolumne um diesen anderen Bärendienst gehen. Die Novelle des Bundesnachrichtendienstgesetzes. Den <a href="https://www.heise.de/meinung/Kommentar-Das-BSI-darf-nicht-zum-Zero-Day-H..., Sicherheitslücken für deutsche Geheimdienste „in Wert bringen zu wollen“. Den politischen Versuch, Sicherheitslücken, die an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gemeldet werden, auch an Geheimdienste auszuleiten. Sicherheitslücken, welche inzwischen auch im Kontext des Cyber Resilience Act von Herstellern von Produkten mit digitalen Elementen an das BSI als Zentralstelle gemeldet werden <a href="https://www.heise.de/news/Gilt-ab-heute-CRA-setzt-24-Stunden-Frist-fuer-...üssen</a>.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Aber das scheint erst mal abgewendet: Nein, jetzt wieder doch keine Ausleitung an <a href="https://www.heise.de/news/Geheimdienst-Reform-Mehr-Befugnisse-fuer-BND-u.... Versprochen. Oder?</p>

<p class="wp-block-paragraph">Als die Themensetzung für diese Kolumne stattfand, waren in zwei Berliner Senatsverwaltungen Angreifer so tief im System, dass sie in aller Ruhe über Tage mehrere Terabyte an Daten ausleiten konnten. Daten fast aller Vertraulichkeitsarten, Daten von Bürger*innen, Unternehmen, kritischen Infrastrukturen, der Wasserversorgung in Berlin, Informationen über geplanten <a href="https://netzpolitik.org/2026/kameras-und-drohnen-in-berlin-was-verhalten... Objektschutz</a>, kopierte MP3s auf Verwaltungsverzeichnissen und so weiter.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Das Bild der Informationssicherheit in Deutschland ist grotesk. Auf der einen Seite werden immer mehr politische Befugnisse zur Überwachung, aber auch für offensive Cyberangriffe ersonnen, zumindest in den <a href="https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/gesetzgebungsverfahren/DE/Downloads/r...ürfen</a> von Referaten in Ministerien. Dies könne die Grundlage für die Auftragserfüllung darstellen, so hieß es da zu Beginn. Das zeugt von einem veralteten und grotesk verzerrten Bild von Informationssicherheit, bei dem sich Sicherheitslücken nur von den „Guten“ nutzen lassen und professionelle Cyberkriminelle durch Strafandrohung abgeschreckt werden.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Auf der anderen Seite öffentliche Einrichtungen, die ein adäquates Informationssicherheitsniveau kaum alleine halten können. Die Senatsverwaltungen in Berlin sind kein Einzelfall, sie sind nur der Teil der Verwaltung, der gerade im Fokus steht. Der Cyberangriff auf Anhalt-Bitterfeld war <a href="https://kommunalwiki.boell.de/index.php/Cyberangriff_auf_Landkreis_Anhal..., Südwestfalen <a href="https://kommunalwiki.boell.de/index.php/Cyberangriff_auf_die_S%C3%BCdwes.... Berlin, <a href="https://kommunalwiki.boell.de/index.php/Cyberangriffe#Senatsverwaltung_B.... In der Folge wird der nächste größere Vorfall kommen – wann genau, ist ungewiss.</p>

<p class="wp-block-paragraph">Um es grotesk zu halten, schließt diese Kolumne mit einem Zitat von Sinan Selen, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, der den <a href="https://www.heise.de/news/Verfassungsschutz-sieht-kein-Zero-Day-Problem-... in Hinblick auf den Schutz der Gesellschaft zumindest klar umreißt:</p>

<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">Der Auftrag ist ein eindeutiger: Schutz der Wirtschaft und der Gesellschaft. Und das wird nicht gelingen, wenn wir vorne so tun, als hätten wir die Hauseingangstür gesichert, und hinten dann bewusst die Terrassentür offenlassen.</p>
</blockquote>

<p class="wp-block-paragraph">Hoffen wir mal, dass sie in Berlin auch alle Terrassentüren schon gefunden haben.</p>
<hr id="spenden"><p>Die Arbeit von netzpolitik.org finanziert sich zu fast 100% aus den Spenden unserer Leser:innen. <br>Werde Teil dieser einzigartigen Community und unterstütze auch Du unseren gemeinwohlorientierten, werbe- und trackingfreien Journalismus <a href="https://netzpolitik.org/spenden/?via=rss">jetzt mit einer Spende</a>.</p>

webadresse: 
https://netzpolitik.org/2026/der-baerendienst/
Autor/Gruppe: 
Bianca Kastl
Themen: 
feed-date: 
Sonntag, September 13, 2026 - 07:57