Leipzig: Auto von Immobiliensfirma eingefärbt und tiefergelegt
Wir haben letzte Woche vor dem Sitz der Domus Hausverwaltungs GMBH, in der Ferdinand-Lassalle-Straße, einer ihrer Firmenautos mit Farbe bemalt und die Reifen eingestochen.
Die Domus Hausverwaltung GMBH kümmert sich laut eigener Aussauge um das Managment von Wohn- und Geschäftshäuser, Gewerbeimmobilien, Wohnungseigentumsanlagen, Immobilienfonds, Gewerbegebiete, Garagengrundstücke und unbebaute Liegenschaften mit Schwerpunkt in Leipzig und Umland. Dass sich ihr Arbeitsfeld nicht nur auf Instandshaltung von Wohnhäusern eingrenzt, erkennt man rasch mit einem Blick auf ihrer Website. Gemeinsam mit der Marklergesellschaft Rosental Immobilien GMBH werden neuwerrtige Wohnungen zum Vermieten bzw. Verkauf angeboten. Die hierbei angepriesenen Angebote befinden sich alle über den durchschnittlichen Mietenspiegel der Stadt und sorgen somit nicht für eine Entspannung des "Mietwohnungsmarktes".
Das Leben in der Stadt wird durch wie die oben genannten Unternehmen Tag für Tag zur Qual. Billige Mietshäuser sind in Leipzig mittlerweile so rar wie der Eisvogel im Auwald. Unsere Alternative entspricht nicht der anhaltenden Norm von Gewinn der Lebensunterkünften. Nur solidarisch und autonom kann das Grundrecht auf Wohnen gesichtert werden.
Präziser formuliert bedeutet, dass die Menschen, die in einem Haus leben, auch über ihr Zuhause entscheiden. Sie bestimmen gemeinsam über Renovierungen, die Vergabe von Wohnungen und die Nutzung gemeinschaftlicher Räume. Niemand sollte ausziehen müssen, nur weil ein Haus möglichst gewinnbringend verkauft werden soll. Diese Art von Wohraum stärken Nachbarschaften, ermöglichen gegenseitige Unterstützung und öffnen Räume für soziale und kulturelle Initiativen. Kollektiveigentum, Genossenschaften und das Mietshäuser-Syndikat setzen dabei ein klares Zeichen: Häuser sollen den Menschen gehören, die in ihnen leben – nicht denjenigen, die mit ihnen spekulieren.
Doch einzelne Projekte reichen angesichts der Wohnungsnot nicht aus. Deshalb müssen wir auch über die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände sprechen. Wenn private Immobilienkonzerne mit Wohnraum hohe Renditen erzielen und dadurch Mieten steigen, darf die Gesellschaft nicht tatenlos zusehen. Besonders problematisch ist die Akkumulation von Wohnraum: Immer mehr Wohnungen befinden sich im Besitz weniger Unternehmen und Investor*innen. Diese Konzentration verleiht ihnen große Macht über Mieten, Modernisierungen und die Zukunft ganzer Stadtviertel. In Leipzig trägt sie dazu bei, dass Wohnraum nicht mehr nach sozialen Bedürfnissen, sondern nach Renditeinteressen verteilt wird.
Durch Enteignung gegen angemessene Entschädigung und die Überführung großer Wohnungsbestände in selbstbestimmt verwaltetes Gemeineigentum könnte Wohnraum dauerhaft dem Profitprinzip entzogen werden. Dabei sollte nicht eine anonyme Behörde allein entscheiden: Mieter*innen müssen an Verwaltung und Kontrolle beteiligt sein. Vergesellschaftung bedeutet also nicht, Menschen ihr Zuhause wegzunehmen. Im Gegenteil: Sie bedeutet, Wohnraum zu sichern, Spekulation zu begrenzen und autonome Mitbestimmung zu ermöglichen.
Deshalb müssen wir uns einmischen, uns organisieren und solidarische Wohnformen politisch unterstützen. Ein freibestimmte Lebensvielfalt ist möglich, wenn wir Wohnen gemeinsam denken und gemeinsam verteidigen.
Kommt deshalb zur Krach-Demo am 19.09. um 16:30 am Exil. Gemeinsam gegen die kapitalistische Verdrängung innerhalb der Stadt.
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