Gino soll nach Deutschland ausgeliefert werden! Einige Gedanken und ein Aktionsaufruf

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Am 19.08.2026 hat ein Pariser Gericht entschieden, dass Gino nach Deutschland ausgeliefert werden soll.

 

Gino ist einer der vielen Beschuldigten im sogenannten Budapest-Komplex. Er hat sich mehrfach dem Zugriff der Behörden entzogen und wurde schließlich in Frankreich verhaftet, dort jedoch vorerst frei gelassen und seine Auslieferung nach Ungarn im April letzten Jahres abgelehnt.

Daraufhin erließen die deutschen Behörden im Dezember 2025 einen europäischen Haftbefehl und Gino wurde erneut verhaftet. Zwar wurde er entlassen und durfte selbstständig zu den Verhandlungen erscheinen, jedoch fiel das Urteil am Mittwoch negativ aus. 

Gegen dieses Urteil wurde Widerspruch eingelegt und eine finale Entscheidung ist Ende September zu erwarten, da das Gericht 40 Tage Zeit dafür hat.

 

Dass die deutschen Behörden nun auch Interesse daran haben, Gino zu verhandeln, einzusperren und nach einem Urteil sehr wahrscheinlich abzuschieben, liegt daran, dass zwei der angegriffenen Faschist:innen deutsche Staatsbürger:innen sind und ihm eben jener Angriff vorgeworfen wird.

Es ist nicht klar, an welchem Gericht Gino verhandelt werden könnte, oder ob die Deutschen ihn nicht sogar direkt nach Ungarn weitergeben.

 

Der gesamte Komplex verdeutlicht einmal mehr, mit wie viel Aufwand die Repressionsbehörden in Europa und darüber hinaus gegen antifaschistische Personen, solidarische Strukturen und libertäre Ideen vorgehen.

Hierbei geht es nicht nur um Angriffe auf Faschist:innen. An den Verfolgten im Antifa Ost-Verfahren und im Budapest-Komplex soll ein Exempel statuiert, alle ausgeleuchtet und abgeschreckt werden.

 

Eine Hetzjagd über einen gesamten Kontinent wird begleitet von der Verharmlosung der sogenannten Opfer, dem Überschreiten ihrer eigenen Gesetze und dem Versuch der Einschüchterung aller, die dem aufkommenden Faschismus und dem Kapitalismus, der den Nährboden hierfür liefert, etwas entgegen setzen.

 

Auch wenn die Prozesse nicht immer politisch geführt werden und Rückschläge wie Einlassungen, ein Glaube an einen deutschen Rechtsstaat, der vermeintlich besser sei als der Ungarische oder der Eintritt ins EU-Parlament keine revolutionäre Perspektive fördern, so muss doch verteidigt werden, was allen hier Beschuldigten vorgeworfen wird - Faschisten anzugreifen.

 

Gerade diejenigen, die sich nicht beugen, müssen mit allen Mitteln unterstützt werden und diejenigen, die unsere Gefährt:innen einsperren, jagen, ausliefern und verfolgen, müssen Konsequenzen spüren.

 

Die Prozesse in Düsseldorf und Dresden werden noch viele Monate laufen und es sind hohe Haftstrafen zu erwarten.

 

Maja sitzt seit Jahren in ungarischer Haft, nachdem das sächsische LKA die Gefährt:in entführt und den ungarischen Behörden übergeben hat.

 

Hanna wurde im ersten deutschen Budapest-Prozess zu vielen Jahren Haft verurteilt.

 

Zaid und Gino sind in Frankreich von einer Auslieferung nach Deutschland, möglicherweise Ungarn und Abschiebungen nach Syrien und Albanien bedroht.

  

Drei weitere Beschuldigte entziehen sich noch immer erfolgreich dem Zugriff der Behörden, die nach wie vor mit viel Druck nach ihnen fahnden.

 

Lina und Jannis sitzen momentan für sechs Monate in Beugehaft, weil sie geschwiegen und so die weiteren Beschuldigten und die Bewegung nicht verraten haben.

 

In Ulm wird derzeit die deutsche Staatsräson mit allen Mitteln gegen fünf widerständige Gefangene verteidigt.

 

Es liegt in der Verantwortung der Bewegung, Prozesse politisch zu begleiten, Solidarität auch praktisch zu üben und den Angriff der diversen Staaten als einen Angriff auf uns alle zu verstehen.  

Individualisierende Kampagnen, Forderungen an einen Rechtsstaat und ein Glaube an Demokratie können nur dann fatal für die Bewegung sein, wenn wir keine eigenen offensiven Antworten auf die Schläge finden, die sie gegen uns austeilen.

Es liegt ebenso in der Verantwortung der Bewegung, die eigenen Ideen zu verteidigen und die Schicksale der Gefährt:innen nicht in die Hände der Medien oder Anwält:innen zu legen oder ab und an ein Foto mit Pyro zu schießen.

 

Grundsätze wie „Anna und Arthur halten's Maul“ müssen weiterhin gelten. 

Wir sollten uns jedoch Fragen, welche Fehler wir gemacht haben, die dafür sorgen, dass Einlassungen gemacht werden und wie es zukünftig zu verhindern ist, dass diese Prinzipien nicht eingehalten werden. 

 

Freiheit für alle Gefangenen!

 

Solidarität mit den Verfolgten und Untergetauchten!

 

 

 

 

 

Gino is to be extradited to Germany!

 

Some Thoughts and a Call to Action

  

On August 19, 2026, a Paris court decided that Gino should be extradited to Germany.

Gino is one of the many defendants in the so-called Budapest Complex case. He evaded the authorities on multiple occasions and was eventually arrested in France, where he was initially released, and his extradition to Hungary was denied in April of last year. 

Consequently, in December 2025, the German authorities issued a European arrest warrant, and Gino was arrested again. Although he was released and allowed to appear at the hearings on his own, the verdict handed down on Wednesday was unfavorable.

An appeal has been filed against this verdict, and a final decision is expected by the end of September, as the court has 40 days to decide.

 

The reason the German authorities are now also interested in prosecuting Gino, imprisoning him, and—following a verdict—most likely deporting him is that two of the fascists who were attacked are German citizens, and he is accused of committing that very attack.

It is unclear in which court Gino might be tried, or whether the Germans might even hand him over directly to Hungary. 

This entire situation illustrates once again the immense effort with which repressive authorities in Europe and beyond are cracking down on anti-fascists, solidarity networks, and libertarian ideas.

This is not merely about attacks on fascists. The goal is to make an example of those being persecuted in the Antifa Ost case and the Budapest case, to investigate everybody, and to discourage others.

 

A humanhunt across an entire continent is accompanied by the trivialization of the so-called victims, the violation of their own laws, and attempts to intimidate anyone who opposes rising fascism and the capitalism that provides the breeding ground for it.

 

Even if the trials are not always conducted along political lines, and setbacks such as admissions in court, a belief in a German constitutional state that is supposedly better than the Hungarian one, or election to the European Parliament do not promote a revolutionary perspective, we must still defend what all those accused here are charged with—attacking fascists.

 

It is precisely those who refuse to bow down who must be supported by every means possible, and those who imprison, hunt down, extradite, and persecute our comrades must face consequences.

 

The trials in Düsseldorf and Dresden will continue for many months, and lengthy prison sentences are expected.

 

Maja has been in Hungarian custody for years after the Saxon State Criminal Police Office (LKA) abducted her and handed her over to the Hungarian authorities.

 

Hanna was sentenced to many years in prison in the first German trial on the Budapest case.

 

Zaid and Gino face the threat of extradition from France to Germany—and possibly Hungary—as well as deportation to Syria and Albania.

 

Three other accused are still successfully evading capture by the authorities, who continue to search for them with great intensity.

 

Lina and Jannis are currently serving six months in coercive detention because they remained silent and thus did not betray the other accused or the movement.

  

In Ulm, German state raison d'état is currently being defended by any means necessary against five resistant prisoners.

 

It is the movement’s responsibility to provide political support during trials, to practice solidarity in concrete ways, and to understand the attack by various states as an attack on all of us.

 

Campaigns that focus on individuals, demands for the rule of law, and a belief in democracy can only be fatal to the movement if we fail to find our own proactive responses to the punches they are throwing at us.

 

It is therefore also the movement’s responsibility to defend its own ideas and not to leave the fates of our comrades in the hands of the media or lawyers—or to merely take the occasional photo with pyro.

 

Principles such as “Anna and Arthur keep their mouths shut” must continue to apply.

However, we should ask ourselves what mistakes we’ve made that lead to such statements being made, and how we can prevent these principles from being violated in the future.

 

Freedom for all prisoners!

 

Solidarity with the persecuted and those in hiding!

 

 

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