Baden-Württemberg: Grüne Basis stimmt gegen Palantir
<p>In einer Urabstimmung fordert die überwältigende Mehrheit der Grünen, den Palantir-Vertrag sofort zu kündigen. Doch die Landesregierung hält an ihrem Kurs fest. Dabei verlangen die Mitglieder alles andere als eine grundlegende Wende.</p>
<figure class="wp-caption entry-thumbnail"><img width="2560" height="1706" src="https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/07/imago861305830-scaled.jpg" class="attachment-landscape-860 size-landscape-860 wp-post-image" alt="Cem Özdemir schaut angespannt in die Ferne." decoding="async" srcset="https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/07/imago861305830-scaled.jpg 2560w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/07/imago861305830-726x484.jpg 726w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/07/imago861305830-1013x675.jpg 1013w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/07/imago861305830-1536x1024.jpg 1536w, https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2026/07/imago861305830-2048x1365.jpg 2048w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /><figcaption class="wp-caption-text">Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) rückt nicht vom Palantir-Vertrag ab. <span class='media-license-caption'> – Alle Rechte vorbehalten: IMAGO / dts Nachrichtenagentur</span></figcaption></figure><p>Das Zeichen ist klar: Bei einer <a href="https://netzpolitik.org/2026/gruene-palantir-nein-datenanalyse-ja/">Urab... der Grünen</a> in Baden-Württemberg sprachen sich 92 Prozent <a href="https://keinebasisfuerpalantir.de/stoppt-palantir-sofort-so-das-ergebnis... die Einführung der Datenanalyse-Software Gotham</a> in der Landespolizei aus. 40 Prozent der grünen Parteimitglieder beteiligten sich an der Stimmabgabe. Das Ergebnis: Ihren Fünf-Jahres-Vertrag mit dem US-Konzern Palantir solle die Landesregierung sofort kündigen.</p>
<p>Mit Palantirs Software soll die baden-württembergische Polizei Millionen Datensätze aus verschiedenen Quellen verknüpfen und nach Zusammenhängen durchsuchen. Die Mehrheit der Abstimmenden fürchet eine Rasterfahndung auf Knopfdruck. Außerdem gebe es die Gefahr, dass <a href="https://www.nordkurier.de/politik/millionen-fuer-eine-software-auf-abruf... an US-Behörden herausgegeben werden müssen</a>.</p>
<h2>Parteibasis und Regierungsfraktion im Konflikt</h2>
<p>Die Landesregierung sieht das Ergebnis der Urabstimmung eher als Bestätigung des bestehenden Kurses. Der lautet: Das Land soll schnellstmöglich auf eine europäische Alternative umsteigen. Bis dahin – Palantir. Unter „schnellstmöglich“ versteht die Landesregierung wohl, was auch schon im Koalitionsvertrag steht: spätestens bis zum Jahr 2030. Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) wiederholte, <a href="https://www.tagesschau.de/inland/regional/badenwuerttemberg/swr-gruene-s... Vertrag festhalten zu wollen</a>. Erst vor wenigen Tagen <a href="https://www.nordkurier.de/politik/millionen-fuer-eine-software-auf-abruf... die grüne Landtagsfraktion gemeinsam mit der CDU</a> gegen einen <a href="https://www.landtag-bw.de/resource/blob/645236/181c70b1ce1fde0576987112f... der SPD</a>, Gotham zu stoppen.</p>
<p>Im vergangen Jahr schloss das von der CDU geführte Innenministerium einen millionenschweren Vertrag mit Palantir. Der grüne Koalitionspartner erfuhr davon erst im Nachhinein. Selbst wenn die Landesregierung der Urabstimmung folgen würde, müssten die 25 Millionen Euro Lizenzgebühren an den US-Konzern gezahlt werden, <a href="https://keinebasisfuerpalantir.de/#Haeufig-gestellte-Fragen">heißt es zu der Urabstimmung</a>. Die CDU hatte den Vertrag mit Palantir <a href="https://www.stuttgarter-zeitung.de/lokales/baden-wuerttemberg/bedenken-g... Ausstiegsklauseln unterschrieben</a>.</p><div id="netzpolitik-cta-523281" class="netzpolitik-cta"><div class="interstitial--article interstitial--article--gradient-1">
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<h2>Palantir nein, Datenanalyse ja</h2>
<p>Die Initiator:innen der Urabstimmung schlagen Alternativen vor: Prominent dabei ist die Datenanalyse-Software ArgonOS aus Frankreich. Für diese hatte sich <a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/verfassungsschutz-cybersicherheit-pa... Bundesamt für Verfassungsschutz entschieden</a>.</p>
<p>Jede Datenanalysesoftware müsse „im Einklang mit unserer Verfassung und unserer Datenschutzgrundverordnung stehen“, heißt es in der Pressemitteilung zur Urabstimmung. Die Werte der digitalen Souveränität, informationellen Selbstbestimmung und Verfassungstreue seien mit dem US-amerikanischen Anbieter unvereinbar. Doch stehen die Grünen einer „sorgfältigen Nutzung automatisierter Datenanalysen in der Polizeiarbeit grundsätzlich offen gegenüber“.</p>
<p>Dass auch eine derartige Datenanalyse-Software aus Europa <a href="https://netzpolitik.org/2026/totalitaere-tendenzen-palantir-ersatz-aus-d... für Grund- und Freiheitsrechte wäre</a>, spielt in der Urabstimmung keine Rolle. Möglichst viele Daten zu verknüpfen und automatisch zu analysieren, kann <a href="https://netzpolitik.org/2025/automatisierte-datenanalyse-palantir-gesetz... auch unschuldige Menschen</a> ins Visier der Sicherheitsbehörden rücken. Ein so umfangreiches Überwachungstool könnte in den falschen Händen auch weit über die aktuell genannten Ziele hinaus eingesetzt werden.</p>
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