Aufruf: Soziale Kampfbaustelle – feministisch, dekolonial, antiautoritär 01.–06. September 2026 | Rheinmetall Entwaffnen Camp | Kölner Grüngürtel (Nähe Hans-Böckler-Platz)
Soziale Kampfbaustelle – feministisch, dekolonial, antiautoritär
01.–06. September 2026 | Rheinmetall Entwaffnen Camp |
Kölner Grüngürtel (Nähe Hans-Böckler-Platz)
Schule, Arbeitsamt, Rheinmetall-Fabrik – und es gibt Orte, die Risse im Kontinuum der Zurichtung auf Kriegstüchtigkeit sind. Zwischen Zelten, Plena und direkten Aktionen entsteht für wenige Tage eine andere Geographie: keine Insel außerhalb von Krieg, Ausbeutung und Patriarchat, sondern eine Unterbrechung ihrer Selbstverständlichkeit.
Anfang September eröffnen feministische, dekoloniale und antiautoritäre Gruppen und Einzelpersonen aus Köln die Soziale Kampfbaustelle auf dem Rheinmetall-Entwaffnen-Camp. Unser antimilitaristisches Labor soll Menschen zusammenbringen, die Militarisierung nicht als isoliertes Phänomen begreifen, sondern als Ausdruck einer globalen und lokalen Ordnung, die ihre Krisen mit Gewalt verwaltet.
Krieg beginnt nicht erst mit Bomben und Fronten. Seine Gewalt entsteht lange zuvor – in Rüstungsfabriken, Grenzregimen, patriarchalen Geschlechterverhältnissen und einer globalen Wirtschaftsordnung, die Leben unterschiedlich bewertet. Unsere feministischen Perspektiven machen sichtbar, wie Militarisierung auf Vorstellungen von Männlichkeit, Kontrolle und der Verfügbarkeit von Körpern beruht.
Unsere dekoloniale Analysen zeigen, wie koloniale Herrschaftsverhältnisse in Rohstoffkriegen, Grenzregimen und militärisch abgesicherten Lieferketten fortwirken. Und unser antiautoritärer Antimilitarismus beschränkt sich deshalb nicht auf die Ablehnung von Waffen oder Hierarchien. Er sucht nach kollektiven Formen des Zusammenlebens, in denen Verantwortung geteilt, Macht hinterfragt und Solidarität praktisch gelebt wird.
Deshalb ist das gemeinsame Leben auf der Baustelle genauso wichtig wie Diskussionen, Workshops oder Aktionen. Unser Herzstück ist der tägliche Austausch von 18 bis 19 Uhr am Großzelt der Sozialen Kampfbaustelle. Darüber hinaus organisieren wir gemeinsames Essen und Abende an der Feuertonne, Veranstaltungen, Filmvorführungen und Diskussionen zu antimilitaristischen Strategien, Desertion und sozialen Revolten sowie gemeinsame Aktionen und Demonstrationen.
Die gegenwärtige Militarisierung ist weit mehr als eine sicherheitspolitische Entwicklung. Sie verändert die Gesellschaft. Öffentliche Haushalte werden auf Aufrüstung ausgerichtet, Universitäten forschen für militärische Anwendungen, die Bundeswehr wirbt an Schulen und auf Messen um Nachwuchs und Begriffe wie „Kriegstüchtigkeit“ werden zur politischen Normalität. Gleichzeitig geraten Krankenhäuser, Schulen, Jugendzentren und soziale Infrastruktur unter Druck.
Während Milliarden für Rüstung bereitstehen, fehlen Mittel für Wohnen, Pflege oder Bildung. Militarisierung und Sozialabbau sind keine getrennten Entwicklungen, sondern zwei Seiten derselben Politik. Die Frage ist nicht, ob Geld vorhanden ist, sondern welche Gesellschaft finanziert werden soll.
Gerade deshalb darf Antimilitarismus keine Nischenpolitik bleiben. Wenn das Kriegsregime alle gesellschaftlichen Bereiche durchdringt, müssen auch soziale, feministische, antifaschistische, antirassistische und klimagerechte Kämpfe als antimilitaristische Kämpfe verstanden werden. Nicht weil Krieg das einzige politische Thema wäre, sondern weil Militarisierung alle anderen Kämpfe verändert und bereits Erkämpftes angreift.
In diesem Zusammenhang gewinnt auch der Begriff der Desertion eine neue Bedeutung. Er meint nicht nur die Verweigerung militärischen Gehorsams, sondern den Bruch mit einer Gesellschaft, die Menschen zu Funktionen von Staat, Kapital und Krieg macht. Desertieren heißt, sich der Vorstellung zu entziehen, dass Sicherheit nur durch Aufrüstung und Gehorsam entstehen könne. Deshalb wollen wir einen Antimilitarismus entwickeln, der die Verbindungen zwischen Krieg, Klimakrise, Patriarchat, Rassismus, sozialem Kahlschlag und autoritärem Staatsumbau sichtbar macht.
Die Soziale Kampfbaustelle ist kein Ort fertiger Antworten. Sie ist ein Raum, in dem unterschiedliche Erfahrungen und Kämpfe zusammenkommen: Menschen aus antifaschistischen, feministischen, antirassistischen und klimagerechten Zusammenhängen, aus Gewerkschaften, Stadtteilinitiativen und internationalen Solidaritätsnetzwerken. Uns verbindet dabei die gemeinsame Überzeugung, dass Widerstand nur in seiner Vielfalt stark wird.
Eine andere Gesellschaft wird nicht entdeckt – sie wird gemeinsam gebaut. Stein für Stein, Gespräch für Gespräch, Aktion für Aktion. Die Soziale Kampfbaustelle ist eine Einladung, damit anzufangen.
Aufruf von www.subversive-theorie.de zur sozialen Kampfbaustelle 2026
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